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Ein Gespräch mit dem Moderator Jörg Pilawa : Rolle rückwärts und fünf verschiedene Kostüme

  • Aktualisiert am

Reisender in Sachen Unterhaltung: Jörg Pilawa Bild: dpa

Jörg Pilawa wechselt vom ZDF zur ARD. Dort wird er weniger Shows präsentieren, aber ganz besondere, wie er findet. Dass er beim Zweiten nicht „Wetten dass ..?“ übernahm, hat auch einen Grund.

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          Was hat die ARD, was das ZDF nicht hat?

          Jörg Pilawa: (Lacht) Ein A und ein R. Aber im Ernst: Ich habe gelesen, ich glaube sogar aus Ihrer Feder, ich würde eine Rolle rückwärts machen. Dazu muss ich sagen: Das einzige Mal, dass ich im Schulsport eine Eins bekommen habe, war bei einer Rolle rückwärts. Wenn ich die jetzt wieder hinlege, wäre ich zufrieden. Ich habe in der ARD über zehn Jahre sehr gute und sehr erfolgreiche Sendungen machen dürfen und hatte danach drei gute Jahre beim ZDF. Ich gehe dahin zurück, wo ich viel Freude und Erfolg hatte, und das nach dem Auslaufen eines Vertrages. Nicht gerade spektakulär, aber so ist es.

          Es muss ja ein Lockmittel geben.

          Als ich zum ZDF gewechselt bin, wollte ich einen Schnitt in meinem Leben machen. Ich hatte bei der ARD an die zweihundert, 220 Sendungen im Jahr gemacht. Dann habe ich ein Jahr Auszeit mit meiner Familie genommen, in dem wir um die Welt gereist sind. Dass ich jetzt vom ZDF zur ARD zurückkehre, hat wieder mit meiner ganz persönlichen Lebensplanung zu tun. Das ist keine Entscheidung gegen das ZDF. Der NDR und die ARD – das ist schon so etwas wie Heimat für mich.

          Aber Sie hätten beim ZDF schon gerne „Wetten, dass ..?“ gemacht.

          Als ich auf einen möglichen Wechsel zum ZDF angesprochen wurde – das ist fünf Jahre her –, gab es durchaus die Frage, ob ich die Show übernehmen würde, sollte Thomas Gottschalk aufhören. Aber es gibt für mich ein „Wetten, dass ..?“ vor dem tragischen Unfall von Samuel Koch und eines danach. Ich bin froh, dass man mich gefragt hat. Aber es gab für mich mehr Gründe, die dagegen sprachen als dafür.

          Geht es beim jetzigen Wechsel ums Geld?

          Wenn es darum gegangen wäre, hätte ich beim ZDF unterschreiben müssen. Mir lag ein sehr gutes und faires Angebot vor. Auf dem Lerchenberg hätte ich mehr Sendungen machen können als bei der ARD.

          Ihre Domäne ist das Quiz. Ich kann mir vorstellen, dass die ARD mit Ihnen nun aber auch etwas anderes vorhat.

          Es ist nicht so, dass mir die ARD ein Paket angeboten hätte, dass ich dort nun viel mehr machen könnte als beim ZDF. Ich werde am 1.März um 20.15 Uhr im Ersten mit einer Show beginnen, die eine Hommage an „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff darstellt. Wir feiern in diesem Jahr fünfzig Jahre EWG. Das ist die Mutter aller deutschen Quizshows. Das ist für mich ein guter neuer Auftakt in der ARD.

          Könnte er Kanzler? Jörg Pilawa moderierte die ZDF-Castingshow „Ich kann Kanzler“
          Könnte er Kanzler? Jörg Pilawa moderierte die ZDF-Castingshow „Ich kann Kanzler“ : Bild: dpa

          Klingt reichlich retro. EWG – da denken viele nur an Europa.

          Um den Europa-Gedanken ging es dabei ja auch: Europa war zu Gast im deutschen Fernsehen. In meiner Show werden acht Prominente aus acht europäischen Ländern sein, die den EWG-Champion ausspielen. Und apropos retro: Das ist zwar eine Hommage an den damaligen Moderator und an eine Zeit, in der Fernsehen noch wie ein großer Theaterbesuch wahrgenommen wurde. Wir präsentieren diese – einmalige – Show aber zugleich mit einem ganz neuartigen Bühnenbild – in Gaze. Es gibt nicht die klassischen Aufbauten, es wird mit Gazen und Licht gearbeitet. Das wird von der Anmutung her etwas ganz Neues. Vier der Prominenten stehen schon stehen fest: Für Deutschland spielt Nora Tschirner, für Österreich Hans Sigl, für England Francis Fulton-Smith und Rolando Villazon für Frankreich; das Land, in dem er lebt. Wir haben die Prominenten bisher ganz leise gesucht, die vier übrigen kommen noch.

          Das ist eine einmalige Show. Aber bestimmt nicht Ihre einzige bei der ARD.

          Danach kommt „Your Face Sounds Familiar“. Das ist eine international schon sehr erfolgreich laufende Musiksendung, in der Prominente in die Rolle noch lebender oder verstorbener Musikstars schlüpfen und zeigen, was sie draufhaben. Das ist für die ARD etwas komplett Neues. Es werden fünf wöchentlich aufeinander folgende Shows sein. Die Kandidaten müssen für diese Show binnen einer Woche ihre Identität komplett wechseln, sowohl äußerlich als auch von der Stimme her. Sie übernehmen fünf verschiedene Rollen. Dafür werden sie von Choreographen und Vocal-Coaches geschult. Alles soll dann so aussehen, wie man es aus den Videos der Musiker kennt. Das hat eine ziemliche Fallhöhe für die Prominenten und kann eine wirklich schöne Sache werden.

          Sie kommen weg von den Quizshows.

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