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Zeitschrift „Camerawoman“ : Fotos von Street Art und interessanten Leuten

Der Fotoapparat als Accessoire: Seltsam, wie sich die neue Zeitschrift „Camerawoman“ ihre Leserschaft vorzustellen scheint. Bild: Picture-Alliance

Braucht es neben all den technikfixierten Fotomagazinen auch eines für Frauen? Ja, vielleicht schon. Aber ganz bestimmt nicht dieses. Ein Blick in die erste Ausgabe von „Camerawoman“.

          Schon an der Idee scheiden sich die Geister: Brauchen Frauen wirklich ein geschlechtsspezifisches Fotomagazin? Vielleicht sollte ich mich das selbst fragen. Ich bin eine Frau und ich fotografiere. Und ja, ich meide die üblichen Magazine mit den Canonplastebombern und Mördertüten vornedrauf ebenso weiträumig wie Fotoforen, in denen Objektivfetischisten Ziegelwände ablichten, um Verzerrung und Eckenunschärfe unter Laborbedingungen zu evaluieren. Es interessiert mich nicht. Vielleicht ist das so, weil ich eine Frau bin. Aber auch die meisten fotografierenden Männer, die ich kenne, machen einen weiten Bogen um diese materialfixierte Hobbyistenwelt.

          Jetzt gibt es also „Camerawoman“, ohne Plastebomber vornedrauf, dafür mit einer edlen schwarzweißen Dame, die an einer Kompaktkamera mit dem Finger den Auslöser nicht findet. Auch sonst gibt man sich Mühe, nicht allzu technisch daherzukommen, sondern möglichst nach Frauen-Lifestyle-Magazin auszusehen, und das schießt ja nun auch wieder über das Ziel hinaus. Sollte es nicht um Fotografie gehen? Gewarnt sein kann man auch bei den Titelthemen: Haustiere, Essen, Fashion, Promis. In dieser Reihenfolge. Gut. Ich frage noch einmal: Sollte es nicht um Fotografie gehen?

          Ich gestehe, ich war vage neugierig, als ich meinen Teil in den Crowdfundingtopf warf, mit dem das Heft finanziert wurde. Es erscheint im befife Verlag mit 60.000 Exemplaren als Sonderausgabe von „Camera“ („Das junge Fotomagazin“), momentan werden vier Ausgaben pro Jahr angepeilt. Seit Dienstag liegt es am Kiosk.

          Hände erzählen ja so viel

          Und es sieht nicht nur anders aus, als herkömmliche Fotomagazine, es stehen auch andere Texte in diesem Heft. Der erste beginnt so: „Sonne, Strand, Badespaß. Yvonne und Marisa fotografieren gern im Urlaub.“ Schön für Yvonne und Marisa. Dann geht es damit weiter, dass alles möglichst unkompliziert sein soll, „easy zu bedienen“ und „mit Flexi-Band“. Das ist die Geschichte über die Unterwasserkamera Olympus TG-3. Es könnte auch eine Anzeige der Unterwasserkamera Olympus TG-3 sein. Zum Glück liebt Anne ihre Asahi, die sie von ihrem Freund geschenkt bekam, denn die gibt’s nicht im Fachhandel, sondern nur gebraucht auf Ebay. Das war dann wohl der Technikteil. So etwas nennt man wohl „niederschwellig“.

          In sechzigtausend Exemplaren seit Dienstag am Kiosk: das neue Magazin „Camerawoman“.

          Frauen, das wissen wir ja alle, sind wahnsinnig sozial, haben viel Gefühl und Empathie und alles. Deshalb liegt es nahe, dass in einem Frauenfotomagazin auch keine Fotos von toten Sachen gezeigt werden, sondern von Menschen. Die idealoptimierte Traumgeschichte geht so: Mutter und Tochter reisen und fotografieren gemeinsam in der Weltgeschichte herum, abseits der ausgetretenen Pfade, versteht sich. Kambodscha und so. Dabei fotografieren sie total empathisch lauter Menschen oder auch nur ihre Hände, die erzählen ja so viel. Ich wünsche mir, dass Rainald Grebe ein Lied darüber schreibt.

          Eine andere Frau fotografiert Cafés. Sie wollte „etwas Eigenes haben, das mich glücklich macht“, sagt sie. Ich muss ein bisschen kichern, weil ich an Loriots berühmtes Jodeldiplom denken muss, aber das ist sicher nicht fair. Die Grundfrage ist nämlich: „Wer sind eigentlich diese kreativen Menschen, die mit Leidenschaft und Enthusiasmus unseren Kiez bereichern?“ Lauter tolle Charaktertypen in lichten Räumen. Und Großaufnahmen von Cupcakes gehen ja auch immer.

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