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Beitragsservice von ARD und ZDF : Denn sie haben Bock auf mehr

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Die Papierstapel mit gelben Trennblättern zwischen den einzelnen Vorgängen bringen die Mitarbeiter dann in den Nebenraum, wo man sie durch einen potenten Scanner jagt. Die Briefe selbst werden noch fünf Tage aufbewahrt, in denen die Qualitätssicherung der Scans läuft, und danach datenschutzsicher vernichtet. Von diesem Moment an arbeitet man im Beitragsservice nur noch mit Datensätzen. Beitragsnummern oder Aktenzeichen werden dabei automatisch erkannt und zugeordnet. Billig ist das alles nicht, allein im Jahre 2015 beliefen sich die eigenen Aufwendungen des Beitragsservice auf 171,3 Millionen Euro. Das sind 3,83 Euro pro Konto. Man habe zwar, wie geplant, Personal abgebaut, aber die gestiegenen Portokosten hätten die Einsparungen leider wieder aufgefressen. Hier kommen Briefe ja nicht nur an, achtzig Millionen werden jährlich auch verschickt.

Die Guten ins Kästchen, die anderen werden vom Beitragsservice gemahnt.

Im Inneren hat das Gebäude eher Hallenbadatmosphäre, was daran liegt, dass man es durch den neueren Part betritt, einen Anbau aus den achtziger Jahren in betonverliebter Wabenbauweise. Gut möglich (auch angesichts der Hochsicherheitsschleuse am Eingang), dass sich im Keller ein Schwimmbecken voller Goldmünzen befindet, in dem Geschäftsführer Stefan Wolf täglich ein erfrischendes Bad à la Dagobert Duck nimmt. Beim Pressegespräch zum Jahresbericht 2015 weisen Wolf und Hermann Eicher, der Justitiar des SWR, der sich zur Jeanne d’Arc des Rundfunkbeitrags gemausert hat, allerdings mit Nachdruck darauf hin, dass die 1,2 Milliarden Euro Mehreinnahmen für die Gesamtperiode 2013 bis 2016 gar nicht zur Gänze in der Kasse liegen. Die Mehreinnahmen seien zu fast neunzig Prozent durch das System der Direktanmeldungen zustande gekommen: Millionen schwarzer Schafe sind durch den Meldedatenabgleich 2013 aufgeflogen und bei fehlender Rückmeldung automatisch angemeldet worden. Im Jahre 2015 wurden 6,8 Millionen Erst- und Erinnerungsschreiben an die bis dahin unvermuteten Kunden verschickt und 1,7 Millionen Wohnungen angemeldet. Im Jahr zuvor waren es sogar 4,7 Millionen Neuanmeldungen. Man geht in Köln davon aus, dass dieser Sondereffekt nun weitgehend abgefrühstückt ist. Der abermalige Meldedatenabgleich im Jahr 2018 werde wohl kaum noch Übersehene zutage fördern. Bei der säumigen Klientel aber handele es sich um ziemlich schwierige Kunden, die Zahlungen gerne hinauszögerten. 500 Millionen Euro seien daher nur in Form von Forderungen vorhanden.

Aber auch in 700 Millionen Euro lässt sich baden. Und die 500 Millionen Euro Forderungen dürften sich ja zu einem guten Teil eintreiben lassen. Allein im Jahr 2015 ist es schließlich zu 25,4 Millionen Mahnmaßnahmen gekommen, davon 1,4 Millionen Vollstreckungsersuchen. Letztere sind mit einem Zuwachs von 62,29 Prozent geradezu in die Höhe geschnellt. Auch wenn es eine kleine Ausfallquote gebe, hieß es bei der Vorstellung des Jahresberichts, seien die etwa achtzig Millionen Euro für Vollstreckungsverfahren gut angelegt, weil sie Einnahmen von 650 Millionen Euro generierten. Unter jenen, die sich vor dem Rundfunkbeitrag zu drücken versuchten, seien die sozial Schwachen übrigens nicht überproportional vertreten. Die meisten Personen in Zahlungsverzug gebe es in Bremen (13,09 Prozent), die wenigsten in Bayern (8,77 Prozent).

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