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Prozess in der Türkei : Mesale Tolus Ehemann darf Türkei verlassen

  • Aktualisiert am

Saß mehr als sieben Monate in türkischer Untersuchungshaft: Mesale Tolu. Bild: dpa

Die Ausreisesperre gegen den Ehemann der in der Türkei angeklagten Journalistin Mesale Tolu ist aufgehoben. Damit ist das Verfahren gegen das Ehepaar aus Deutschland allerdings noch nicht vorbei.

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          Der Ehemann der in der Türkei angeklagten deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu darf das Land verlassen. Das Istanbuler Gericht hob die Ausreisesperre gegen Suat Corlu bei der Fortsetzung der Verhandlung am Dienstag auf. Der Prozess gegen das Ehepaar wurde auf den 10. Januar vertagt.

          Mesale und ihrem Ehemann werden Verbindungen zur linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei MLKP vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Die Journalistin hatte im vergangenen Jahr mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft verbracht und war nach ihrer Freilassung im Dezember unter einer Ausreisesperre in der Türkei festgehalten worden. Erst Ende August hatte sie mit ihrem Sohn nach Deutschland fliegen dürfen. Ihr Mann musste bislang in der Türkei bleiben.

          „Wir haben jetzt unsere Freiheit erlangt“

          Mesale Tolu zeigte sich erleichtert über die Aufhebung der Ausreisesperre gegen ihren Mann. „Das bedeutet für meine Familie, dass sie endlich wieder zusammenkommen kann“, sagte Tolu vor dem Justizpalast in Istanbul. Ihr dreijähriger Sohn könne nun endlich seinen Vater sehen. „Wir wurden auseinandergerissen und diese Phase hat eigentlich viel zu lange gedauert“, sagte sie. „Wir haben jetzt unsere Freiheit erlangt.“  Das Verfahren gegen sie und ihren Mann sei „von Anfang an sehr ungerecht“ gewesen, sagte Mesale Tolu. Ihr Mann Suat Corlu sagte, er freue sich, dass das „gesetzeswidrige Hindernis“ der Ausreisesperre aus dem Weg geräumt wurde.

          Corlu sagte, er müsse zunächst ein neues Visum beantragen und könne dann erst nach Deutschland fliegen. Er freue sich aber, dass die Ausreisesperre aufgehoben und damit „dieses gesetzeswidrige Hindernis zwischen meiner Frau, meinem Kind und mir aus dem Weg geräumt wurde.“ Tolu dagegen will schon diese Woche wieder ausreisen.

          Der deutsche Generalkonsul Michael Reiffenstuel, der als Beobachter am Prozess teilnahm, begrüßte die Entscheidung ebenfalls. Sie berücksichtige das „Kindeswohl“ und mache damit möglich, dass die Familie wieder zusammengeführt werde. Die Entscheidung, persönlich an dem Verfahren teilzunehmen, hatte Tolu nach Rücksprache mit ihren Anwälten getroffen. Die Juristen sahen keine Gefahr einer erneuten Festnahme der Deutschen. Mesale Tolu ließ offen, ob sie und ihr Mann auch an der Fortsetzung des Verfahrens im Januar teilnehmen werden.

          Tolu hatte in Istanbul für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet. Ihr Fall hatte im vergangenen Jahr die Beziehungen der Türkei zu Deutschland schwer belastet - ebenso wie die Inhaftierung des „Welt“-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner. Beide sind inzwischen ebenfalls frei und zurück in Deutschland.

          Noch immer sitzen nach offiziellen Angaben jedoch fünf Deutsche aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen. Darunter ist der Kölner Adil Demirci, der ebenfalls für die Agentur Etha gearbeitet hatte und dem wie Tolu die Mitgliedschaft in der als terroristisch eingestuften MLKP vorgeworfen wird.

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