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„Safer Internet Day“ : Rettet die Kinder!

Online rund um die Uhr: Steve Jobs wusste schon, warum er seine Kinder nicht ans iPad ließ. Bild: dpa

Als Insider kennen sie die Gefahren: Ehemalige Mitarbeiter von Facebook und Google haben das „Center for Humane Technology“ gegründet und warnen vor der „Geiselhaft“ durch Technologie.

          Denn sie wussten nicht, was sie tun – jetzt wissen sie es besser, wenn auch reichlich spät. In den Vereinigten Staaten hat sich – vorgestellt zum heutigen „Safer Internet Day“ –, eine Gruppe früherer Mitarbeiter und Investoren von Facebook und Google formiert, um vor den Gefahren zu warnen, welche von den Netzkonzernen aus dem Silicon Valley gerade für Kinder ausgehen. Sie haben das „Center for Humane Technology“ gegründet und die Kampagne „The Truth About Tech“ gestartet. Mit einem Startkapital von sieben Millionen Dollar, für das die Non-Profit-Organisation „Common Sense“ sorgt, die sich um Bildungs- und Erziehungsfragen kümmert, und mit Werbeschaltungen im Wert von fünfzig Millionen Dollar geht die Initiative ins Rennen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Bemerkenswert an ihr ist, dass es sich um Insider handelt, die das Monster, das sie herangezüchtet haben, genau kennen und es gerade deshalb unbedingt bändigen wollen: Der Großinvestor Roger McNamee, der Mark Zuckerberg und Facebook beraten hat, ist unter anderem dabei, Tristan Harris, der bei Google als „Designethiker“ arbeitete, und Justin Rosenstein, der den Like-Button für Facebook erfand. Er „liked“ jetzt anscheinend nicht mehr, was Facebook und die anderen Netzkonzerne anrichten.

          Das System will uns abhängig machen

          Der Appell der Ehemaligen klingt nach dem, was Kritiker von außen den Unternehmen seit geraumer Zeit vorwerfen. „Unsere Gesellschaft wird von der Technologie in Geiselhaft genommen“, heißt es da (www.humanetech.com). Was als Wettlauf um die Monetarisierung unserer Aufmerksamkeit begonnen habe, greife inzwischen das Fundament der Gesellschaft an: geistige Gesundheit, Demokratie, soziale Beziehungen und – unsere Kinder. Der Bildnachrichtendienst Snapchat verwandele Gespräche in endlose Schleifen und bestimme, wie Kinder Freundschaft definieren. Instagram verherrliche ein Bilderbuch-Leben und schade dem Selbstwertgefühl. Facebook sperre seine Nutzer in Echo-Kammern ein und zerlege die Gemeinschaft, Youtube spiele innerhalb von Sekunden das nächste Video ab, um uns den Schlaf zu rauben. Das alles sei Teil eines Systems, das nur einem Zweck diene: uns abhängig zu machen.

          Das ist nicht gerade eine neue Erkenntnis. Internet- und Smartphone-Sucht werden seit geraumer Zeit diagnostiziert. Eltern, Lehrer, Pädagogen und Mediziner wissen ein Lied davon zu singen. Und wie sehr die Konzerne mit ihrer Technik das Leben nicht nur der jungen Menschen verändert haben, zeigt sich im Alltag allerorten, rund um die Uhr.

          Steve Jobs' Kinder durften kein iPad anrühren

          Was der Kritik an der Macht der Konzerne und dem Suchtfaktor, mit dem sie kalkulieren, in den Vereinigten Staaten nun vielleicht etwas mehr Wucht verleihen könnte, sind die Sprecher der Anti-Tech-Koalition. „Wir waren drin“, sagte ihr Anführer, der ehemalige Google-Ethiker Tristan Harris, im Gespräch mit der „New York Times“. „Wir wissen, nach welcher Maßgabe die Unternehmen arbeiten. Wir wissen, wie sie reden, und wir wissen, wie ihre Technik funktioniert.“ Die größten Supercomputer der Welt gehörten Facebook und Google. Und auf wen würden diese ausgerichtet? „Auf das menschliche Gehirn, auf die Kinder.“

          Vor der Volldigitalisierung der Kindheit haben, wie die „Times“ berichtet, in den Vereinigten Staaten kürzlich erst Kinderärzte und Psychologen gewarnt und an Facebook den Appell gerichtet, einen Nachrichtendienst, der sich dezidiert an Kinder im Vorschulalter richtet, wieder abzuschaffen. Ein paar konkrete kleine Schritte, um die Sucht zu mildern, hat das „Center for Humane Technology“ auf seiner Website schon auf Lager. So könne man dem Smartphone die Farbe entziehen und den Bildschirm auf Grau stellen, um der farbenfrohen Verführung, andauernd darauf herumzutippen, etwas leichter zu widerstehen. Apps könnten nicht durch einen bloßen Klick, sondern erst durch eine richtige Buchstabeneingabe aktiviert werden.

          Solche simpel wirkenden Tipps sind aber erst der Anfang. Das „Center for Humane Technology“ legt gerade erst los und rechnet mit breiter Unterstützung – auch von Leuten, die, wie die Initiatoren, selbst bei den Tech-Konzernen gearbeitet haben und wissen, mit welchen Tricks diese aufwarten. Gerne zitiert wird in diesem Zusammenhang der Apple-Gründer Steve Jobs, dessen Kinder kein iPad anrühren durften. In dieser Tradition steht wohl auch der jetzige Apple-Chef Tim Cook, der im Interview mit dem britischen „Guardian“ kürzlich sagte, dass er seinen Neffen von den sogenannten sozialen Netzwerken fernhalte. Wenn Cook das ernst meint und nicht nur eine innerfamiliäre Privatmoral ausgibt, müsste er eigentlich auch beim „Center for Humane Technology“ mitmachen. Dann könnte er nicht nur für seinen Neffen etwas Gutes tun.

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