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Edward Snowden und die ARD : Ein Interview geht um die Welt, oder nicht?

Das Interview: Hubert Seipel befragt Edward Snowden. Bild: NDR/Knut Sodemann

Flop oder Top: Die ARD präsentiert das „weltweit erste Fernseh-Interview“ mit Edward Snowden so, dass am Ende nur heiße Luft übrigbleibt. Das hat mit Senderechten zu tun – die der NDR nicht hat.

          Die ARD hat es vergeigt. Genauer gesagt: Der Norddeutsche Rundfunk hat den Scoop mit dem Snowden-Interview halbwegs in den Sand gesetzt. Salamitaktisch wurde die Geschichte über das Wochenende solange in Scheiben geschnitten, bis am Ende wenig davon übrig war. Das Interview selbst, das Hubert Seipel mit Edward Snowden führte, geriet so am späten Sonntagabend fast zur Randnotiz. Denn wirklich Neues fand sich darin nicht – außer Snowdens zaghaftem Hinweis, dass er die „Gelegenheit begrüßen“ würde, „darüber zu reden, wie wir diese Sache auf eine für alle Seiten befriedigende Weise zu Ende bringen können“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das dürfte schwierig werden, ist er doch in den Vereinigten Staaten doch persona non grata Nummer eins. Zu Ende sind die Enthüllungen über die Datenspionage der NSA und des britischen Geheimdiensts GCHQ auch noch lange nicht. Doch das liegt nicht in den Händen von Edward Snowden, sondern denen von Glenn Greenwald und des „Guardian“.

          Beherzt annonciert

          Dass die Datensammelwut der NSA auch der Wirtschaftsspionage dienen kann, wie Snowden sagte, ist keine Neuigkeit, es liegt seit dem bekanntwerden des Ausmaßes der Online-Überwachung auf der Hand. Dass Snowden sich bedroht fühlt und um sein Leben fürchten muss, ist leider auch klar – dafür gab es schon hinreichend einschlägige Äußerungen aus den Vereinigten Staaten. Gleichwohl war das Gespräch von Gewinn. Man fragt sich nur: Was hat die ARD, was hat der NDR daraus gemacht?

          Annonciert als das „weltweit erste Fernseh-Interview“ mit Snowden lief dieses zunächst als anderthalb Minuten langer Clip in der „Tagesschau“ am Samstag, dann am Sonntag in Versatzstücken in der Talkshow von Günter Jauch, die ein wenig im luftleeren Raum hing, und schließlich und endlich nach der Gesprächsrunde in Gänze. Zwischendurch hatte der NDR die Sache noch mit zwei Pressemitteilungen filetiert. Im Original aber – also in englischer Sprache – steht es nicht zur Verfügung, auch konnten Zuschauer außerhalb Deutschland das Gespräch online bei der ARD nicht abrufen.

          Magere Erklärung des Senders

          Das verwundert schon: Die weltweiten Rechte an dem „weltweit ersten Fernsehinterview“ hat der NDR nämlich nicht. Was umso seltsamer ist, als die Produktionsfirma Cinecentrum, welche die Rechte besitzt, eine hundertprozentige Tochter des Studios Hamburg ist, das wiederum zu hundert Prozent dem NDR gehört. Normalerweise sichert ein Sender – zumal bei einer Geschichte dieser Tragweite –, die Rechte an Sendematerial voll und ganz. Dokumentarfilmer und Journalisten müssen an die öffentlich-rechtlichen Sender in der Regel sämtliche Rechte im sogenannten Buy-Out-Verfahren abtreten. Was zum Nachteil unabhängiger Produzenten ist, die ihre Recherchen nicht weiterverwerten können, und sei es, dass ihre Filmmeter im Archiv des Senders verschwinden. Warum läuft das nun ausgerechnet bei einer NDR-Tochter anders?

          Die auf Anfrage verbreitete Erklärung des Senders hilft nur tendenziell weiter. „Das Interview von Hubert Seipel mit Edward Snowden“ habe „sich im Zuge von Recherchen und Dreharbeiten für die Dokumentation ,Abgehört und abgenickt’ ergeben, die Cinecentrum für den NDR produziert,“ heißt es. Deshalb lägen „die Rechte an dem Interview bei Cinecentrum“. Die am Sonntag gezeigte Fassung ziele „auf die Verbreitung einer deutschen Version – entsprechend des Auftrags des NDR“. Daraus ergebe sich auch das „Geoblocking“ im Internet. Die Dokumentation werde am 5. Mai im Ersten laufen. Auslandsrechte dürfe der NDR „prinzipiell nicht selbst verwerten“, die Vermarktung obliege Studio Hamburg. Dass eine Vertriebstochter dafür zuständig sei, sei international üblich. Mitgliedern der Europäischen Rundfunkunion (EBU) habe man kostenlos Ausschnitte aus dem Interview zur Verfügung gestellt.

          Zumindest an das „Geoblocking“ hätte der NDR wohl besser im vorhinein gedacht. Denn so bringt sich der öffentlich-rechtliche Sender, der seinen Tochterfirmen das Geschäft überlassen will, das er einem unabhängigen Produzenten bei der Gelegenheit abknöpfen würde, um die Früchte eines journalistischen Erfolgs. Und eine sinnvollere Sendeabfolge kann man sich auch vorstellen. Eine Talkrunde über ein Interview, dass erst im Anschluss folgt, hat weniger das Zeug zum Coup, denn zum Treppenwitz der Mediengeschichte. Immerhin: ein englisches Transkript und die englische Fassung des Interviews wollte der NDR am Montag auf seine Internetseite stellen (www.ndr.de/snowden).

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