https://www.faz.net/-gqz-7yg12

Snowden im Ersten : Wenn das Internet zum Schlachtfeld wird

Warnt vor zu viel Macht der Geheimdienste: Edward Snowden in einer neuen NDR-Dokumentation. Bild: dpa

Neues von Edward Snowden: Der Whistleblower erklärt im Ersten, wie Cyberkrieger uns bedrohen, wie Cybercops ihre Macht ausbauen - und warum es Zeit ist, das Internet zurückzuerobern.

          2 Min.

          Was geschieht, wenn Hacker amerikanische Behörden und Banken attackieren? Dann sollen Verteidigungsprogramme die Computer der Angreifer sofort identifizieren und ihre Server lahmlegen. Eine automatische Rückschussanlage zur digitalen Verteidigung - daran arbeiteten die Vereinigten Staaten. Doch was, wenn die vermeintliche Attacke nur ein verirrter Befehl aus einem Krankenhaus ist, dem die automatisierte Abwehr den Strom abstellt? Dann sind Menschenleben in Gefahr. Vor solchen Szenarien warnt Edward Snowden im Interview mit dem Journalisten James Bamford. Und allein die Minuten, in denen Snowden ausführt: „Wir sollten niemals Computern erlauben, Entscheidungen zu treffen über den Einsatz militärischer Gewalt“, machen den Dokumentarfilm „Schlachtfeld Internet - Wenn das Netz zur Waffe wird“ schon sehenswert.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dass Rechner bald selbsttätig zurückschlagen könnten, verrät die NSA-Akte „Cybercops“. Sie datiert auf den 13. April 2013 und steht im Zentrum der Koproduktion von NDR, WDR, dem amerikanischen Sender WGBH und Servus TV. Die Autorinnen Svea Eckert und Alexandra Ringling bemühen sich, den digitalen Krieg visuell zu fassen. Sie lassen Animationen sprechen, wo die Bilder fehlen, und unterlegen den Film mit einem treibenden Soundtrack. Sie gehen der Frage nach, welche Waffen den Nachrichtendiensten im Netz zur Verfügung stehen, und warten mit einer Fülle von Beispielen auf. Ausgehend von bisher unveröffentlichten Dokumenten aus dem Snowden-Fundus zeichnen sie nach, dass die NSA digitale Infrastrukturen von Krankenhäusern und Kraftwerken für besonders bedroht von Hackerangriffen hält. Auch Deutschland erscheint als Schauplatz des digitalen Kriegs, in dem Computersysteme von Elektrizitätswerken, Gasleitungen, Transport- und Kommunikationstechnik unter Beschuss stehen. Die Frage ist: Schützt die Datensammelwut der Geheimdienste die Bürger vor den Angriffen der Hacker? Snowden bezweifelt es. Er sieht in der Strategie der NSA eher eine Besetzung des Internets mit dem Ziel, das Netz zur Waffe zu machen und selbst angreifen zu können.

          Von Stellar über Belgacom bis Stuxnet

          So baut der Film ein Bedrohungsszenario auf, in dem Nachrichtendienste, Hacker und die Arglosigkeit von Internetnutzern ihre Rollen spielen. Der Sicherheitsberater und Hacker Götz Schartner zeigt etwa, wie leicht es ist, sich in Steuerungsanlagen der Industrie einzuschalten, um dort die Temperaturen von Brennöfen zu verändern oder Maschinen abzuschalten. Die Dokumentation erwähnt Wirtschaftsspionage- und Hacking-Fälle wie die Affäre um den belgischen Telekommunikationskonzern Belgacom und Stuxnet, den Computerwurm, mit dem Iran angriffen wurde.

          Ein Ende des Cyberkriegs ist nicht abzusehen - und auch die Diskussion um Enthüllungen Snowdens wird uns weiter begleiten. Nach den Angriffen mutmaßlich nordkoreanischer Hacker auf die Sony-Filmstudios, nach Terrordrohungen gegen Kinos, welche die Satire „The Interview“ zeigen wollten, und nach den Anschlägen von Paris wird die Frage, wie viel Überwachung eine freie Gesellschaft verkraftet, wieder aufgeworfen. Carte blanche für das anlasslose, massenhafte Ausspionieren von Bürgern haben die amerikanischen Geheimdienste nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erhalten, und davon profitierten auch die verbündeten Nachrichtendienste. Nach Ansicht von Edward Snowden, dessen Flucht Thema einer weiteren Dokumentation an diesem Abend ist (für „Jagd auf Snowden“ arbeiteten NDR und WDR mit Denmarks Radio zusammen), war dieser Schritt ein verhängnisvoller Fehler. Die Enthüllungen des Whistleblowers bleiben aktuell.

          Weitere Themen

          Aber lass mir meine Panzerfaust! Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Terminator: Dark Fate“ : Aber lass mir meine Panzerfaust!

          Der neuste Teil aus dem „Terminator“-Franchise vergisst die letzten drei Teile und setzt beim „Tag der Abrechnung“ an. F.A.Z.-Redakteur Dietmar Dath hat ihn gesehen und weiß, wie sich Mensch und Maschine endlich vertragen könnten.

          Topmeldungen

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.
          Nicht unantastbar: Werke von Peter Handke

          Der Autor Peter Handke : Lest ihn doch einfach mal!

          Demokratie ist, wenn man sich irren darf: Peter Handke schreibt schwierige, verwinkelte Texte eines Zweifelnden, die mitunter auch zweifelhaft sind. Aber sie sind keine Kriegserklärungen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.