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Eckart von Hirschhausen : Die Prognose ist günstig

Der Arzt, dem die Leser vertrauen: Eckart von Hirschhausen. Bild: Martin Leissl/laif

Würde der gelernte Arzt Eckart von Hirschhausen heute noch Rezepte ausstellen, verschriebe er als Medizin am besten sich selbst. Das neue Magazin, mit dem er für Heilung sorgen will, trägt seinen Namen.

          Wer hätte nicht gerne einen solchen Arzt auf eine Runde Smalltalk neben sich sitzen? Keinen dieser verknorpelten Gesundheitsapostel, die mit makrobiotischer Strenge Ernährungsverbote und Bewegungsgebote predigen, sondern einen, der kalauert: „Daueraskese ist Kese“, und gleichwohl erzählen kann, wie er mit Intervallfasten zehn Kilo los wurde, die ihm und seinem Herzen zur Last geworden waren. Einen unterhaltsamen Gesprächspartner, von dem man erfährt, dass Männer, die weniger Fleisch essen, offenbar eher zu depressiven Verstimmungen neigen, und der nebenbei alles über Husten, Schnupfen und Kurzsichtigkeit weiß. Der ausplaudert, dass ihm das Wort Therapie nicht gefalle und er lieber von Behandlungen spreche, weil Menschen berührt werden wollten, begriffen und in guten Händen sein. Einen approbierten Menschenfreund also, der überdies auch noch witzig sein kann und skurrile Typen kennt wie Yoga übende Hard-Rocker oder meditierende Surfer – und Deutschlands beliebtesten Baumflüsterer Peter Wohlleben, mit dem er schon durch den Wald spaziert ist. Kurz gesagt: Wer wollte nicht mit Eckart von Hirschhausen plauschen?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der promovierte Mediziner ist ein wandelnder Sympathieträger, sonst wäre er nicht schon so lange als Kabarettist, Zauberer, Moderator, Journalist und Autor von Büchern wie „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ erfolgreich. Sein Rezept: Er geht – prinzipiell ja immer angstbesetzte – Gesundheitsfragen auf die leichte Weise an, mit Humor und einer tüchtigen Prise Selbstironie. Er spricht nie von oben herab, sondern ist vielleicht der einzige Arzt, den jeder versteht. Das wirkt. Und wie es wirkt, zeigt nun auch das Magazin „Dr. v. Hirschhausens Gesund leben“: Der Doktor hat den schwächelnden Gesundheits-Ableger des „Stern“ kuriert. Mit seinem Namen und Konterfei auf dem Cover und unter seiner Ägide, die überall im Heft, wo es nur geht, Hirschhausen verschreibt, ist das Magazin zum Renner geworden.

          Die Startauflage von 200.000 Exemplaren, mit der die erste Ausgabe Anfang des Jahres an den Kiosk kam, war nach Angaben des Verlags schon nach einer Woche vergriffen, 90.000 Hefte wurden zusätzlich gedruckt. Es scheint, als hätte Gruner + Jahr seinen zweiten Coup in Sachen Personality-Magazin gelandet. „Barbara“, das Frauenmagazin von und mit Barbara Schöneberger, zeigte, was geht, wenn der Kopf einer Zeitschrift nicht mehr nur ein Schriftzug, sondern eine Frage der Persönlichkeit wird.

          Auf Abstand zur Schmerzgrenze

          Das Potential von Hirschhausens „Gesund leben“ ist groß, weil seine Zielgruppe es ist. Die Zahl derjenigen, die sich in einer alternden Gesellschaft mit dem einen oder anderen Zipperlein herumschlagen müssen, wächst stetig, es gibt einen enormen Bedarf an Trost, den Ärzte im überlasteten Gesundheitssystem kaum stillen können, und der Gesundheitsbewusste verliert zwischen konkurrierenden Ernährungsmodellen und Selbstoptimierungswahn schnell den Überblick.

          Hirschhausens Magazin wendet sich nicht an Lifestyle-Jünger, die etwas über die neuesten Superfood-Trends erfahren wollen. Das würde auch nicht zum bodenständigen Image des Namensgebers passen. Er bietet Informationen zu Naheliegendem und Geschichten zu Entfernterem. Gesundheitsthemen wie Bauchfett und Augenleiden lassen eher an Leser denken, die ungefähr so alt sind wie Hirschhausen selbst, fünfzig Jahre, oder älter. Davon gibt es eine Menge. Und sie gehören den Generationen an, die lieber als die meisten Jungen zu Gedrucktem greifen. Kleinkind-Elternsorgen wie Impfungen oder Windeldermatitis kommen deshalb wohl bewusst nicht vor, und auch keine harten Altersthemen wie Demenz. Zumindest noch nicht. Alles ist sehr weit von der Schmerzgrenze, alles sehr konsensfähig. Dass man sich dennoch etwas trauen will, zeigt eine Fotostrecke mit Frauen, die sich nach der Brustkrebs-Diagnose die Brüste haben tätowieren lassen und das Bild eines Mannes, der die Witwe des Organspenders trifft, dessen Gesicht ihm transplantiert wurde.

          Das grundlegende Thema des Magazins ist nicht Krankheit, sondern Hoffnung. Es geht um das Gute im Menschen von nebenan und die Freude am Leben – davon erzählt das Porträt einer Rettungssanitäterin ebenso wie der Beitrag über Geborgenheit und das Interview mit Peter Wohlleben. Eigentlich müssten sie die Namen tauschen, sagt der Arzt dem Förster: „Du heißt Wohlleben und schreibst über Hirsche. Ich heiße Hirschhausen und schreibe über das Wohlleben!“ So ist es.

          Und weil wohl zu leben in unseren unübersichtlichen, digitalen Zeiten ein Bedürfnis ist, das sich offenbar gut mit Papier verbindet, dürfte „Dr. von Hirschhausens Gesund leben“ auch mit seiner zweiten Ausgabe, die Mitte März erscheint, wieder viele Leser finden. Dann dürfte auch der angekündigte dritte Personality-Aufschlag von Gruner + Jahr bald folgen: „Joko“, das Magazin von Joko Winterscheidt.

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