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Eagles of Death Metal : Nach dem Massenmord

  • -Aktualisiert am

Der Sänger der „Eagles of Death Metal“, Jesse Hughes, auf dem Byron Bay Bluesfestival im März dieses Jahres. In Frankreich wurden Auftritte der Band abgesagt. Bild: dpa

Als die „Eagles of Death Metal“ im Bataclan spielten, richteten Islamisten ein Massaker an. Jetzt hat der Sänger Hughes in Interviews Verschwörungstheorien kundgetan. Und plötzlich ist die Band in Frankreich unerwünscht.

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          Die amerikanische Band Eagles of Death Metal spielte am Abend des 13. November im Pariser Klub „Bataclan“, als dort islamistische Terroristen ein Massaker mit 89 Opfern allein im Konzertsaal anrichteten. Drei Monate später gaben die Eagles of Death Metal ein Gedenkkonzert im Pariser „Olympia“. Nun sollten sie auf zwei der großen Sommer-Festivals in Frankreich auftreten: in Paris („Rock sur Seine“) und in Charleville-Mézières beim „Cabaret Vert“. Beide Veranstalter haben die Konzerte jedoch abgesagt. Als Grund nennen sie die Aussagen des Leadsängers Jesse Hughes in einem Interview.

          Es wurde in „The Rebel Media“ und in „Taki’s Magazine“ veröffentlicht. Seit dem Massaker hatten sich die Eagles of Death Metal für das Andenken an die Opfer und für deren Angehörige eingesetzt. Unter anderem stellten sie ihren Namen für ein neues Bier zur Verfügung, von dessen Verkauf pro Flasche ein Dollar an die Hinterbliebenen gespendet wird. Über den Geschmack einer solchen Aktion kann man geteilter Meinung sein. Was Jesse Hughes aber in seinem Interview von sich gibt, dürfte auch ergebene Fans zweifeln lassen.

          Verschwörungstheorien von allen Seiten

          Hughes wettert gegen Abtreibung und Transsexuelle, er denkt und redet wie Donald Trump. Er behauptet, die Terroristen hätten sich schon vor dem Konzert im „Bataclan“ aufgehalten. Im Blick von Abdeslam Salah habe er „die Eifersucht der Araber erkannt“ – Salah allerdings wütete anderswo. „Zwei Frauen in traditioneller muslimischer Kleidung“, erzählt Hughes, seien am Eingang nicht kontrolliert worden, was er mit den Anschlägen in Brüssel in Verbindung bringt, wo die Sicherheitskräfte es auch nicht gewagt hätten, „muslimische Passanten zu brüskieren“. In Paris will er gesehen haben, „wie Muslime die Anschläge feierten“. Das „Geld aus den Golfstaaten ist überall“, sagt er und unterstellte im Gespräch mit dem amerikanischen Sender Fox News, die Sicherheitskräfte im „Bataclan“ hätten mit den Terroristen gemeinsame Sache gemacht.

          In „Paris-Match“ hatte Hughes schon ähnliche Vorwürfe formuliert. Die französischen Reaktionen auf das neue Interview sind nicht alle gehaltvoller: „Bei so einem Idioten gehen unsere Kinder ins Konzert, um sich von Terroristen abschießen zu lassen“, kommentiert ein Journalist des Magazin „L’Obs“. Andere Stellungnahmen suggerieren gar, der islamophobe Hughes sei für das Attentat verantwortlich.

          Rechtspopulisten wiederum sprechen von Zensur und bringen diese mit dem abgesagten Konzert des Rappers Black M bei den Gedenkfeiern in Verdun in Verbindung. Weil es in einem von Black Ms Liedern heißt, Frankreich sei das „Land der Ungläubigen“, hatte es an seiner Bestellung als Musikus zum hundertsten Jahrestag der Schlacht von Verdun heftige Kritik von Rechts gegeben. Die daraufhin erfolgte Absage des Black-M-Konzerts wiederum hatten jene heftig kritisiert, die nun bewirkten, dass die Eagles of Death Metal nicht mehr in Frankreich spielen.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

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