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Dunja Hayali auf Facebook : Viel Lärm um nichts

Die ZDF-Fernsehjournalistin Dunja Hayali Bild: dpa

Zuerst beleidigt „Emre“ Dunja Hayali auf Facebook. Dann beleidigt die ZDF-Moderatorin zurück. Facebook löscht ihren Beitrag und stellt ihn wieder hin. Aber das war noch nicht das Ende: Der Eiertanz der Woche.

          Dunja Hayali hat die Probe aufs Exempel gemacht. Einem Nutzer namens „Emre“, der sie bei Facebook aufs Übelste beschimpfte, hat die ZDF-Moderatorin im selben beleidigenden Tonfall geantwortet, mit derselben falschen Rechtschreibung, die „Emre“ zu eigen ist. Las man seinen Text und las man ihren ohne den Zusammenhang zu kennen, konnte man denken, hier handele es sich im Hin und Her um einen klassischen Fall wüster, sexistischer und rassistischer Ausfälle, die Facebook seinen eigenen Regeln nach nicht dulden will.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Allerdings war Dunja Hayalis Einlassung, mit der sie sicherlich nicht unbeabsichtigt großes Aufsehen erregte, ironisch gemeint. Da Facebook Ironie nicht versteht, löschte der Netzwerkkonzern nicht  „Emres“ Tirade, sondern Hayalis Kommentar. Die machte darauf selbstverständlich ihrerseits aufmerksam. Also zog Facebook die Löschung wieder zurück und entschuldigte sich bei Dunja Hayali. Jetzt kommt die Pointe: Die ZDF-Moderatorin hat ihren Beitrag inzwischen selbst gelöscht. Denn „Emre“ hat sich beim ZDF gemeldet, mit ihr telefoniert und sich entschuldigt. Das wisse sie sehr zu schätzen, schreibt Dunja Hayali: „Damit ist die Sache für mich erledigt.“

          Zuvor hatte der Schriftwechsel zwischen Dunja Hayali und „Emre“ Facebook reichlich beschäftigt. Vor allem, nachdem Hayalis absichtlich unflätige Mitteilung gelöscht worden war. Das brachte den Konzern in Erklärungsnot: „Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden – wie jetzt im Fall von Dunja Hayali. Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür“, sagte eine Sprecherin von Facebook gegenüber der Presse.

          Dunja Hayali hatte die Löschung ihres Beitrags zuvor für ihre Follower aktenkundig gemacht: „Hallo in die Runde, einigen von Ihnen ist es schon aufgefallen: Facebook hat den Beitrag zu Emre gelöscht. Er entspricht nicht den Facebook-Gemeinschaftsstandards. Na dann allen einen schönen Tag.“ So musste Facebook der Fehler auffallen und so musste der Konzern handeln.

          „Unsere Verachtung, nicht aber unseren Hass“

          Ob es sich bei Dunja Hayalis Reaktion, die sie nun selbst einkassiert hat, um eine gelungene Satire handelte, darf man bezweifeln. Dass jemandem, der in der Öffentlichkeit steht und fortwährend angefeindet wird, irgendwann der Kragen platzt, wird jeder verstehen. Sich aber sprachlich auf das selbe Niveau wie der dummdreiste „Emre“ zu begeben, ist ziemlich unterkomplex und unsouverän, zumal Dunja Hayali sonst gerne den Eindruck vermittelt, nichts fechte sie an. Da ist sie um starke und emotionale Worte und Posen nicht verlegen. Nach dem islamistischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin etwa schrieb sie auf Facebook den „bescheuerten, ferngesteuerten und hirnlosen Terroristen“ ins Stammbuch, „wir“ ließen uns von ihnen nicht diktieren, wie wir zu leben haben. Und: „Ihr kriegt unsere Verachtung, nicht aber unseren Hass.“

          Die Hakelei, welche sich die ZDF-Moderatorin nun mit „Emre“ geliefert hat, zeigt indes, in welche Schwierigkeiten ein Netzkonzern wie Facebook beim Thema „Hassrede“ kommen kann – etwa wenn behauptet wird, die eine Pöbelei sei nicht zu dulden, die andere aber als satirische Überspitzung kulturell wertvoll. Und es zeigt sich, dass man im Zweifel einiges an Öffentlichkeit und Prominenz mitbringen muss, wenn man eine Löschung bei Facebook kritisiert und für falsch hält. Die Erfahrung machte kürzlich auch der Chef der Jungen Union in Mainz, Felix Leidecker. Er hatte Facebook auf volksverhetzende und antisemitische Beiträge aufmerksam gemacht. Daraufhin war sein Account gesperrt und die Sache von Facebook erst wieder geradegerückt worden, nachdem der Fall über die „Bild“-Zeitung bekannt wurde.

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          Im Fall von Dunja Hayali und „Emre“ mochte man sich allerdings fragen: Wozu die Aufregung? Wie heißt es bei Shakespeare? „Viel Lärm um nichts.“ Und bei Goethe: „Kommt Zeit, kommt Rat: Wer will denn alles gleich ergründen! Sobald der Schnee schmilzt, wird sich's finden. Hier hilft nun weiter kein Bemüh'n! Sind Rosen, nun, sie werden blüh'n.“

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