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RTL-Film „Das Duell der Brüder“ : An ihren Schuhen sollt ihr sie erkennen

Eine Innovation: Adi Dassler (Ken Duken) schraubt die Stollen an die Schuhe der Deutschen Nationalmannschaft. Bild: RTL

Ein Bruderkrieg schuf die Weltmarken Puma und Adidas. RTL zeigt in einem großen Spielfilm den Aufstieg von Rudi und Adi Dassler, der auch dank der Geldgier einer nationalen Legende gelang.

          5 Min.

          Zu Mord und Totschlag ist es nicht gekommen, keiner wurde des anderen Kain. Ansonsten jedoch haben sich die Brüder Rudolf, geboren 1898, und der zwei Jahre jüngere Adolf Dassler so ziemlich alle Gemeinheiten angetan: Betrug, Intrige, Verrat, üble Nachrede, Untreue, Verleumdung, Denunziation - von permanentem Ideendiebstahl, latenter Produktpiraterie und schier endlosen Prozessen nicht zu reden. So sieht der erbitterte Konkurrenzkampf zweier Kapitalisten gleichen Blutes aus.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          In ihren Söhnen und Nachfolgern Armin und Horst wird er sich nicht nur nahtlos fortsetzen, sondern - es geht jetzt um noch mehr Geld und noch größere Macht - auch an Schärfe zunehmen. Mit deren Tod (Adolfs Sohn Horst stirbt 1987, Rudolfs Nachkomme Armin 1990) enden die Dasslers als Familie nicht, zunehmend geringer aber wird ihr Einfluss auf die beiden Imperien, die sie im Lauf von fast siebzig Jahren aufgebaut hatten. Die Familienbetriebe sind längst Aktiengesellschaften mit fremden Mehrheiten und Managern.

          Erfolg auf allen Ebenen

          Betriebs- wie volkswirtschaftlich profitierten alle Beteiligten: die Gründerbrüder selbst und ihre Nachfahren, die Arbeiter und die Angestellten der Unternehmen, die üppig honorierten Sportstars und die prächtig geschmierten Funktionäre, die Finanzämter, der Staat, nicht zuletzt wir, die Käufer und Konsumenten. Überdies steigerte der Bruderkrieg über zwei Generationen hinweg das internationale Ansehen der deutschen Industrie. Denn Puma und Adidas, die separaten Firmen, die Rudolf, genannt Rudi, und Adolf, genannt Adi, nach der Liquidierung ihrer gemeinsamen Schuhfabrik im Jahr 1948 gründeten, wurden allen Krisen und Katastrophen zum Trotz sehr rasch zu Weltmarken.

          Das Quartett der Verfeindeten: Adi Dassler (Ken Duken) und sein Bruder Rudi Dassler (Torben Liebrecht) mit ihren beiden Frauen Käthe (Picco von Groote) und Friedl (Nadja Becker).

          Begonnen hat alles in der Waschküche von Paulina Dassler. Seit 1920 tüftelt ihr Sohn Adi, gelernter Bäcker und begeisterter Sportler, dort an geeignetem, vor allem leichtem und geschmeidigem Schuhwerk für seine Freizeitpassion. Und er will mehr, genauer - alles: Die besten Wettkämpfer der Welt, so sein Credo, sollen seine Schuhe tragen. Weshalb man ihn im fränkischen Herzogenaurach zunächst für einen Spinner hält. 1924 heckt Rudolf, bisher Prokurist einer Gürtelfabrik, den Plan eines brüderlichen Unternehmens aus: Er will und wird als Kaufmann und Verkäufer unter die Leute bringen, was Adi, das Schuh-Genie, erfindet und herstellt.

          Filmreif ist die Geschichte von Anfang an - und seit 2005, als die Firmen-Doppelhistorie „Drei Streifen gegen Puma“ der holländischen Wirtschaftsjournalistin Barbara Smit erstmals erschien, stand auch genügend Drehbuchstoff bereit. Warum es ein Jahrzehnt lang dauerte, ehe sich Produzenten und Redakteure um diese handlungs- und figurenstarke Quelle kümmerten: Wer weiß? Nun jedenfalls erwarten uns kurz hintereinander gleich zwei Spielfilme, die sich des Themas annehmen.

          Vor versammelter Belegschaft verkünden die Dassler Brüder (Torben Liebrecht (l.) und Ken Duken) die Trennung des Betriebes in zwei Unternehmen: Puma und Adidas.

          Für die ARD haben Philipp Stennert und Cyrill Boss im vergangenen Jahr den Zweiteiler „Die Dasslers“ gedreht. Noch ist die Produktion nicht ganz fertig, noch hat sie keinen Sendetermin: Es wird wohl Herbst werden. Schneller war RTL. Der Sender bittet am Karfreitag zur besten Sendezeit zum in toto sehenswerten, indes nicht immer überzeugenden „Duell der Brüder“ - und bietet im Anschluss an das zweistündige Drama noch die neunzigminütige Dokumentation „Die Sportfeinde aus Herzogenaurach“, die man nicht verpassen sollte.

          Die Geschichte eines Quartetts

          Oliver Dommenget, der Regisseur des Fernsehfilms, und sein Drehbuchautor Christian Schnalke haben ihr „Duell der Brüder“ ganz auf die beiden Gründerfiguren konzentriert, und es völlig zu Recht fast von Beginn an um die Ehefrauen erweitert. Die begehrten Junggesellen heiraten rasch, ihre Gattinnen beschränken sich von vornherein nicht auf Haushalt und Kinder.

          Für das Quartett, das die Geschicke erst der gemeinsamen Firma wie danach jene von Adidas und Puma bis zur Mitte der fünfziger Jahre prägt, hat man mit Ken Duken (Adi) und Torben Liebrecht (Rudi), mit Picco von Groote (Adis Frau Käthe) und Nadja Becker als Friedl Dassler Darsteller besetzt, die selbst dann weitgehend glaubwürdig bleiben, wenn sie - die Handlung erstreckt sich über drei Jahrzehnte - groteskerweise nicht eine Spur älter werden dürfen. Duken und Liebrecht sind Prachtkerle mit Tatkraft und Charme, aber auch mit Macken (Jähzorn, Sturheit) und einem Sinn für geschäftsfördernden Opportunismus: 1933 treten sie flugs der NSDAP bei.

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