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Dschungelcamp 2021 : Blockflöten im Tropical Islands

Jenny Frankhauser, Dschungelkönigin des Jahres 2018, durfte noch im echten Dschungel kampieren. Das ist jetzt vorbei. Bild: dpa

RTL wirkt noch etwas unentschlossen, wie die Ersatzshow für das abgesagte Dschungelcamp im Januar aussehen soll. Wir haben da ein paar Vorschläge – und Sie dürfen entscheiden!

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          Es gibt 2021 kein Trash-Festival im australischen Dschungel, nicht mal in einem walisischen Spukschloss. Das finden Sie traurig? Sehen Sie es so: Ab jetzt ist alles Verhandlungssache. Stimmen Sie ab über unsere Vorschläge, dann kann RTL sein Konzept an Ihren Präferenzen ausrichten. Als gesetzt nehmen wir nur an, dass mehrere, nun ja, Prominente irgendwo zusammengepfercht werden. Aber wo? Und was sollen sie tun?

          Unser erster Vorschlag für die Location kommt vom Landschaftstyp einigermaßen nah an das Original in den Outskirts des australischen Örtchens Murwillumbah – in der Sprache der Aborigines bedeutet das übrigens „Ort, an dem viele Possums leben“ – heran. Der glasverkuppelte Spaßpark „Tropical Islands“ in Brandenburg bemüht sich seit Jahren um die Simulation eines tropischen Regenwaldes unter Hinzuziehung diverser Dekorations- und Amüsierbauten und kann als Alleinstellungsmerkmal vorweisen, auch ohne eingesperrte Prominente schon recht effektiv Gefühle von Klaustrophobie vermitteln zu können.

          Eine spannende Variante wäre auch der Edersee in der nordhessischen Waldtundra. Dieses Staugewässer – zwecks Sprengung dieser Staumauer haben findige britische Ingenieure im Zweiten Weltkrieg eigens eine spezielle Rotationsbombe konstruiert, worüber man sich im Sperrmauermuseum informieren kann – hat die charmante Eigenschaft, in trockenen Sommern regelmäßig trockenzufallen. Dabei werden, eingebettet in Sumpfgrasmatten, allerlei hübsche Relikte einst gefluteter Dörfer freigegeben.

          Oder soll es der Serengetipark Hodenhagen sein? Im größten Safaripark Europas mit seinen vielen Wildtieren in der schönen Lüneburger Heide ... ach, wem machen wir eigentlich was vor? Wir wollen doch nur, dass im Fernsehen dauernd alle Hodenhagen sagen müssen. Hodenhagen, Hodenhagen, Hodenhagen. Es ist schließlich Dschungelcamp, da muss man sich ja nicht mit Gewalt über seinem Niveau amüsieren.

          Sie entscheiden!

          Nun müssen die Promis und die Zuschauer irgendwie beschäftigt werden. Dass ausgerechnet Unterhaltungskünstler die langweiligsten Menschen der Welt sein können, nennen Eingeweihte ja längst das Tanja-Schumann-Paradoxon. Aber es muss auch ein bisschen wehtun. Da bietet es sich an, die Insassen ein Stück von Peter Handke werkgetreu aufführen zu lassen, und zwar „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“. Das Stück besteht nur aus Regieanweisungen, viele Leute laufen durcheinander über die Bühne, gesprochen wird nicht. Der Clou: Am nächsten Tag müssen die Insassen die Aufzeichnung ihrer Aufzeichnung anschauen.

          Sie wissen es: Fast alle Essensprüfungen waren schon mal da. Lebendiges Getier, primäre Geschlechtsorgane, Püriertes und Zähes, einfach fast alles. Aber eines fehlt noch im Schreckenskabinett der Ekelprüfungen, ein wahrhaft umstrittenes Gericht. Diesmal muss einer daran glauben bei der Dschungelprüfung, schließlich sitzen alle selbst mit Lagerkoller zu Hause und wollen endlich mal jemanden mehr leiden sehen als sich selbst. Deshalb ist 2021 das Jahr, in dem erstmals in einer Prüfung verkochter, salzarmer Rosenkohl serviert wird. So wie unsere Mütter ihn früher zubereitet haben.

          Alle großen Unterhaltungsshows haben musikalische Darbietungen. Aber keine Sorge, wir wollen die Insassen nicht singen lassen. Stattdessen planen wir für sie ein Konzert des Blockflötenorchesters der benachbarten Erich-Kästner-Grundschule. Das ist ein echter Charaktertest: Wer die aufgeregten kleinen Musiker nicht ein bisschen anlächelt und brav applaudiert, kann sich schon mal von seinen Insta-Followern verabschieden. Und was führen die Kinderlein auf? Natürlich die „Carmina Burana“. Als ungefragte Zugabe: der „Bolero“.

          Um das Verantwortungsgefühl der Dschungelcamper zu triggern, braucht es ein Element, das gehegt und gepflegt werden muss, zum Beispiel das beliebte Lagerfeuer. In Zeiten der Trockenheit und der Waldbrände wollen wir natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und auf größere Brandstellen verzichten, deshalb haben wir uns etwas anderes ausgedacht, was nicht weniger Arbeit und Hingabe abverlangt: ein Supermarktbasilikum. Das zwei Wochen am Leben zu erhalten, fordert die ganze selbstlose Aufmerksamkeit der Promis.

          Eigentlich entblößen die Camper sich immer selbst ausreichend. Jedes Jahr treten neue Peinlichkeiten offen zutage. Aber wenn wir etwas gelernt haben aus 2020, dann dass man sich auf nichts verlassen kann. Deshalb gehen wir 2021 auf Nummer Sicher: Die Mütter der Insassen bekommen je eine halbe Stunde Sendezeit, in der sie die schönsten Kinderanekdoten erzählen dürfen. Außerdem sollen sie Selbstgebasteltes und -getöpftertes in die Kamera halten. Extra Sympathiepunkte gibt es für die Mütter, die die Bewertungen aus den alten Zeugnissen der Promis vorlesen (“XY hat noch Schwierigkeiten, sich an die Klassenregeln zu halten“).

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