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Einzug ins Dschungelcamp 2016 : Lasset die Spiele beginnen!

Nix mehr drin: Nathalie Volk hat brav aufgegessen. Rolf Zacher ist pikiert. Bild: RTL/Stefan Menne

Nach der unterwältigenden Dschungelcamp-Staffel des vergangenen Jahres musste die Jubiläumsausgabe ein Knaller werden. Der Einzug verlief schon äußerst vielversprechend – doch die beste Idee wurde per Zufall geboren.

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          Der Geniestreich des Abends kommt ausgerechnet von David Ortega, und das auch nur, weil er das Konzept der Show, an der er da teilnimmt, offenbar nicht restlos durchdrungen hat. „Jeder versucht dich da umzubringen“, sagt der Schauspieler kurz vor dem Einzug, und an dieser Stelle fällt wahrscheinlich dem Programmdirektor zu Hause vor dem Fernseher sein Red Bull mit ordentlich Wodka drin aus der Hand: Das ist es! „The Jungle Games“! Jeder killt jeden, und wer übrig bleibt, gewinnt! Das Publikum will die meisten Camper doch eh nicht zurück, wenn die erst mal ihre ganze charakterliche Bandbreite im Fernsehen präsentiert haben!

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Aber die Erkenntnis kommt genau ein Jahr zu spät. Nachdem wir 2015 beim Dschungelcamp-Gucken vor lauter Langeweile die Chipsverpackungen mitgegessen haben, hat RTL sich nämlich für die Jubiläumsausgabe ein paar Neuerungen ausgedacht. Ihr Unterhaltungswert ist nicht so, hihi, todsicher wie der meiner neuen Lieblingsidee „The Jungle Games“, aber immerhin: Die zwölf Camper werden in zwei Teams aufgeteilt, die auch getrennt hausen, und treten gegeneinander an.

          Sekt für die einen, Wasser für die anderen: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich haben als Moderatoren eindeutig den besten Job des Dschungelcamps.
          Sekt für die einen, Wasser für die anderen: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich haben als Moderatoren eindeutig den besten Job des Dschungelcamps. : Bild: RTL / Stefan Gregorowius

          Die Aufteilung erfolgt wie in einem bayerischen Kabinett streng nach Proporz: In jedes Team kommt ein grumpy old man (Gunter Gabriel / Rolf Zacher), eine Tussi (Sophia Wollersheim / Nathalie Volk), jemand mit ernster Vergangenheit (Jenny Elvers / Thorsten Legat), ein Temperamentsbolzen (David Ortega / Jürgen Milski), eine toughe Lady (Brigitte Nielsen / Helena Fürst) und ein schräger Vogel (Ricky Harris / Menderes Bagci). Sie alle müssen erst mal eine gemeinschaftliche Dschungelprüfung absolvieren, in der Buschschweinsperma, Kuhurin, Kamelhirn und Kakerlaken serviert werden – so weit, so wenig überraschend.

          Das Kamel, dessen Hirn hier zur Degustation steht, wirkt mental kaum weniger agil als David Ortega.
          Das Kamel, dessen Hirn hier zur Degustation steht, wirkt mental kaum weniger agil als David Ortega. : Bild: RTL/Stefan Menne

          Wahrhaft überraschend ist dafür, dass Gunter Gabriel Ortegas Konzept schon im Vorfeld antizipiert hat. „Wenn einer Scheiße redet, ist er ein toter Mann!“, kündigt er vollmundig an. (Disclaimer: Ich habe zehn Euro auf den Country-Opa gesetzt und bin daher parteiisch.) Seine zweite große Ankündigung erfolgt bald darauf: „Ich hab nur eine Unterhose mit, die muss reichen!“ Anschließend zeigt er sich hauptsächlich verwirrt. Ist das das Camp? Aha? Kein Grund zur Beunruhigung: Bis Gunter Gabriel kapiert hat, wo er da überhaupt ist, hat er das Ding längst gewonnen.

          Doch die Veränderungen der Show sind nicht so wichtig für den Erfolg des Dschungelcamps. Entscheidend ist die Irrendichte, und da muss man 2016 sagen: läuft. RTL demonstriert eindrucksvoll, dass Wahnsinn zu seinen Kernkompetenzen zählt. Thorsten Legat adelt  Australien mit den Worten „Das is ja ne Aussicht hier, ne? Is ja wie in Bochum!“, Jürgen Milski sagt über ihn, er könne sich nicht so gut artikulieren, „hat aber ein großes Herz, und das ist mir wichtiger wie die deutsche Sprache“, und Sophia Wollersheim kichert hysterisch und zwitschert „Ich geh mit allem rein, was ich hab! Das ist nicht viel.“

          Ansonsten jammert Wollersheim so lange über das Dschungelklo, bis Brigitte Nielsen ihr betreutes Pinkeln anbietet. Alle lästern über Helena Fürsts Rasta-Zöpfe, die sie sich flechten ließ, weil sie fand, die Leute im Dschungel hätten immer so fürchterlich ausgesehen. (Da hilft eine Neunziger-Jahre-Frisur natürlich sehr, und Blondinen stand sie schon immer super.) David Ortega salbadert, er habe die Frau seines Lebens schon gefunden, wolle aber erst mächtig Kohle machen „und dann schlag ich zu“. Wow. Da eröffnet sich eine völlig neue Dimension von Romantik.

          Tauchgang mit Sophia Wollersheim und ein bisschen Getier
          Tauchgang mit Sophia Wollersheim und ein bisschen Getier : Bild: RTL/Stefan Menne

          Eine zweite Prüfung gibt es natürlich auch: Sophia Wollersheim hat beim Tauchen in einem Wassertank keine Chance gegen Menderes Bagci. Dabei sind ihr ein paar künstliche Körperteile doch zu sehr im Weg. Hallo! Wir reden von den aufgeklebten Fingernägeln! Also wirklich. Nach verlorener Prüfung erklärt sie Menderes, sie gönne seinem Team das Essen, während ihr Team wieder mit Reis und Bohnen auskommen muss. Ganz freundschaftlich. Die Masken sitzen noch gut am ersten Tag.

          Nur Thorsten Legat ist das alles viel zu lahm. Er wirkt, als würde er im Dschungel am liebsten sein eigenes paramilitärisches Camp aufmachen. „Es gibt kein Mitleid! Wir haben Hunger, wir wollen gewinnen!“ So ist’s recht. Wir verstehen das mal als erste Bewerbung für „The Jungle Games“.

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