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Dreißig Jahre „Ein Fall für zwei“ : Die Ewigkeitsfälle des Privatdetektivs Matula

Benjamin Stolz (Dieter Montag, links) ist ein alter Polizeikollege von Matula (Claus Theo Gärtner). Ob er auch hilfreich ist, muss sich weisen Bild: ZDF/Andrea Enderlein

Er ist der Underdog, den alle unterschätzen. So wurde Josef Matula ein Erfolgsmodell des Fernsehens - und für den Schauspieler Claus Theo Gärtner zugleich ein Fitnessprogramm.

          Im Spätsommer 1981 beschließt Amerikas Präsident Ronald Reagan, seinerseits erst ein halbes Jahr im Amt, den Bau der Neutronenbombe und verschärft damit den Kalten Krieg.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Zur selben Zeit wird in Frankfurt am Main der Polizist Josef Matula vom Dienst suspendiert und beschließt, nicht zuletzt auf Anraten des Rechtsanwaltes Dr. Dieter Renz, fortan als Privatdetektiv zu arbeiten. Die ZDF-Reihe "Ein Fall für zwei" ist geboren, Claus Theo Gärtner, damals 38 Jahre alt, spielt Matula, der vierzehn Jahre ältere und längst berühmte Volksschauspieler Günter Strack ist Anwalt Renz.

          Als sich am 9. November 1989 die Berliner Mauer öffnet, löst Josef Matula, seit kurzem mit Unterstützung des Anwalts Dr. Franck (Rainer Hunold), gerade seinen 72. Fall, der im Frankfurter Finanz- und Immobilienmilieu spielt. Wenige Tage vor dem 11. September 2001 mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon ermittelt Matula - nun an der Seite des Advokaten Dr. Lessing (Paul Frielinghaus) - den Mord an einem Gymnasiasten, wenige Tage danach gibt der Bridgeabend, von dem eine vornehme Dame nach Hause zurückkehrt, so manches Rätsel auf.

          Während heute in Brüssel noch der EU-Gipfel tagt, um die Schuldenkrise eventuell in den Griff zu bekommen, wird Claus Theo Gärtner seinerseits des Mordes an einem verdeckt arbeitenden Drogenfahnder beschuldigt - in "Der Fall Matula" muss er also vor allem seine Unschuld beweisen. Die selbstbezügliche Folge ist zugleich Matulas 282. Einsatz im Freitagskrimi des ZDF. Und da die Serie seit Januar 2011 pausierte, ist heute auch erst das Jubiläum fällig: dreißig Jahre "Ein Fall für zwei".

          Mit Anwalt Dr. Dieter Renz (Günter Strack) löste der junge Matula (Claus Theo Gärtner) von 1981 an die ersten sechzig Fälle Bilderstrecke

          Zwar hat diese mittlere Ewigkeitsreihe, die das ZDF inzwischen in mehr als fünfzig Länder verkaufen konnte, hierzulande während des vergangenen Jahrzehnts im Schnitt fast eine Million an Zuschauern verloren. Pro Folge aber schalten immer noch knapp fünf Millionen ein, vier Fünftel davon sind Menschen über fünfzig. In den Anfangsjahren bis 1984, als es das Privatfernsehen noch nicht gab, brachten es Matula und Renz auf nahezu elf Millionen Zuschauer. Jetzt sind die Schauspieler Gärtner und Frielinghaus auf einer Art Abschiedtournee, mit der dreihundertsten Folge, die 2013 ausgestrahlt werden soll, wollen die beiden dann in Fernsehpension gehen.

          Im Gedächtnis der Fernsehnation

          Es gibt schlichtweg kein urbanes Milieu, das im "Fall für zwei" nicht vorgekommen wäre, Zuhälter, Golfspieler und Schriftsteller inklusive. Fast in jedem Fall ist Matula zu Beginn ein Underdog, den bis auf seinen Freund und Anwalt wirklich alle, die gleich mit ihm zu tun bekommen werden, entweder verachten oder, viel schlimmer noch, unterschätzen. Die dankbare Rolle nutzt Claus Theo Gärtner inzwischen längst und überaus erfolgreich als persönliches Fitness-Programm, immer noch passen die engen Jeans, nur das Ziegenbärtchen, das er sich unlängst zulegte, sollte vor der Verrentung wieder verschwinden.

          Die ersten Sätze, die in der F.A.Z. über Gärtner und seine Rolle zu lesen waren, stammen vom 11. September 1981, dem Premierentag: "Josef Matula", hieß es da, "ist ein Name, den man sich merken wird. Gestern noch ein Unbekannter, wird er heute Abend bereits für ersten Gesprächsstoff sorgen, in drei Jahren aber oder fünf sich mindestens der halben Fernsehnation ins Gedächtnis eingegraben haben."

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