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Dreh in der Antarktis : Ein Garten Eden im ewigen Eis

  • -Aktualisiert am

Strahlend blauer Himmel vor der Schneewüste: Dirk Steffens vor der Forschungsstation Neumayer III, einen Tag nach dem großen Sturm Bild: ZDF und Oliver Roetz

Für die 100. Folge „Terra X“ im ZDF dreht der Moderator Dirk Steffens in der Antarktis. Im Skype-Interview erklärt er, wie sich Isolation auf das menschliche Gehirn auswirkt und wie man Weltraum-Tomaten züchtet.

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          Schon der Anblick lässt einen frösteln: Dirk Steffens trägt eine Winterjacke, die Kapuze hat er weit ins Gesicht gezogen und hält ein Mikrofon in den Wind. Hinter ihm steht etwas, das aussieht wie ein Raumschiff auf Stelzen. Dahinter ist, so weit der Blick reicht: Schneewüste. Das Raumschiff ist in Wirklichkeit die deutsche Polarforschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts (nach dem Geophysiker Georg von Neumayer), aufgestellt an der Atka-Bucht auf einer 200 Meter dicken schwimmenden Eisplatte an der Nordküste der Antarktis.

          Das Team der ZDF-Dokumentationsreihe „Terra X“ ist für Dreharbeiten anlässlich der hundertsten Folge von „Faszination Erde“ zu Besuch bei den Forschern. Wegen eines Unwetters musste das Gespräch zunächst um knapp eine Woche verschoben werden. Heute ist der Himmel über dem Südpol strahlend blau.

          Herr Steffens, ist Ihnen kalt?

          Gar nicht, ich schwitze quasi! Heute ist ein sehr warmer antarktischer Sommertag. Wir nähern uns von unten dem Gefrierpunkt.

          Ist daran der Klimawandel schuld?

          Nein, das ist normal. Ich kann gleich mit einem riesigen Irrtum aufräumen. Wir wissen ja: Rund um den Nordpol ist es im Schnitt schon fünf Grad wärmer geworden. Hier in der Antarktis ist das anders. Die Neumayer-Station misst seit 40 Jahren jeden Tag die Wetterdaten. Das Ergebnis: Die Temperatur steigt nicht. Aber auch wenn das Eis der Antarktis bisher nicht schmilzt, ist das keine Entwarnung. Wie schlimm der Klimawandel ist, sieht man auf der antarktischen Halbinsel. Die ist ein bisschen näher am Äquator. Da schmilzt das Eis schon. Wenn aber das Eis schmilzt, auf dem ich gerade sitze, dann ist unsere Zivilisation erledigt. Das ist dramatisch, aber offenbar haben wir noch ein wenig Zeit, die Sache in den Griff zu bekommen.

          Trotz dicker Jacke und Fellmütze: „Ich schwitze quasi!“, sagt Dirk Steffens. Im Antarktischen Sommer sind Temperaturen am Nullpunkt nicht ungewöhnlich

          Vor ein paar Tagen sah es bei Ihnen brenzlig aus.

          Wir hatten zwei Tage lang einen ziemlich heftigen Antarktissturm. Seit gestern ist er vorbei, das macht uns froh. Denn das sind Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Wenn man dann vor die Tür geht, wird man einfach umgepustet. Und dann gibt es noch das sogenannte Whiteout: Der Wind wirbelt so viel Schnee auf, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Und das heißt, man geht drei Meter von dieser Station weg und kann sich wirklich verirren. Das ist übrigens genau das, was damals Robert Falcon Scott und seiner berühmten Expedition zum Südpol passiert ist. Die konnten gerade so unten von oben unterscheiden.

          Wie muss man sich das Leben auf einer Antarktisstation vorstellen?

          In der Antarktis ist gerade Sommer. Das ist eine sehr geschäftige Zeit. Jetzt, wo wir auch hier sind, ist die Station mit 50 Leuten pickepackevoll. Für einen Wissenschaftsjournalisten wie mich ist das ein Schlaraffenland. Ich wohne mit Wissenschaftlern, esse mit ihnen. Wir schlafen in 4-Bett-Zimmern und reden den ganzen Tag über Wissenschaft. Also für mich ist das ein bisschen wie im Himmel sein. Außerdem gibt es jede Menge Freizeitbeschäftigung. Man kann abends ein Bier trinken, Tischtennis spielen, sich auf dem Fitness-Rad verausgaben, und es gibt einen großen Monitor zum Schauen von Videos.

          Gemüse ohne Licht und Erde: Die „Eden ISS“ vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist ein Pilotprojekt für den Nahrungsmittelanbau im Weltraum

          Das klingt ein wenig wie die Mondstation aus „2001: Odyssee im Weltraum“.

          Es geht dabei auch um Raumfahrt! Hier wird buchstäblich die Zukunft erforscht. Die Station sieht nicht nur aus wie ein Ufo, die funktioniert auch so. Das verwundert vielleicht: Warum Raumfahrt in der Antarktis? Während der Wintermonate muss auch die Station hier komplett autark von der Umwelt funktionieren, es gibt keine Versorgung von außen. Es muss Energie produziert werden, Wärme und Nahrung. Da gibt es zum Beispiel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Projekt „Garten Eden“. Der Garten wächst in einem 18 Quadratmeter großen Container, wie man ihn von Containerschiffen kennt. Es werden Salat, Tomaten, Gurken angebaut – und zwar ohne Sonnenlicht und Erde. Es wächst genug frisches Gemüse, um einer zehnköpfigen Besatzung jeden Tag des Jahres einen frischen Salat vorzusetzen. Man will untersuchen: Wenn die Ackerflächen auf dem Planeten Erde knapp werden, wie kann man Nahrung für immer mehr Menschen erzeugen?

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