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Trumps Presse-Feldzug : Der zu dem Volk spricht

Nimmt die Presse unter Dauerfeuer: Donald Trump. Bild: AP

Dieser Präsident hat der Presse nicht bloß den Kampf angesagt, er hat Journalisten regelrecht den Krieg erklärt. Donald Trump entwickelt sich zum Staatsfeind Nummer eins der Pressefreiheit.

          Im Umgang mit der Presse kennt Donald Trump kein Halten mehr. So zügig, wie er seinen Plan umsetzt, eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen, zieht er Leitplanken gegen Journalisten hoch. Da sie seiner Ansicht nach nichts als Fake News verbreiten, ja Fake News sind, beschimpft er sie nicht nur in einem fort, er schließt sie auch von seinen Pressekonferenzen aus. Die Reporter von CNN, der „New York Times“ und des Online-Portals „Politico“ wurden zu einem Briefing von Trumps Sprecher Sean Spicer nicht zugelassen. Willkommen waren nur Vertreter der Sender ABC, CBS, NBC, Fox News und selbstverständlich von „Breitbart News“, das Steve Bannon anführte, bevor er zum offiziellen Chefeinflüsterer des Präsidenten berufen wurde. Die Teilnahme am traditionellen Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus sagte Trump ebenfalls ab, selbstverständlich per Twitter.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dieser Präsident hat der Presse nicht bloß den Kampf angesagt. Er hat den Journalisten, die ihm kritisch kommen und beispielsweise zu den Russland-Verbindungen seiner Wahlkampftruppe recherchieren, spätestens in dem Augenblick den Krieg erklärt, als er sie „Feinde des amerikanischen Volkes“ nannte. Er macht sie damit vogelfrei, und man wartet nur darauf, dass er bei einem seiner nächsten Auftritte handgreiflich wird und anfängt, einen derjenigen, die ihn am meisten stören, nicht nur verbal zu attackieren. Seine Anhänger, die er sektenführergleich anpeitscht, versetzt er in Ekstase, wenn er auf „die Medien“ eindrischt, die angeblich lügen wie gedruckt und – ginge es nach ihm – mit anonymen Quellen nicht mehr arbeiten dürfen sollen.

          Die Fakten-Checker müssen sich sputen

          Die amerikanische Presse weiß sich selbstverständlich zu helfen. Der Präsident liefert nicht bloß Stoff für Nachrichten und Kommentare, er sorgt mit seinen Tiraden für ein Bedürfnis nach Fakten-Checks ungekannten Ausmaßes. Jede seiner Behauptungen wird gewogen, und die meisten werden für zu leicht befunden. Komplett falsch, teilweise falsch, aus dem Zusammenhang gerissen, in den falschen Kontext gestellt und maßlos übertrieben – die Recherchemannschaften, die „New York Times“ und „Washington Post“ allein für das Weiße Haus auf die Beine gestellt haben, müssen sich sputen.

          Der Chefeinflüsterer: Steve Bannon.

          Beobachter fragen sich inzwischen, ob der Nebel und das Gift, die Donald Trump verbreiten, nur einem Reiz-Reaktions-Schema folgen oder einem höheren Zweck dienen und der Stratege Bannon die Springteufelprozession des Präsidenten als Nebenkriegsschauplatz darauf angelegt hat, die Nation auf einen größeren Schlag vorzubereiten. Um in den Irak einzumarschieren, erfand die Regierung Bush jr. seinerzeit die Legende von den dort angeblich gebunkerten Bio- und Chemiewaffen, die Regierung Trump lokalisiert Sprengsätze an der Heimatfront. Damit ruft er bei seinen Gegnern besonnene, aber auch genau die hysterischen Reaktionen hervor – Angriffe auf seinen minderjährigen Sohn oder Boykottaufrufe gegen seine Tochter Ivanka –, die er für die Verbreitung seines verzerrten Weltbilds braucht.

          Dass Donald Trump damit nicht nur die Gesellschaft der Vereinigten Staaten spaltet, sondern ein verheerendes Beispiel für den gesamten Globus gibt, beklagt Joel Simon in der „New York Times“. Simon ist Geschäftsführer des Committee to Protect Journalists (CPJ), einer Organisation, die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzt und normalerweise auf die prekäre Lage derselben in diktatorisch regierten Staaten hinweist. Die Art und Weise, in der Donald Trump über die Presse spricht und mit Journalisten umgeht, folge einer politischen Logik: die eigenen Leute ermutigen, die Presse anzugreifen; deren Glaubwürdigkeit in Abrede stellen; die eigene Verantwortlichkeit nicht mehr hinterfragen lassen und schließlich vollständig ablenken von dem, was eigentlich geschieht. Das könnte aus dem Lehrbuch russischer Propaganda stammen.

          Trumps Taktik nennt Simon ein „Flächenbombardement“ der Nachrichtenmedien, das nicht nur dem Ansehen der Vereinigten Staaten schade, sondern all jenen nütze, die die Pressefreiheit unterdrücken: Wer will noch mit dem Finger auf Putin oder Erdogan zeigen, wenn der Regierungschef der größten Demokratie der Welt es mit der unabhängigen Presse (fast) ebenso hält? Trumps „carpet bombing“, schreibt Simon, treffe „die mutigen Journalisten an der Front, die ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, um die Welt mit Nachrichten zu versorgen“. Sie könnten – und das sei schon jetzt das Ergebnis des Trumpschen Wütens – auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten nicht mehr zählen. Man wird sich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, dass der erste Mann im Staate Amerika der Staatsfeind Nummer eins der Pressefreiheit ist.

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