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Kritik an Late-Night-Talker : Colbert reißt scharfe Witze über Trump

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Stephen Colbert. Bild: dpa

Late-Night-Talker Stephen Colbert ist kein Freund von Donald Trump. Den amerikanischen Präsidenten deckte er jetzt mit einer Schimpfkanonade ein, die Furore macht. Colbert hatte seine Gründe.

          2 Min.

          Dass Stephen Colbert und Donald Trump in diesem Leben keine Freunde mehr werden, ist seit langem klar. Schon während des Wahlkampfs zählte der Late-Night-Moderator des Senders CBS zu den glühendsten Gegnern des jetzigen amerikanischen Präsidenten. Und er zählt die Tage, bis Trump wieder aus dem Weißen Haus verschwindet. 1358 Tage seien es noch, sagte Colbert Anfang der Woche.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Da hatte der neue Präsident die ersten hundert Tage im Amt gerade absolviert und dem Journalisten John Dickerson für die CBS-Sendung „Face the Nation“ ein Interview gegeben, das mit einem Eklat endete. Trump hatte irgendwann keine Lust mehr, auf Dickersons Fragen zu antworten, und ließ den Journalisten bei der wiederholten Nachfrage, ob er bei dem – unbewiesenen – Vorwurf bleibe, von seinem Amtsvorgänger Obama abgehört worden zu sein, einfach stehen. Er drehte sich um, setzt sich an seinen Schreibtisch im Oval Office und durchwühlte irgendwelche Papiere – absurder hätte man die Szene auch für eine Parodie nicht gestalten können.

          Zuvor hatte Trump seinem Gegenüber noch in sarkastischem Tonfall gesagt, er „liebe“ seine Sendung, nur heiße sie beim ihm nicht „Face“, sondern „Deface the Nation“ – „deface“ im Sinne von entstellen. Dafür revanchierte sich der Late-Night-Talker Colbert nicht nur mit einer verballhornten Version des Interviews mit ihm selbst als Fragesteller, er schoss eine Schimpfkanonade à la Böhmermann ab.

          Er „liebe“ Trumps Präsidentschaft, nur nenne er sie „Disgrace the Nation“ (blamieren), Trump erinnere ihn an einen T-Rex, kleiner als seine Hände sei nur noch seine Steuerrückzahlung, er ziehe mehr Glatzen an als kostenloses Haarwuchsmittel, er sei das Vielfraß mit dem roten Knopf („the glutton with the button“), entwickle sich vom Dummpräsidenten zum „Pricktator“ und – Colbert bekam sich gar nicht mehr ein und überschlug sich vor Verbalinjurien, zu denen schließlich auch ein mit dem im amerikanischen Fernsehen an dieser Stelle üblichen Piep-Ton überblendeter Satz zählte, den man so verstehen durfte, dass der amerikanische Präsident seinem russischen Amtskollegen sexuell zu Diensten sei.

          Im Internet führte das zu den üblichen Reaktionen und schließlich zu einer Bewegung, die unter dem Hashtag #FireColbert dazu aufruft, die Sendung zu boykottieren und den Moderator zu entlassen. Dem wurde dann auch noch vorgehalten, sein Trump-Putin-Gag sei homophob.

          Bei der Aufzeichnung seiner Show am Mittwochabend entschuldigte sich Stephen Colbert nicht und gab auch nicht klein bei. Einige Formulierungen würde er im Nachhinein zwar nicht mehr wählen, sie seien gröber ausgefallen, als es hätte sein müssen. Ansonsten aber würde er es wieder tun, schwer getroffen sei Trump wohl kaum: „Ich habe die Witze, er hat die Raketen-Codes. Also ist es ein fairer Kampf.“ Wie lange wird dieser Kampf noch dauern? 1354 Tage, wenn wir richtig gezählt haben.

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