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Trump staucht Medien zusammen : „Es war wie ein verdammtes Erschießungskommando“

Lügner und Betrüger: Donald Trump findet für die großen amerikanischen Sender nur die abfälligsten Worte. Bild: AP

Ein beispielloser Vorgang: Der künftige amerikanische Präsident hat führende Medienvertreter bei einem Treffen beschimpft und der „Lüge“ bezichtigt. Die Journalisten reagierten geschockt.

          Wer immer dachte, als Präsident werde Donald Trump vielleicht doch gemäßigter sein als im Wahlkampf befürchtet, der wurde diese Woche endgültig eines Besseren belehrt. Eigentlich hatte der Republikaner am Montag Vertreter der führenden amerikanischen Fernsehsender zu einem Treffen in den 25. Stock des Trump Towers nach Manhattan beordert, darunter bekannte Moderatoren wie Wolf Blitzer, Gayle King, David Muir und viele andere – die versammelte Medien-Elite des Landes. Es sollte ein gesittetes Treffen im neuen Zentrum der Macht werden, ein Meinungsaustausch von 30 bis 40 Medienvertretern mit dem künftigen Präsidenten. Doch was dann folgte, war kein gepflegtes Gespräch, sondern kam nach übereinstimmenden Aussagen von Beteiligten eher einer verbalen Ohrfeige gleich.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Nacheinander nahm sich der designierte Präsident die Medien-Bosse vor und stauchte sie in einer Art und Weise zusammen, wie es womöglich einmalig in der amerikanischen Geschichte ist. Als erstes attackierte Trump nach Angaben der „New York Post“ CNN-Chef Jeff Zucker: „Ich hasse Deinen Sender, jeder bei CNN ist ein Lügner und Du solltest Dich schämen“, beschimpfte er ihn. „Das Treffen war ein totales Desaster“, zitiert die Zeitung einen Beteiligten. „Es war wie ein verdammtes Erschießungskommando“, sagte demnach ein anderer.

          „Wir sind in einem Raum voll mit Lügnern, mit betrügerischen, unehrlichen Medien, die alles falsch dargestellt haben“, sagte Trump nach der Aussage eines weiteren Beteiligten. Die Sender seien dabei gescheitert, ihn oder seine Bedeutung für Millionen Amerikaner zu verstehen. Während seiner Tirade beschimpfte Trump eine weibliche Reporterin des Senders NBC, mutmaßlich die Reporterin Katy Tur, demnach dafür, dass in einem Bericht über ihn keine „schöneren“ Bilder verwendet worden seien. Auch einen nicht näher genannten „furchtbaren Korrespondenten“ beschimpfte der Republikaner, weil der nach der Niederlage Hillary Clintons geweint habe. 

          Trumps Generalabrechnung, in der sich der Republikaner über die „unehrliche“ und „empörende“ Berichterstattung in Rage redete, dauerte mehr als zwanzig Minuten, berichtet der „New Yorker“. Als er zu den gefälschten Nachrichten gefragt wurde, die sich nach der Wahl in den sozialen Netzwerken immer stärker verbreiten, antwortete Trump, dafür seien die Medien verantwortlich, weil sie selbst gefälschte Nachrichten verbreiteten. „Die Schlimmsten“, sagte Trump demnach, seien die Sender CNN und NBC.

          „So etwas gab es noch nie. Das ist empörend“

          Wie ein Reporter des „New Yorker“ am Dienstag ernüchtert berichtete, gebe es nach dem Treffen keinerlei Anzeichen dafür, dass der künftige Präsident nach seiner Wahl in das höchste Amt des Landes nun geläutert oder gemäßigter sei. Im Gegenteil, sagte einer der Beteiligten: „Er ist derselbe prahlerische Wichtigtuer, der er schon im Wahlkampf war.“

          Trumps Verhalten bei dem Treffen sei „völlig unangemessen“ und „verdammt empörend“ gewesen, zitierte das Magazin einen anderen Teilnehmer. „Ich muss sagen, ich bin emotional verdammt angepisst“, sagte ein anderer Teilnehmer. „Ich bin total ehrlich: Gegen Ende des Wahlkampfs gab es diesen Punkt, an dem ich dachte, dass wir Medien wirklich immer nur über Trumps Probleme und Defizite berichten, auch wenn das legitim ist. Aber ich dachte, O.K., lasst uns ihm eine Chance geben. Aber nach diesem Treffen heute denke ich [...]: Fuck him. Ich fühle mich wirklich persönlich angegriffen. So etwas gab es noch nie. Das ist empörend!“

          Conway: Treffen war „sehr herzlich, offen und ehrlich“

          Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway, die jetzt als Beraterin für den künftigen Präsidenten arbeitet, sagte dem „New Yorker“ hingegen, das Treffen sei „sehr herzlich, offen und ehrlich“ gewesen. Wie das Magazin schreibt, schien Trump nach Teilnehmerangaben noch immer nicht besser über Politik informiert zu sein als noch während seines Wahlkampfs. Auch sei seine pauschale Medienkritik teils irrational gewesen. 

          Über Mitt Romney, der im Wahlkampf ein harter Kritiker Trumps war und jetzt als heißer Anwärter auf den Posten des Außenministers gilt, sagte Trump demnach, Romney wolle den Posten „verzweifelt“. Es blieb offenbar aber unklar, ob Trump ihm den Posten wirklich geben wolle.

          Schon vor dem Eklat im Trump Tower hatte es am Ärger wegen eines Treffens von Trump mit der „New York Times“ gegeben, dem renommierten Blatt, das Trump in herzlicher Abneigung verbunden ist. Ein für Dienstag anberaumtes Treffen mit dem Herausgeber und mehreren Reportern der Zeitung sagte der Republikaner am Morgen zunächst ab. Trump begründete das auf Twitter damit, dass die Bedingungen des Treffens kurzfristig geändert worden seien. Das sei „nicht nett“. Trumps Team hatte das Treffen selber vorgeschlagen.

          Treffen mit „New York Times“ findet nun doch statt

          Die „New York Times“ wiederum erklärte, an den Bedingungen des Treffens habe sich nichts geändert. Es sei vereinbart worden, einen kurzen Teil des Gesprächs hinter verschlossenen Türen und den deutlich längeren öffentlich mit Reportern machen zu wollen. Von der Absage Trumps habe man lediglich via Twitter erfahren.

          Vielleicht gebe es ein späteres Treffen, fügte Trump in einem weiteren Tweet hinzu. In der Zwischenzeit werde das Blatt weiter falsch über ihn berichten und einen ungezogenen Ton anschlagen, schrieb er. Am Dienstagnachmittag twitterte Trump dann, das Treffen werde doch wie geplant um 12.30 Uhr (18.30 Uhr deutscher Zeit) stattfinden. Das bestätigte kurz darauf auch die „New York Times“. „Das Team von Mr. Trump hat uns darüber informiert, dass das Treffen stattfinden wird. Er wird sich zu einem Hintergrundgespräch mit dem Herausgeber treffen und danach öffentlich mit unseren Journalisten und Kommentatoren“, hieß es in einer Mitteilung der Zeitung.

          Conway: „Der Mann arbeitet 18 Stunden am Tag“

          Unterdessen warb Trumps Wahlkampfmanagerin Conway für Verständnis dafür, dass Trump bald zwei Wochen nach der Wahl noch keine reguläre Pressekonferenz angesetzt hat, bei der er sich auch den Nachfragen von Journalisten stellt. „Der Mann arbeitet achtzehn Stunden am Tag“, sagte sie nach einem Bericht der „New York Times“, „er spricht mit Leuten und nimmt Anrufe aus der ganzen Welt entgegen.“ In Kürze werde er auch eine Pressekonferenz anberaumen.

          Seit 1976 hat kein künftiger Präsident Amerikas länger nach seiner Wahl gebraucht, um eine Pressekonferenz zu halten. Bei Barack Obama waren es drei Tage. Bislang hat Trump lediglich einzelne Interviews gegeben.

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