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Film über Ruth Bader Ginsburg : Oberste Richterin in Amerika

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Für ihre Arbeitsdisziplin berühmt: Ruth Bader Ginsburg. Bild: AP

Das ZDF zeigt das Kinoporträt von Ruth Bader Ginsburg, der legendären Richterin am Supreme Court: „RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“. Sie prägt die Rechtsprechung auch als Sechsundachtzigjährige.

          Als Justice Ruth Bader Ginsburg vor einigen Monaten wegen einer neuerlichen Krebserkrankung behandelt wurde, wünschte ihr der Fernsehmoderator Bill O’Reilly öffentlich den Tod. Andere Kritiker nannten die Richterin des Supreme Court, des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, „Hexe“, „Monster“, „absolute Schande“, „boshaft“ und „antiamerikanisch“: viel Feind, viel Ehr. Kurz danach trat die zerbrechlich wirkende Juristin in der „Late Show“ von Stephen Colbert auf, stillvergnügt und geschliffen formulierend wie je, und ließ Einblicke in ihre Fitnessstudioroutine nehmen.

          Der Jubel des Publikums war frenetisch. Solange sie noch „Volldampf“ geben könne, räume sie die Bank in Washington nicht, sagte die Sechsundachtzigjährige, deren Disziplin legendär ist. Gerade jetzt warteten viele Sondervoten darauf, geschrieben zu werden. Kein Grund, für einen Trump-Kandidaten den Platz zu räumen. Oder, um mit ihren Fans zu sprechen: „There is no Truth without Ruth.“

          Eine Figur für die Geschichtsbücher ist die aus Brooklyn stammende Juristin, die es aus bescheidenen Verhältnissen in den fünfziger Jahren, verheiratet und mit Kleinkind als eine von wenigen Frauen an die Harvard Law School schaffte und brillierte, schon zu Lebzeiten. Und ein Internetphänomen, davon zeugen nicht zuletzt unzählige Memes. „RBG“ gibt es mit Signaturbrille im Superheldinnenkostüm und im „Matrix“-Filmheldinnen-Look, auf Kaffeetassen und T-Shirts. Gelegentlich sieht man sie in Opern-Sprechrollen auch auf der Bühne. Wer immer sie für eine „Lecture“ gewinnen kann, ist sicher, dass sie das Publikum inspiriert. Die Frau hat Charisma.

          Davon zeugen nicht nur ihre Parodie in „Saturday Night Live“, wo „Notorious RBG“ mit ikonographischem Spitzenkragen über der Robe und Hiphop-Moves mit allem Respekt porträtiert wird, sondern bahnbrechende Urteile, die sie als Prozessanwältin seit den Siebzigern im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit erstritten hat. Entscheidende Anti-Diskriminierungsgesetze gehen auf sie zurück. Die politische Landschaft, das sagen selbst ihre Feinde, wäre eine andere ohne sie. Der knapp hundertminütige Dokumentarfilm von Betsy West und Julie Cohen versteht sich in seiner Materialfülle, in den überbordenden Details und großen Erzähllinien, mit zahlreichen Interviews und Würdigungen als Hommage an eine, wie sie sich selbst beschreibt, Liebhaberin des Rechts und Verfassungspatriotin, die als Opernsängerin keine Begabung hatte und auf einer anderen Bühne das Beste daraus machte. Genauigkeit beim Nachzeichnen vieler Prozesse, die spannend wie Krimis aufbereitet werden.

          Das größte Verdienst der Dokumentation ist, dass sie sich das politische System der Vereinigten Staaten vornimmt und zeithistorische Grundlinien nachzeichnet. Besonderen Wert legt die Darstellung auf die gesprochenen Plädoyers und die Bandbreite der musikalischen Begleitung, die manchmal freilich etwas zu pompös gerät. Von Jennifer Hudsons „I’ll Fight“, Juicy, The Bullpen, über „Summertime“, den Barbier von Sevilla, die Fledermaus, Lucia di Lammermoor bis zum „Allegretto“ der siebten Sinfonie von Ludwig van Beethoven reicht die Playlist. Will auch auf der Soundebene sagen: die integrative Kraft dieser Person scheint fast grenzenlos. Als Kandidatin der Mitte und Konsensfigur ist „RBG“ für den Supreme Court einst angetreten, so zeigt es der Film. Mit ihrem konservativen Mitrichter Scalia verband sie eine Freundschaft trotz Dissens in juristischen Fragen.

          1993, bei der Anhörung der von Bill Clinton vorgeschlagenen Kandidatin im Senat, nötigte ihr Vortrag auch den Republikanern Respekt ab. Schon 1975 hatte sie, strategisch geschickt, den Fall „Weinberger gegen Wiesenfeld“ übernommen, in dem Stephen Wiesenfeld nach dem Kindbetttod seiner Frau auf Sozialhilfe geklagt hatte, um als Hausmann seinen Sohn erziehen zu können. Nur Frauen stand diese Unterstützung damals zu. Dass Geschlechterdiskriminierung per Gesetz allen schadet, nicht nur den Frauen, ist Lebensüberzeugung von „RBG“. In vielen Fragen sei er anderer Meinung als sie, aber das sei unerheblich, sagte Orrin Hatch, republikanischer Senator aus Utah, nach der Anhörung 1993: „Ich bewundere Sie. Sie haben sich einen Platz am Supreme Court verdient.“ Das bezeugt eine politische Debattenkultur der Vergangenheit, übertragen vom Parlamentssender C-SPAN, die in der Gegenwart wirkt wie vom anderen Stern. Über die Parteigrenzen hinweg wurde Ruth Bader Ginsburg mit 96 zu drei Stimmen seinerzeit zur zweiten Frau am Supreme Court ernannt, auf Lebenszeit.

          RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit, heute, Mittwoch 12. Juni, um 20.15 Uhr bei ZDFinfo, am 23. Juli, 22.45 Uhr, im ZDF.

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