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Dokumentation über Axel Springer : Es ging ihm ans Herz

Mehr Macht- als Verstandesmensch: Axel Springer (2.v.l.) bei der Einweihung des Berliner Verlagshauses 1966. Bild: ZDF/Axel Springer AG

Verleger, Feindbild, Lebemann: Er war alles zugleich und damit erfolgreich. Zum hundertsten Geburtstags Axel Springers zeigt Arte die „Drei Leben“ der Jahrhundertfigur.

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          Dieser Mann, sagt Michael Jürgs, habe so viele Facetten gehabt, dass man nie habe sagen können: „So war er.“ Aber wie war er wirklich? Die Filmemacher Sebastian Dehnhardt, Jobst Knigge und Manfred Oldenburg halten es, um sich diesem Charakter zu nähern, mit dem Rat des Biographen. Sie haben nicht einen Film gemacht, sondern drei in einem: „Drei Leben: Axel Springer“. Und in diesen drei mit „Verleger, Feindbild, Privatmann“ überschriebenen Stücken, deren Manko ist, dass sie jeweils wieder von vorn beginnen, tritt ein Mann vor, dessen Vita tatsächlich für mehrere Leben reichte.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Axel Springer war eine Jahrhundertfigur. Ein phänomenal erfolgreicher Verleger, ein Blattmacher, der den Leuten mit „Bild“ die Zeitung geben wollte, die ihnen „nach dem Maul schreit“, wie es der Journalist Wolf Schneider ausdrückt. Zugleich war Springer erfüllt von einer politischen Mission, was ihn zum Gegner des real existierenden Sozialismus machte, der Deutschland mit einer Mauer teilte. Sie nährte sich aus seiner tief empfundenen Scham über die Judenvernichtung, die ihn - und damit sein Zeitungsimperium - zu einem herausragenden Antipoden des Antisemitismus und treuen Gewährsmann Israels machte. Und zum Feindbild der Achtundsechziger. Und dann gab es da noch den Lebemann, den Dandy und Frauenhelden, der sich als Ehemann und Vater nicht von einer starken Seite zeigte und dem erst seine letzte Frau Friede, von der wir im Film erfahren, dass er sie für einen leibhaftigen Engel hielt, genug war.

          „Der war nicht groß mit Lob“

          Neben allem Bekannten, was die drei Autoren über Axel Springer versammeln, besticht ihr Film durch die Einsichten der Befragten. Hans-Peter Schwarz zum Beispiel erklärt, warum Axel Springer eigentlich mit seinem Eintreten für die Unterdrückten „von links“ kam, was die Linke aber nicht daran hinderte, ihm zum Feindbild zu machen. Was man wiederum verstehen kann, wenn man sieht, mit welchem Hang zum Größenwahn und Nichtverstehenwollen einer ganzen Generation dieser Mann ebenfalls ausgestattet war. Und mit welchem politisch-moralischen Impetus, der in religiöse Schwärmerei, schließlich gar in Entrücktheit mündete.

          Axel Springer war ein Macht-, aber wohl weniger ein Verstandesmensch - so der Kern der Äußerungen seiner Wegbegleiter, Beobachter und Kritiker. Nach seinem Besuch bei Chruschtschow, 1958, als Springer tatsächlich geglaubt hatte, er könne die Sowjets von ihrem Kurs abbringen, sprach der Verleger davon, „in die Fratze des Bösen“ gesehen zu haben. Die Dinge gingen „ihm ans Herz“, sagt Michael Jürgs. Doch wie nahe war Axel Springer den Menschen, denen er es hätte sein sollen? Auch darüber erfahren wir vieles, von Rosemarie Springer, seiner dritten, und Friede, seiner letzten Frau. Andeutungsweise wird vorstellbar, wie Springer der Selbstmord seines Sohnes Axel, der unter dem Namen Sven Simon als Fotograf arbeitete und sich 1980 im Alter von 39 Jahren das Leben nahm, aus der Bahn warf.

          “Der war nicht groß mit Lob“, sagt Peter Tamm, der langjährige Vorstandschef. Aber zum Schluss, bei seinem letzten Besuch, habe Springer es anders gehalten: „Meine Herren, ich habe Ihnen viel zu verdanken.“ Daran erinnert sich der alte Fahrensmann und wird seinerseits emotional: „Der größte Verleger aller Zeiten“ sei Springer gewesen. In einem einzigen Punkt sind die Filmemacher nachlässig: Dass Friede Springer das Imperium ihres Mannes für die Familie gegen andere Teilhaber zurückeroberte, erwähnen sie mit einem Satz. Dass sich Springers Enkel Axel Sven als Erbe ausgebootet fühlt, erwähnen sie gar nicht.

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