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Dokumentation „Machtfaktor Erde“ : Ground Zero des Klimawandels?

  • -Aktualisiert am

Der Gletscher schmilzt: Claus Kleber am Himalaja im Gespräch mit einem Geologen der Universität Kaschmir Bild: ZDF

Angela Andersen und Claus Kleber gehen dem „Machtfaktor Erde“ in einem rasanten Wechsel der Schauplätze auf den Grund. Dabei kommt manches zu kurz, aber nicht alles.

          „Wir Menschen lassen keinen Stein auf dem anderen“, heißt es zu Beginn von „Machtfaktor Erde“. Die zweiteilige Dokumentation von Claus Kleber und Angela Andersen läuft im Rahmen des Programmschwerpunkts „Burnout - Der erschöpfte Planet“ im ZDF. Im selben Tonfall geht es weiter: „Wir haben den Planeten umgegraben, zugebaut und ausgeweidet.“ Der Mensch erscheint nicht als Krone, sondern als rücksichtsloser Vernichter der Schöpfung.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit der Club of Rome 1972 erstmals von den „Grenzen des Wachstums“ sprach, scheint es manchen Zukunftsforschern nur noch eine Frage der Zeit, bis die Menschheit ihr Ende besiegelt und das der Erde gleich mit. Bevor es aber so weit komme, werde es erbitterte Kriege um Ressourcen geben. Die Frontlinien dieser Kriege findet Claus Kleber an den entlegensten Orten, zunächst im Himalaja zwischen China, Kaschmir und Indien. Das fortschreitende Abschmelzen der Gletscher in dieser Region könnte bald ein Ansteigen des Meeresspiegels in Bangladesh und damit eine Massenflucht von Hunderten Millionen Menschen auslösen, die auch zu militärischen Konflikten führen würde. An markigen Sätzen mangelt es Kleber nicht: „Bangladesch wird zum Ground Zero des Klimawandels“, heißt es etwa.

          Großes Interesse an einer schmelzenden Eisschicht

          Dass der Klimawandel allein menschengemacht und irreversibel ist, gilt dem Film als unumstößliche Prämisse und wird nicht hinterfragt. Natürlich dient die Dramatik nur dem Appell, den Umweltschutz ernst zu nehmen, und der Film zeigt tatsächlich erschreckende Folgen vom Raubbau des Menschen an der Natur und Brennpunkte, an denen es bereits gewaltsame Auseinandersetzungen gibt und größere sich andeuten. Aber bei dem Marathon zwischen den Krisenherden, den Kleber unternimmt, gerät die Darstellung der Umstände manchmal etwas kurz. Allein in den fünfundvierzig Minuten des ersten Teils werden in Kaschmir, Peru, am Amazonas, in Äthiopien und in der Inneren Mongolei ganz verschiedene Geschichten angerissen und die Schauplätze viel zu schnell wieder verlassen. Hier wünscht man sich die Ruhe einer Georg-Stefan-Troller-Reportage zurück, die eine Stunde lang an einem Ort verweilt und viele Stimmen zu einem Problem hört.

          Etwas besser wird dies mit dem zweiten Teil der Dokumentation, der sich mehr Zeit für das Thema der Bodenschätze im Nordpolarmeer nimmt, zu denen der Zugang bislang durch die arktische Eisschicht versperrt war. Angesichts ihrer Schmelze schielen mehrere Nationen auf Möglichkeiten, Erdgas und Erdöl aus der Tiefe zu fördern. Zwischen Kanada und Russland wird es dabei auch um unklare Territorialansprüche gehen.

          Die gefräßigste Heuschrecke ist China

          Tatsächlich baut Russland schon das erste von acht schwimmenden Atomkraftwerken, wie der Film beim Besuch einer riesigen Werft zeigt. Die mobile Energiequelle soll im Nordmeer dazu dienen, das Gerät zur Gasförderung mit Strom zu versorgen. Hier ist Klebers Kommentar profund, wenn er angesichts der unheimlichen Szenerie die „Ironie“ des immensen Energie- und Gefahrenaufwands zur Erschließung von noch mehr Energiequellen geißelt.

          Ihre Stärken zeigt die Dokumentation vor allem, wenn es um die Ausbeutung von Ressourcen in ärmeren Ländern durch reichere geht. In dieser Hinsicht sind die Grenzen des Wachstums oft rein politisch besiegelt: Wenn man sieht, wie etwa Äthiopien es auf seinem Boden Saudi-Arabien ermöglicht, eine gigantische Reisplantage anzulegen, von der die äthiopische Landbevölkerung in keiner Weise profitiert, sondern vertrieben wird, empfindet man die schreiende Ungerechtigkeit nach. Als gefräßigste Heuschrecke mit Futterstellen rund um den Globus entlarvt der Film ein ums andere Mal die Großmacht China.

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