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Folgen des Falls „Lovemobil“ : Inszenierungen muss man kenntlich machen

Im Schnee stand: Aufnahme aus dem Film „Lovemobil“ von Elke Lehrenkrauss. Bild: obs

Der Fall des inszenierten Doku-Films „Lovemobil“ wühlt die deutsche Dokumentarfilmszene auf. Ein Teilverband der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) legt eine Selbstverpflichtungserklärung vor. Sie hält fest, was erlaubt ist und was nicht.

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          Die Kontroverse um den Film „Lovemobil“ zeitigt in der deutschen Dokumentarfilmszene Folgen. Nach der Debatte der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) am Donnerstagabend über den in weiten Teilen nachinszenierten Film legte der Teilverband AG Dok Nord eine Selbstverpflichtungserklärung vor. In dieser heißt es, man verschreibe sich „ethischen Standards, die wir als zwingend für unsere Arbeit verstehen. Wahrhaftigkeit, Unabhängigkeit, Respekt und Sorgfalt im dokumentarischen, filmischen, oft auch journalistischen Arbeiten sind unser Anspruch. Die Glaubwürdigkeit des dokumentarischen Genres ist für uns dabei ein zentrales Qualitäts- und Unterscheidungsmerkmal.“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weiter heißt es in der Selbstverpflichtung, die Dokumentarfilmerinnen und - filmer mitunterzeichnen können: „Im Sinne der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit empfinden wir es als selbstverständlich, Inszenierungen von Spielszenen sowie fiktionale Elemente oder auch den Einsatz von Darstellern/-innen für unsere Zuschauer/-innen transparent und kenntlich zu machen.“

          „Mit unseren dokumentarischen Arbeiten leisten wir“, schließt die Erklärung, „gleich in welchem Medium - einen wesentlichen Beitrag zu einem lebendigen gesellschaftspolitischen Diskurs. Uns geht es um die Analyse der Hintergründe und Zusammenhänge komplexer sozialer und kultureller sowie politischer Entwicklungen. Wir wollen dazu beitragen, dass die Lebenswirklichkeit so vielfältig erfasst und abgebildet wird, wie sie ist. Das Dokumentarische ist für eine lebendige Demokratie essentiell und kann somit entscheidend zum Gelingen der Demokratie in unserem Land beitragen.“

          Der Norddeutsche Rundfunk hatte als mitproduzierender Sender die Inszenierungen in „Lovemobil“ bekannt gemacht und den Film gesperrt. Die Autorin Elke Lehrenkrauss hatte ihre Darstellungsmittel eingeräumt und sich dafür entschuldigt, diese nicht kenntlich gemacht zu haben. Den Deutschen Dokumentarfilmpreis, den sie im vergangenen Jahr erhalten hatte, gab die Regisseurin zurück, aus der Nominierung für den Grimme-Preis wurde der Film gestrichen.

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