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Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ : Du wirst deine Kinder nicht mehr sehen

Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger macht sich auf die letzte Reise zu seiner Tochter Bild: obs

Gut eine Million Kinder in Deutschland haben keinen Umgang mit einem Elternteil, weil es der andere nicht will. Wer glaubt, dass dies in unserem Rechtsstaat nicht möglich ist, wird in Wolfspergers Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ eines Besseren belehrt.

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          Harald Merker hat seine Töchter seit drei Jahren nicht gesehen. Franzjörg Krieg hat seit über zehn Jahren keinen Kontakt mehr. Und der Filmemacher Douglas Wolfsperger, der in seinem eigenen Film auftritt, kann seine Tochter ebenfalls nicht mehr sehen. Wer glaubt, dass dies in unserem Rechtsstaat nicht möglich ist, wird in Wolfspergers Dokumentarfilm "Der entsorgte Vater" eines Besseren belehrt: Es gibt hierzulande mehr als eine Million Kinder, die keinen Umgang mit ihren Vätern oder Müttern haben, weil der andere Elternteil dies nicht zulassen will oder weil sich ein Gericht gegen diesen Umgang ausgesprochen hat. Es handelt sich wohlgemerkt um Mütter und - vor allem - Väter, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Ohnmacht verspürt man, wenn man den Protagonisten des Films zuhört, die Sachen sagen wie: "Als das mit der Trennung war . . ., da hat mir meine Ex so richtig taff gesagt: Du wirst deine Kinder nicht mehr sehen. Du wirst unter einer Brücke schlafen und ich mach dich fertig." Der Film zeigt das ganze Elend dieser Väter, er zeigt aber auch, dass der Gesetzgeber nichts oder nicht genug unternimmt, um ihnen zu helfen.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass diese in Deutschland gängige Praxis keineswegs in Ordnung ist, hat inzwischen auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte formuliert. Straßburg hat die Bundesrepublik Ende des Jahres 2009 aufgefordert, die Benachteiligung lediger Väter bei der Vergabe des Sorgerechts aufzuheben. Momentan können sie das Sorgerecht für ihr Kind nur bekommen, wenn die Mutter zustimmt. Auch das Bundesverfassungsgericht hat im vergangenen Jahr eine Änderung dieser Praxis angemahnt. Daher wird nun eine Gesetzesänderung zur Gleichstellung lediger Väter in den Fachgremien des Bundestages beraten. Aber dass dabei viel Gutes für die Väter herauskommt, ist nicht abzusehen. Wer sich diesen Film anschaut, wird verstehen, warum es skandalös wäre, wenn die Justizministerin ihre ursprünglich einmal guten Ideen gegen die Opposition nicht durchsetzen könnte.

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