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Dokumentarfilm „Der Autobahnkrieg“ : Auf der Überholspur

Machen Sie einmal eine typische Handbewegung: Im „Autobahnkrieg“ kommt es auf jede Geste an. Bild: WDR

Der Dokumentarfilm „Der Autobahnkrieg“ zeigt, wie die Deutschen rasen. Frappierend ist die Ehrlichkeit, mit der die Fahrerinnen und Fahrer sich zu ihrer Lust am Tempo bekennen

          Reiner Holzemer und Thomas Schadt haben das schon einmal gemacht. Ihr Dokumentarfilm aus dem Jahr 1992 ist legendär. Der Titel sagt schon alles: „Der Autobahnkrieg“. Holzemer und Schadt berichteten von der Front, waren monatelang als Beifahrer unterwegs, hörten ihren Chauffeuren zu und zeigten, was sich auf deutschen Autobahnen tut - vom lockeren Selbstbekenntnis der Raser und Drängler bis zur Unfallstelle, an der die meisten glotzend vorbeifahren, aber nicht aussteigen, um zu helfen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Grund genug, den „Autobahnkrieg“ im Jahr 2013 noch einmal zu schildern. Und genau das machen Holzemer und Schadt, sie sind abermals in lebensgefährlicher Mission unterwegs und liefern zugleich ein Gesellschaftsbild und ein Psychogramm der Deutschen. „Der Deutsche ist ein Autofahrer“, hören wir. Und was für einer!

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Frappierend ist die Ehrlichkeit, mit der die Fahrerinnen und Fahrer sich zu ihrer Lust am Tempo bekennen - die Frauen haben im Vergleich zu 1992 in puncto Raserei aufgeholt -, und zu ihrer Unlust, sich an die Regeln zu halten. Man könnte sich den Zusammenschnitt der Monologe dieser Motoristen auch als Hörspiel vorstellen. Da jagt eine Pointe die andere: „Ich fahre zügig oder auch flott.“ „Mal bin ich ein flotter Fahrer, dann eher auf der ruhigen Seite. Ich habe eine gesunde Leck-mich-am-Arsch-Haltung.“ Ein von der Polizei erwischter Fahrer auf die Frage, warum er zu schnell war: „Ich muss wohin.“

          140, 160, 180, 200, 220

          Jeder muss wohin, jeder hat Termindruck. Doch dann gibt es diese „Penner“, die die linke Spur für ein „Ausflugsziel“ halten. Der Fahrer eines vierundzwanzig Jahre alten VW-Bus T3 Joker (“ich liebe ihn wie ein Kind“), fährt konstant neunzig und will ein Tempolimit von 130. Wenn, dann doch lieber 160 oder 180, sagt eine junge Frau, bei der Geschwindigkeit fahre es sich „ganz gemütlich“. Für andere ist erst bei 220 Schluss. Lerneffekt? Auf den dürfe man nicht hoffen, sagt der Autobahnpolizist, nur Strafen wirken. Das sagen auch die, die sie bekommen.

          Reizvoll ist der Vergleich von einst und jetzt, den wir im Ersten heute Abend leider noch nicht sehen. Denn da läuft die aktuelle Kurzfassung des „Autobahnkriegs“. Die Langfassung, der echte Dokumentarfilm, folgt in einer Woche im dritten SWR-Programm. Beide kommen allerdings zu spät, um das Publikum zu erreichen, das sie verdienen. Michael Hanfeld. Denn, wie gesagt: „Der Deutsche ist ein Autofahrer.“

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