https://www.faz.net/-gqz-7za05

Doku zu Dresden-Bombardement : Bis heute herrscht Streit

Bahnhof in Flammen: Eine Aufnahme aus der Bombennacht Bild: MDR/hans-joachim dietze

Eine Dokumentation im Ersten spürt den Ursachen und historischen Fakten der Luftangriffe auf Dresden nach. Die Augenzeugenberichte der Überlebenden sind bestürzend, doch es bleiben wichtige Fragen offen.

          „Mythos“ ist zum Modewort für deutsche Fernsehschaffende geworden. In den vergangenen Monaten waren Produktionen wie „Mythos Alphatier“ und „Mythos Erkältungsmedikamente“ zu sehen - und nun „Mythos Dresden“. Hier aber hat das Schlagwort eine andere Dringlichkeit. Der Dokumentarfilm von André Meier befasst sich mit den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Zerstörung keiner anderen deutschen Stadt wurde derart propagandistisch aufgeladen wie die der Elbmetropole durch britische und amerikanische Bomber. Auch heute noch werde „in Internetforen und auf Kundgebungen“ über Fakten und Interpretationen gestritten, heißt es in der Eingangssequenz. Sie zeigt Aufmärsche von Neonazis, die deutsche Schuld mit dem Hetzbegriff „Bombenholocaust“ negieren wollen. „Waren es Tausende oder Hunderttausende Tote?“, „War der Angriff der Briten und Amerikaner strategisch notwendig?“, fragt der Film dazu.

          Eindrückliches Protokoll der Zerstörung

          Dabei gibt es längst Antworten. 2004 hat die Stadt Dresden eine Historikerkommission einberufen. Sechs Jahre später stellte sie in ihrem Abschlussbericht fest, dass zwischen 18 000 und 25 000 Menschen ums Leben kamen. Die NS-Propaganda hatte Berichte von 200 000 Toten im Umlauf gebracht. In der DDR war von mehr als 45 000 die Rede, und Dresden wurde zum Symbol für die vermeintlich verbrecherische Kriegsführung der Westalliierten. Korrekte Zahlen zu nennen ist eine Aufgabe, die sich die Dokumentation gestellt hat. Die zweite und hauptsächliche ist, Historiker - unter ihnen Jörg Friedrich und Frederick Taylor - über die Motive der Angreifer, ihr Vorgehen und das, was sie am Boden auslösten, sprechen zu lassen.

          Hier der Plan, die Moral Nazideutschlands zu brechen und seine Kräfte zu binden, dort eine Bevölkerung, zu deren Schutz in den Kellern ausgediente Badewannen mit Wasser und Löschsand standen. Heute können fast nur noch Überlebende vom Feuersturm erzählen, die damals Kinder waren. Ihren Erinnerungen gehört der größte Teil der Dokumentation. Sie verdichten sich zu einem eindrücklichen Protokoll der Zerstörung, von Angriffswelle zu Angriffswelle. Lücken bleiben: Die Fragen, wie viele Flüchtlinge in der Stadt waren, welche Bedeutung der Bahnhof für den Nachschub an die Front hatte und ob Dresden wirklich eine Nazi-Hochburg war, beantwortet der Film nicht.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Ein Bild von Japans Ministerpräsident Abe wird während einer Demonstration in Südkorea verbrannt.

          Handelskonflikt mit Japan : Südkoreas Angst vor dem Fukushima-Wasser

          Seoul hat Angst vor atomar verseuchter Nahrung aus Fukushima. Deshalb gibt es für Südkoreas Sportler während der Olympischen Spiele in Tokio möglicherweise eine eigene Kantine. Der Konflikt zwischen den Ländern spitzt sich immer weiter zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.