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RBB-Doku über Dschihadismus : Blutrausch ist cool

Es geht ums Sichtbarwerden: Ein junger IS-Sympathisant in der Dokumentation „Dschihad in den Köpfen“ Bild: rbb

Was bewegt Menschen dazu, sich dem Terror der Islamisten anzuschließen? Der Film „Dschihad in den Köpfen“ zeichnet die Radikalisierung eines jungen deutschen Muslimen nach. Und zeigt zugleich, dass der Ausstieg möglich ist.

          2 Min.

          Auf die Frage, weshalb und wie aus unauffälligen Jugendlichen plötzlich islamistische Gotteskrieger werden, gibt es keine abschließenden Antworten. Auch nicht bei Gökhan C., der vor einem Jahr, er war 25 Jahre alt, in Syrien getötet wurde. Seine Mutter Filiz fragt ratlos zu Beginn der Dokumentation „Dschihad in den Köpfen“ von Sascha Adamek, Jo Goll, Torsten Mandalka und Ulrich Kraetzer, die das RBB-Fernsehen heute ausstrahlt, was denn aus ihrem einst fröhlichen Kind einen fanatischen Salafisten habe werden lassen. Und zum Ende der Dokumentation stellt sie, weiter hilflos, die rhetorische Frage: „Für was ist er gestorben?“ Wer den Blutrausch des IS verfolgt, antwortet darauf intuitiv: für einen Irrsinn und eine Ideologie, die Menschlichkeit ausblendet.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Gökhans Radikalisierung hatte sich in Schritten vollzogen, wie bei den meisten der mehr als 600 jungen Muslime, die sich in Syrien und im Irak dem „Islamischen Staat“ angeschlossen haben: Erst ging der Jugendliche, der ohne Vater aufwuchs und immer Außenseiter war, häufiger in eine Moschee; dann schloss er sich der „Lies-Kampagne“ des Hasspredigers Ibrahim Abu Nadschi an, der über die Koran-Verteilung viele spätere Syrien-Reisende radikalisiert hat; das führte ihn in die gewalttätige Salafistengruppe „Millatu Ibrahim“, die nach Krawallen verboten wurde; im Juli 2013 reiste Gökhan C. über die Türkei nach Syrien aus, wo er getötet wurde.

          Bei der Gruppe von Ibrahim Abu Nadschi habe ihr Sohn Zugehörigkeit und Halt gefunden, sagt die Mutter. Von ihr, die kein Kopftuch trägt, und die er zunehmend verachtete, weil sie als Friseurin auch Männern die Haare schneidet, wandte sich der Sohn ab. Die Abschottung erfolgt auch gegen alle anderen, ob Nichtmuslime oder Muslime. So sagt Ahmed Mansur von der Beratungsstelle Hayat in Berlin: „Wir haben es mit einer Jugendkultur zu tun. Es ist cool, sich von der Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen.“ Cool sei es, mit der Kleidung und Identität sichtbar zu werden; es sei eine Ideologie von Gut und Böse.

          Ein mulmiges Gefühl

          In diesen Sog lassen sich auch Konvertiten ziehen. So lässt die Dokumentation Harry M. zu Wort kommen, der vermummt erklärt, dass die Demokratie ein „System des Unglaubens“ sei, und dass der Prophet gesagt habe, vor dem Töten eines Menschen sei das Messer zu schärfen. „Das Abschneiden des Kopfes mit einem stumpfen Messer ist Folter.“ Die Dokumentation ist bedrückend. Sie lässt erahnen, was noch auf uns zukommen wird. Mehr als zweihundert Dschihadisten sind schon nach Deutschland zurückgekehrt, sie sind eine Gefahr für die innere Sicherheit. Der Transit führt über die Türkei. Interviewte Dschihadisten belegen den Vorwurf an die Türkei, dass sie das Treiben zulasse und diesen Transit nach Syrien sogar unterstütze.

          Die Dokumentation gibt aber auch Hoffnung, etwa wenn die Aussteigerin „Steffi“ erzählt, wie sie erst zur Salafistenszene hingezogen wurde, sich dann von dieser aber wieder lossagte. Zu Wort kommen vernünftige Prediger und integrierte Muslime, die schockiert sind von der Gewalt im Namen ihrer Religion und die den IS ohne Abstriche verurteilen. Dennoch kommt die Dokumentation zu dem Ergebnis, dass sich der Dschihad immer mehr in den Köpfen junger Muslime festsetzt und dass ihre Zahl wächst. Die Sorgen in unserer Gesellschaft sind berechtigt.

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