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Oh, wie schlimm ist Myanmar : Sie missionieren mit Buddha und Schwert

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Eine Arte-Dokumentation zeichnet ein ernüchterndes Bild von der Religionsgemeinschaft in Burma. Regierungschefin Aung San Suu Kyi scheut bislang die Auseinandersetzung mit Extremisten. Bild: AP

Arte zeigt eine kenntnisreiche Dokumentation über die Gesellschaft von Myanmar und die Macht der buddhistischen Mönche, die dort ein Abbild der politischen Strömungen darstellen.

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          Der Ausgang ist offen. Die noch junge, ungefestigte Demokratie im Vielvölkerstaat Myanmar hat mit der Friedensnobelpreisträgerin und Regierungschefin Aung San Suu Kyi zwar eine starke Fürsprecherin, aber die Macht der alten Militärjunta ist ebenfalls auf Dauer gestellt – allein ein Viertel aller Parlamentsmandate müssen an Militärangehörige gehen. Dann wäre da noch der außer Kontrolle geratene Nationalismus im Land, der sich in erster Linie als glühende Islamophobie manifestiert und gewaltsam an der muslimischen Minderheit abreagiert.

          Dass die etwa fünfhunderttausend buddhistischen Mönche in der Gesellschaft von Myanmar eine besondere Rolle spielen, wurde spätestens mit der sogenannten Safran-Revolution im Jahre 2007 deutlich, als die (eigentlich rot gekleideten) Geistlichen massenhaft gegen die Militärdiktatur auf die Straße gingen. Dass diese Mönche trotz ihres einheitlichen Erscheinungsbilds keineswegs eine Einheit bilden, sondern ein genaues Abbild der politischen Strömungen darstellen, das führt dieser faszinierende Film von Joël Curtz und Benoit Grimont kenntnisreich vor Augen.

          Birma, Burma oder Myanmar

          Während viele Länderfeatures heute bessere Reisemagazine sind – in Asien sieht man dann meist geschmückte Tuktuks, Suppenküchen, Nähereien und Neureiche in teuren Autos –, gelingt es der knapp einstündigen, klug aufgebauten Dokumentation aus Frankreich, das opake Land am Golf von Bengalen, dessen Name allein schon Verwirrung stiftet – Birma, Burma, Myanmar – in einer Tiefe zu porträtieren, dass man seine gegenwärtige, hochexplosive Situation tatsächlich zu begreifen beginnt.

          Die Filmemacher begleiten drei sehr unterschiedliche Mönche und gestatten uns auf diese Weise Einblicke ins gesellschaftliche Innenleben des 1948 von der Kolonialmacht Großbritannien unabhängig gewordenen, bitterarmen Landes, das von 1962 bis 2016 unter Militärherrschaft stand. Da ist der Intellektuelle U Thaw Bita, der als Volkserzieher agiert und mit wohlgesetzten Worten für Aung San Suu Kyi wirbt. Für ihn sind Demokratie und Buddhismus zwei Seiten derselben Medaille, weshalb er sich wie viele seiner Mitbrüder auch handfest engagiert, etwa für die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Armen im Land. Er ist das Idealbild eines buddhistischen Mönches, wie es im Westen gern glorifiziert wird, auch wenn Thaw Bita durchaus mit der Zeit geht und soziale Netzwerke als Multiplikatoren für seine Botschaften nutzt.

          Mit Bonbons in Tempel gelockt

          Daneben gibt es auch Mönche wie U War Lay, der zwar ebenfalls viel Gutes bewirkt, indem er sich in einem abgelegenen Dorf für die Bildung der Kinder einsetzt, aber das stets im Rahmen der übergeordneten Aufgabe der Missionierung. Hier soll mit ideologischer Rückendeckung durch die Militärs, die auf „Birmanisierung“ des großen Völkergemischs setzen, eine mehrheitlich christliche Minderheit dem Buddhismus zugeführt werden. War Lay lockt die Kinder mit Bonbons in den Tempel und organisiert zeremonielle Übertritte, die im Buddhismus eigentlich gar nicht vorgesehen sind. Ob dies letztlich dem Frieden dient, wie er und sein Meister behaupten, ist zumindest noch diskutabel.

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          Bedrückenderweise aber ist eine weitere Form von Mönchen auf dem Vormarsch, Hassprediger der reinsten Sorte, die man angesichts der friedliebenden Lehre Buddhas als Abtrünnige betrachten mag, die aber großen Rückhalt in der Bevölkerung besitzen. Ein Beispiel dafür ist der offen rassistisch argumentierende, ja schreiend aufhetzende U Thu Sait Tha, der den wohlbekannten Schwachsinn einer Überfremdung durch muslimische Einwandererhorden von sich gibt und damit die (immer schon) im Grenzgebiet zu Bangladesch lebenden Rohingya meint, die bereits seit Jahren so sehr Vertreibung, Folter, Rechtlosigkeit, systematischer Vergewaltigung und Ermordung ausgesetzt sind, dass immer mehr Beobachter von einem Völkermord sprechen und die Vereinten Nationen zum Eingreifen auffordern. An den Ausschreitungen und Massakern sind längst auch buddhistische Mönche beteiligt, nicht nur das Militär.

          Man kann förmlich sehen, wie das Gift einsickert in die Gesellschaft, wenn offensichtlich einfache Burmesen auf einer Veranstaltung der religiösen Ultranationalisten Ma Ba Tha zu einem niederträchtigen Lied über Muslime tanzen, während Thu Sait Tha sich sogar von Buddhas Grundsatz lossagt, Mönche dürften nicht töten. Es ist eben keine Religion gefeit gegen ihre Perversion, kein Volk gegen die hässlichste Form des Egoismus. Es gilt, das zeigt dieser Film, Aung San Suu Kyi, die machtbewusste „Lady“, die bislang die Auseinandersetzung mit den Nationalisten scheut, in die Pflicht zu nehmen und ihr zugleich den Rücken zu stärken.

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