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ZDF-Doku über Migration : Die andere Perspektive

  • -Aktualisiert am

Ghana gilt zwar als eines der fortgeschrittensten Länder Afrikas, dennoch träumen viele Ghanaer von einem Leben in Europa. Bild: EPA

Eine Doku im ZDF beleuchtet die Hintergründe der globalen Migration – und damit den brutalen Kontrast zwischen Hoffnung und Realität. Der Film zeigt das größte Problem der Einwanderung: falsche Vorstellungen auf beiden Seiten.

          2 Min.

          Unsere Welt wird von Bildern geprägt. Sie bilden unser Bewusstsein und damit unsere Weltsicht. Das gilt nicht zuletzt für die Migration, über die Befürworter und Gegner jeden Tag aufs Neue genügend Anschauungsmaterial finden. Die einen verweisen auf das Elend im Mittelmeer, die anderen auf die Zustände im Görlitzer Park in Berlin. Das Fernsehen ist für diese Logik schon immer besonders anfällig gewesen, hat aber in der Beziehung sein Alleinstellungsmerkmal verloren. In den sozialen Netzwerken finden sich sogar die Bilder, die das Fernsehen nie gezeigt hätte. Trotzdem bietet es bisweilen noch sehenswerte journalistische Formate. Dazu gehört die Dokumentation „Migration – Das große Missverständnis“ von Rainer Fromm.

          Es geht darin um die Hintergründe jener globalen Wanderung, die in den Fernsehbildern ansonsten keine Rolle spielen. Fromm macht vielmehr deutlich, welche Wirkung etwa die Bilder in den Köpfen von Afrikanern über die Verhältnisse in Europa entfalten. Viele betrachten den alten Kontinent als ein Traumland, als jenes „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, das wir Europäer einst in Amerika sahen. Fromm kontrastiert das mit der tristen Realität der etwa im Görlitzer Park angekommenen Afrikaner. Aus Hoffnungen wurde ein Leben am Rand der Gesellschaft.

          Das allein macht aber nicht die Qualität dieser Dokumentation aus. Sie kontrastiert zugleich unsere Klischees mit der Wirklichkeit. Fromm schildert das Migrationsthema aus der Sicht eines modernen Afrikas, das längst nicht mehr dem entspricht, was sich denkfaule Linke und Rechte darunter vorstellen. Beide reproduzieren den historischen Kolonialismus, der sich Afrika nur als Objekt vorstellen konnte. Stattdessen schildert Fromm die Migration aus der Sicht handelnder Akteure in Afrika.

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          Als Ausgangspunkt dient Ghana. Der westafrikanische Staat ist zwar eine ökonomische und politische Erfolgsgeschichte, trotzdem suchen viele junge Ghanaer ihr Glück in Europa. Wie geht das Land damit um? Fromm lässt die zu Wort kommen, die sich täglich mit diesem Widerspruch auseinandersetzen müssen. Was der Migrationsforscher Joseph Kofi Teye oder der in München ausgebildete Chirurg Prince Kwakye Afriyie zu sagen haben, entspricht aber sicherlich nicht den Erwartungen des durchschnittlichen Fernsehzuschauers.

          Dort spricht das selbstbewusste Ghana, das mit der paternalistischen Fürsorge früherer Kolonialisten und heutiger Anti-Kolonialisten nichts mehr anzufangen weiß. „Welches Recht“, so fragt Afriyie, „haben wir zu sagen: Weil wir den Sklavenhandel hatten, sind wir arm?“ Und Teye kritisiert die europäischen Medien für ihre Berichterstattung: nämlich aus jedem Migranten einen Flüchtling zu machen. Mancher Zuschauer wird sich bei solchen Aussagen verwundert die Augen reiben.

          Fromm verschweigt dabei nicht die Probleme dieses Kontinents, der zwar längst nicht mehr als monolithischer Block anzusehen ist. Wo aber in vielen Staaten weiterhin das Bevölkerungswachstum jeden ökonomischen Fortschritt aufzufressen droht. Interessant wird es zudem dort, wo die Realisten aus Ghana der Ratlosigkeit der Europäer gegenübergestellt werden. Deren Position beschreibt Fromm als einen Kontinent zwischen „Ohnmacht und Hilfsbereitschaft“. Es haben eben nicht nur Migranten in anderen Teilen der Welt ihre Bilder über Europa in den Köpfen: Unsere über Afrika sind genauso klischeebeladen. Dem hat Rainer Fromm einen sehenswerten Beitrag zur Aufklärung gegenübergestellt. Mehr können wir Zuschauer in fünfundvierzig Minuten nicht erwarten.

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