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DLF Nova kippt Medienpodcast : Was von Belang

  • -Aktualisiert am

Es war einmal, zumindest im Radio: das Logo von „Was mit Medien“. Bild: Deutschlandfunk Nova

Nichts gegen Achtsamkeit, aber den Podcast „Was mit Medien“ zu streichen, um sich stattdessen um Mindfulness im Alltag zu kümmern, ist nicht die beste Idee, die man bei Deutschlandfunk Nova je hatte.

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          Medienmagazine, heißt es immer wieder gerne, seien doch bloß Orte eitler Nabelschau von Journalisten oder Publikationsplätze für hämische Kollegenschelte. Dass dem nicht so ist, hat der Podcast „Was mit Medien“ bei Deutschlandfunk Nova immer wieder gezeigt: Donnerstags von zwanzig bis 21 Uhr knöpften sich dort Daniel Fiene und „Herr“ Sebastian Pähler Themen vor, die gesellschaftlich und politisch von allgemeinem Belang sind: Zuletzt etwa ging es um Debatten über die Teilnehmerzahlen von Corona-Demos, die Frage nach einer angemessenen Berichterstattung über den Verschwörungstheorien-Hochkocher Attila Hildmann, den Unterschied zwischen Journalismus und Aktivismus, Sinn und Unsinn von Sommerinterviews mit Politikern und den Fall Deniz Yücel.

          Das war intelligentes Infotainment mit aufklärerischem Anspruch, keine selbstverliebte Egonummer, und behielt im Blick: Medienkritik und Medienkompetenz sind für Demokratien im Digitalzeitalter, in dem traditionelle Medienhäuser, soziale Medien und ein jeder, der online Reichweite macht, einen News-Buzz erzeugen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, so notwendig wie nie zuvor.

          Trotzdem muss „Was mit Medien“ seinen Sendeplatz räumen. Auf den zieht der neue Podcast „Achtsamkeit“, in dem Main Huong Nguyen und Diane Hielscher Tipps für mehr Mindfulness im Alltag geben. Zugegeben, Wellness und Selfcare sind Megatrends, und wenn in Deutschland weniger Leute Podcasts hören als in anderen Ländern, wie in „Was mit Medien“ jüngst zu erfahren war, will Deutschlandfunk Nova vielleicht mit „Achtsamkeit“ genau daran etwas ändern.

          Nabelschau soll die fernöstlich-spirituell überhauchte, kommerziell bestens aufgestellte Wohlfühlkultur, die man beim Yoga-Kurs, „Clean Eating“ oder mit Meditations-App üben kann, natürlich bestenfalls auch nicht sein, sondern ein die Seele gesund erhaltendes Antidot – zum Beispiel zu dem Buzz, vom dem wir oben geschrieben haben. In den neuen Podcast reinzuhören könnte sich also lohnen. Wer sich trotzdem weiterhin Anregungen, vielleicht sogar auch Aufregungen aus der Medienwelt holen will, kann Fiene und Pähler in die Unabhängigkeit folgen: Auf wasmitmedien.de geht es weiter, ohne Radio.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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