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Suchmaschine Discovery : Wikimedia will es wissen

Die Wikimedia-Stiftung will mithilfe ihres neuen Projektes, „Wikimedia Discovery“, herausfinden, wie sich Wikipedia-Inhalte besser suchen und finden lassen. Bild: dpa

Baut die Wikimedia-Stiftung eine eigene Suchmaschine? Diese Frage stiftete in der vergangenen Woche Verwirrung in der Netzgemeinschaft.

          3 Min.

          Zumindest dieses Geheimnis ist gelüftet: Die Wikimedia Stiftung – die Organisation hinter Wikipedia und anderen Wiki-Projekten – arbeitet offiziell an der Verfeinerung ihrer Suchmechanismen. Nur das Warum, das Wie und der Name des Projekts sorgen seit Dienstag für Verwirrung. Das Vorhaben kursierte hausintern lange unter dem Namen „Knowledge Engine“, die Wissensmaschine. Jetzt firmiert sie unter dem Namen „Discovery“, Entdeckung. In den nächsten sechs Jahren soll das Projekt in vier Stufen namens „Discovery“, „Advisory“ (Beratung), „Community“ (Gemeinschaft) und „Extension“ (Erweiterung) entwickelt werden. Die geschätzten Kosten für das Projekt belaufen sich bisher auf 2,5 Millionen Dollar. Das gelte aber nur, sagt die Wikimedia-Sprecherin Samantha Lien, bis die nächsten Schritte beschlossen seien. Es heißt, insgesamt soll die Entwicklung fünfmal so viel kosten.

          Axel Weidemann
          (wei), Feuilleton

          Welches Ziel Wikimedia mit diesem Projekt verfolgt, blieb zunächst unklar. Konkurrenz für Google, Bing und Co? So vermutete das Magazin „Newsweek“ und titelte: „Wikipedia greift Google mit ‚transparenter‘ Suchmaschine an.“ Auf einer Fragen-Seite des Wikimedia-Discovery-Teams heißt es jedoch: „Wir bauen keine universelle Suchmaschine, um Google zu ersetzen.“ Und auch Samantha Lien, stellt klar: „Wir bauen keine Suchmaschine.“

          Stattdessen soll die Infrastruktur des aktuell genutzten eigenen Suchsystems Cirrus Search verbessert werden: durch mehrsprachige Suchoptionen und das Einbinden neuer Datenquellen etwa. Zu Letzteren sollen auch Daten aus dem Projekt Open Street Map zählen, die schon in Wikivoyage Anwendung finden. Man denke zudem über die Nutzung frei zugänglicher Daten von Statistikämtern, Bibliotheken und Museen nach. Doch darüber soll die Wikimedia-Community entscheiden.

          Streit mit der Community

          Die hat schon über das Projekt gestritten: Mitte September erhielt die Wikimedia-Stiftung von der „John S. and James L. Knight Foundation“ eine zweckgebundene Spende von 250.000 Dollar für ein Suchmaschinen-Projekt. Kaum jemand wusste Genaueres. Die Community war sauer über die Intransparenz bei Wikimedia – einer Stiftung, die sich doch auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen weltweit freien Zugang zu Informationen zu verschaffen. Erst knapp fünf Monate nach Eingang der Spende entschloss sich die Wikimedia-Geschäftsführerin Lila Tretikov, Details offenzulegen.

          In den nun publizierten Unterlagen der Knight-Stiftung heißt es, sie spende, um neue Modelle zur Informationsfindung voranzutreiben, um das Anfangsstadium der „Knowledge Engine“ von Wikipedia zu unterstützen, ein System, das helfen soll, „verlässliche und vertrauenswürdige öffentliche Informationen zu finden“. Heute dominierten kommerzielle Suchmaschinen die Internetsuche. „Ihre Algorithmen verschleiern den Weg, wie Informationen im Internet gesammelt und angezeigt werden.“ Der Informationsberg, den Wikimedia mit Hilfe seiner Nutzer aufgeschüttet hat, ist riesig.

          Allein die freie Enzyklopädie zählt derzeit rund 37 Millionen Artikel in mehr als 280 Sprachen. Da drängt sich die Frage auf, wie man diese Masse effektiv durchsuchen kann. Obgleich die Artikel bei Anfragen auf kommerziellen Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo oder Baidu nicht ins Hintertreffen geraten, sind die Pfade, die Nutzer zu den Wikimedia-Inhalten führen, durch die Algorithmen der Suchmaschinen-Anbieter vorgegeben – und jenseits des Einflusses von Wikimedia.

          Wie erleichtert man die Suche?

          Ein Ziel von deren Suchmaschinenentwickler ist es daher, folgendes Szenario zu umgehen: Der Nutzer sucht beispielsweise bei Google, findet den Wikipedia-Link, überfliegt ihn und verschwindet wieder. Nur um abermals mit Hilfe kommerzieller Suchmaschinen weitere Wiki-Artikel zu suchen, weil er sie mit der Wiki-Suche nicht finden kann.

          Das „Discovery“-Team will zusammen mit den Nutzern zunächst vor allem jene Daten identifizieren, die schwer zu finden sind, um sie in Suchanfragen und Artikeln geschickter zu positionieren. Wer etwa bei Wikipedia „Ondes Martenot“ eingibt, könnte, statt direkt zum Artikel des Musikinstrumentes weitergeleitet zu werden, zunächst zu einer Übersicht geführt werden, die alle Artikel enthält, die mit dem Ondes Martenot zusammenhängen: Erfinder, Musiker, Werke. Damit es keinen neuen Unmut in der Community gibt, versichern die Entwickler, das Projekt bleibe Open Source: „Der gesamte Code wird öffentlich zugänglich sein.“

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