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Digitales Radio : Auf alten Radiofrequenzen herrscht dann Funkstille

  • -Aktualisiert am

Klare Linien, klarer Empfang, selbstverständlich auf UKW, heute ein Fall fürs Museum: Ein Blaupunktradio in einem Porsche 356 Coupé von 1950. Bild: dpa

In Deutschland wird über digitales Radio ewig gestritten. In der Schweiz gibt es hingegen schon einen Abschalttermin für UKW. Der Grund ist einfach.

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          Im internationalen Vergleich nimmt die Schweiz bei der Umstellung auf DAB+ eine führende Position ein: Die DAB+-Abdeckung liegt praktisch bei hundert Prozent, Digitalradio ist also fast überall zu hören. Nahezu alle UKW-Radioprogramme, auch jene der privaten Stationen, werden zusätzlich über DAB+ verbreitet, insgesamt rund hundert Programme, je nach Standort unterschiedlich viele. Private Radioveranstalter können ihr Angebot dank DAB+ jetzt auch über ganze Sprachräume hinweg verbreiten, in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Außerdem stehen regionale und lokale Netze zur Verfügung, die besonders für kleine nichtkommerzielle UKW- und Internetprogramme attraktiv sind. Bislang hat der Handel über 2,5 Millionen Geräte verkauft. Rund ein Viertel der Radiohörer in der Schweiz nutzt heute DAB+, zu Hause sind es 24 Prozent, am Arbeitsplatz 27 Prozent und im Auto 19 Prozent.

          Zugegeben, vor ein paar Jahren hatten wir in der Schweiz ebenfalls eine Diskussion um die Zukunft des Radios. Mit vielen Fragen und Argumenten, die in den vergangenen Wochen in dieser Zeitung zu lesen waren, hat sich die Radiobranche damals auch auseinandergesetzt. Doch mittlerweile sind die Weichen ganz klar auf DAB+ gestellt. Die Vorteile der digitalen Technologie haben nicht nur die Radioveranstalter überzeugt: Mit DAB+ kommt eine qualitativ bessere, umweltfreundlichere und zukunftsfähigere Broadcast-Technologie - zu wesentlich niedrigeren Kosten.

          UKW kann nicht mithalten

          Der analoge UKW-Standard kann mit der digitalen Verbreitungstechnologie in mehrfacher Hinsicht nicht mithalten. DAB+, das die Hörer über Antenne empfangen können, überzeugt mit einem stabilen, störungsfreien Empfang in hoher Klangqualität. Ton, Text und Bild lassen sich digital einfach verknüpfen und ermöglichen zum Beispiel die Verbreitung von CD-Covern oder lokal angepassten Verkehrsmeldungen mit Sprachausgabe für Autofahrer. DAB+ ist einfach zu bedienen und erlaubt auch Aufnahmen und Zurückspulen.

          UKW hat die Kapazitätsgrenze längst erreicht. Seit Jahren sind die knappen UKW-Frequenzen belegt, neue Radioanbieter hatten kaum eine Chance auf Markteintritt. DAB+ hingegen kann auf einer Frequenz bis zu zwanzig Programme kristallklar senden. Damit macht die digitale Technologie den Weg frei für mehr Programmangebote und mehr inhaltliche Vielfalt - ein wesentliches Ziel der Schweizer Medienpolitik. Im Vergleich zu DAB+ braucht UKW in der bergigen Schweiz gut dreimal so viele Sendeanlagen, Unterhalt und Betrieb verursachen hohe Kosten. Alle bestehenden UKW-Sender verbrauchen etwa so viel Strom wie die Stadt Lugano. Durch den Verzicht auf UKW-Sendeanlagen wird das gebührenfinanzierte Medienunternehmen SRG allein mehrere Millionen Euro jährlich einsparen. Weniger Sender reduzieren auch die elektromagnetische Strahlung; die Kritiker von Mobilfunk- und Sendemasten wird es freuen.

          Autoradios spielen eine große Rolle

          Für die Akzeptanz von DAB+ spielen Autoradios eine große Rolle: Drei von vier Autofahrern schalten ihr Empfangsgerät an. Mittlerweile gehört in rund 65 Prozent aller Schweizer Neuwagen DAB+ zur Grundausstattung. Das Schweizer Straßennetz ist nahezu vollständig mit Digitalradio versorgt. Bis 2018 will der Bund rund zweihundert Nationalstraßentunnel nachrüsten, um DAB+-Programme für Verkehrs- und Sicherheitsmeldungen unterbrechen zu können.

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