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Digitales Radio : Schluss mit Digital Audio Broadcasting?

Kein warmer Empfang: An einem Counter auf der Messe IFA ist das Logo von DAB+ zu sehen. Bild: dpa

Seit Jahren wird in Deutschland erbittert um die Verbreitung von Radio via DAB+ gestritten. Nun setzt Niedersachsens Landtag ein politisches Zeichen.

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          Der Niedersächsische Landtag hat in der vergangenen Woche einen Beschluss gefasst, der ein rundfunkpolitisches Zeichen setzt: Das Digitalradio DAB+ soll nicht weiter öffentlich finanziert werden. 92 Prozent der Radiohörer in Deutschland empfingen UKW, nur etwa zehn Prozent nutzten DAB+. Das Digitalradio habe sich im Laufe von zwanzig Jahren nicht durchsetzen können, gleichwohl gebe der öffentlich-rechtliche Rundfunk viel Geld dafür aus, heißt es in dem von der FDP-Fraktion eingebrachten Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Die Landesregierung solle sich daher für eine Beendigung von DAB+, gegen einen Abschaltzeitpunkt von UKW und für „zukunftsoffene Technologien“ einsetzen – womit das Internetradio und der Mobilfunkstandard 5G gemeint sind.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der Sache kann die niedersächsische Landesregierung zwar allein nichts bewirken, aber sie kann auf eine Weichenstellung dringen, um die jahrelang gekämpft wurde. Die ARD-Sender, allen voran das Deutschlandradio, setzen sich für DAB+ ein. Sie erhalten aus dem Rundfunkbeitrag dreistellige Millionenbeträge für den sogenannten Simulcast-Betrieb, in dem Kanäle für eine Übergangszeit sowohl auf UKW wie auf DAB+ senden. Die Privatsender waren aus Kostengründen mehrheitlich gegen die Umstellung. Gegen diese sprachen sie sich auch mit dem Argument aus, das Internetradiomacher unterschreiben: DAB+ sei schon überholt, die Zukunft des Radios liege im Netz.

          „ Sache aller Bundesländer oder von ganz Europa“

          Carsten Zorger, Leiter der Gemeinschaftsinitiative „Digitalradio Büro Deutschland“, gab sich im Deutschlandradio (das zu der Initiative gehört) unbeeindruckt: Der Landtag von Niedersachsen könne nicht das Ende des Digitalradios beschließen. DAB+ sei „die Sache aller Bundesländer oder von ganz Europa. Es gibt 75 Millionen DAB-Geräte weltweit. Davon zwölf Millionen in Deutschland. Es gibt eine Digitalradio-Pflicht für Autos ab 2021.“ Der Privatsenderverband Vaunet, seit jeher in Opposition zu DAB+, wertet die Entscheidung aus Niedersachsen hingegen positiv. Sie werde „über die Landesgrenzen hinaus Wirkung haben“, sagte Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio bei Vaunet und Geschäftsführer von Radio Regenbogen. Das Digitalradio habe sich nicht durchgesetzt, die Privatsender müssten enorme Summen aufbringen. Anders als die ARD, die für DAB+ in den Jahren 2017 bis 2025 rund sechshundert Millionen Euro aus dem Rundfunkbeitrag erhalte, müssten die Privatradios ihre Investitionen aus Werbeerlösen finanzieren. Das sei „nicht zu stemmen“. Digitales Radio müsse heute individualisierbar, an den Adressaten gerichtet und interaktiv sein – all dies sei DAB+ nicht. Setze die Politik weiterhin darauf, verspiele sie die Zukunft des Radios.

          Peter Lepper, Geschäftsführer des Unternehmens Technisat Digital, das Digitalradios anbietet, wiederum führt in einem offenen Brief an die FDP-Fraktion in Niedersachsen aus, DAB+ habe sich sehr wohl durchgesetzt. Es sei in Deutschland flächendeckend vorhanden, es seien mehr als zehn Prozent der Hörer, die DAB+ inzwischen nutzten. Bis der Mobilfunkstandard 5G einsatzfähig sei, dauere es Jahre, das Internet sei eine Ergänzung, aber nicht die Basis der Radioübertragung. Die FDP setze mit ihrem Antrag nicht auf Radiovielfalt, sondern auf den Schutz großer Privatradiosender vor dem Wettbewerb.

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