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Digitale Souveränität : Wer unsere Daten anzapft, soll dafür zahlen

  • -Aktualisiert am

Daten sind der Treibstoff des Internets – zahlen wollen die größten Nutznießer aber nicht dafür. Bild: Reuters

Wer Facebook oder Whatsapp nutzt, zahlt mit Daten. Sie sind der Sprit des Internets. Doch was sind sie wert? Könnten wir sie behalten? Hier wäre ein Instrument hilfreich: das Verbot von Kopplungsgeschäften.

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          Das Kapital von Online-Diensten wie Facebook sind Daten. Sie werden ausgewertet, vermarktet und auf vielfältige Weise genutzt. Die Daten in Messenger-Diensten und in sozialen Netzwerken geben Auskunft über die Persönlichkeit der Nutzer. Wenn man so will, ist deren Persönlichkeit das eigentliche Kapital der Dienste. Hier kommt eine beträchtliche Summe zusammen. Als Facebook im Februar 2014 den Messenger-Dienst Whatsapp kaufte, wurde so wenig Umsatz erzielt, dass die Kartellbehörden diese Übernahme nicht prüfen mussten. Trotzdem war Facebook das von 450 Millionen Menschen verwendete Datenunternehmen neunzehn Milliarden Dollar wert; jeder Nutzer also gut 42 Dollar. Als Gegenleistung erhält man die Möglichkeit, den Dienst zu nutzen.

          Facebook ist kostenlos, und dennoch hat das Unternehmen einen Börsenwert von mehr als zweihundert Milliarden Dollar. Wie lassen sich die Nutzung des Dienstes und der Dateneinsatz seiner Abonnenten in ein Verhältnis bringen? Das ist bei Facebook schwieriger zu sagen als bei bezahlten Angeboten. Da wären etwa Musikstreaming-Dienste. Für deren Inanspruchnahme zahlt man im Monat etwa so viel, wie früher eine LP kostete. Dafür hat man per Handy für die Zeit, in der man den Dienst gebucht hat, werbefreien Zugriff auf fast alles, was der Musikmarkt bietet. Zugleich machen die Dienste Musikvorschläge für jede Stimmungslage. Es gibt Vorschläge für Herzschmerz, Stressabbau, aber auch eine Shop-Til-You-Drop-Playlist.

          Präventiver Datenschutz

          Das ist auf der einen Seite ein Mehrwert, weil es für jede Stimmung die passende Musik gibt. Zugleich vertraut man dem Dienst persönliche Informationen an. Er kann daraus Profile erstellen. Die Informationen sind nicht wertlos. Warum sollten sich Dienste sonst das Recht einräumen lassen, Standortangaben und „musikalische Vorlieben, Einstellungen und technische Daten“ an Dritte weiterzuleiten? Verbunden mit Angaben über den Aufenthaltsort, sind musikalische Vorlieben für die Werbewirtschaft interessant, die ja auch in Kaufhäusern mit Musik Einfluss auf Konsumverhalten nimmt. Dies vermag den günstigen Preis von Musikstreaming-Diensten zu erklären. Der Nutzer zahlt immer auch mit personenbezogenen Daten.

          Der Wert dieser Daten ist vielen nicht bewusst. Man hat bei der Verwendung von Internetdiensten in der Regel aber auch keine Wahl, ob man in die Nutzung der Daten einwilligt. Zwar hat das Bundesverfassungsgericht aus dem Grundgesetz das Recht auf informationelle Selbstbestimmung entwickelt. Danach soll jedermann selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten bestimmen können. Dieses Datenschutz-Grundrecht läuft jedoch im Internet durch die vielen Kostenlosangebote leer. Die Verbraucher können über ihre Daten faktisch nicht mehr bestimmen. Wer Facebook oder Whatsapp verwendet, willigt in die Datenverarbeitung ein, nimmt das aber bei der Nutzung nicht mehr wahr.

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