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Dieter Nuhr : Strafanzeige wegen Islambeleidigung

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Dieter Nuhr bei der Verleihung des „Jacob-Grimm-Preises Deutsche Sprache“ am 18. Oktober 2014 in Kassel Bild: dpa

Erhat Toka, ein Osnabrücker Bürger türkischer Herkunft, hat den Kabarettisten Dieter Nuhr wegen „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ angezeigt. Der kontert, er werde von Islamisten als Hassprediger verunglimpft.

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          Vor wenigen Tagen erst, am 18. Oktober, ist der Kabarettist Dieter Nuhr in Kassel mit dem „Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache“ ausgezeichnet worden: Er mache „intelligentes Kabarett“, lautete die Begründung der Jury, zudem rege er sein Publikum an, über die Wirkung von Sprache nachzudenken.

          Offenbar seit längerem über die Wirkung von Nuhrs Sprache nachgedacht hat ein Osnabrücker Bürger und ihn deshalb jetzt wegen „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ angezeigt. Der Osnabrücker Bürger heißt Erhat Toka, ist Deutscher mit türkischen Wurzeln und hat vor drei Jahren, wenngleich ohne Erfolg, bei der niedersächsischen Kommunalwahl für eine muslimische Partei kandidiert.

          Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) widmet sich dem Fall ausführlich. Sie zitiert Erhat Toka mit den Worten, wenn sich jemand über den Islam lustig mache, „habe ich nichts dagegen“. Nuhr hingegen betreibe unter dem Deckmantel der Satire eine „blöde, dumme Hetze“ gegen eine gesellschaftliche Minderheit. Er verweist auf ein Youtube-Video mit einigen Passagen aus einem Auftritt des Kabarettisten.

          Gegenüber der NOZ bestätigte ein Polizeispracher den Eingang der Anzeige. Laut Strafgesetzbuch kann eine bis zu dreijährige Strafe verhängt werden, wenn eine Religionsgemeinschaft beschimpft und beleidigt wird. Tokas Strafantrag liegt nun  bei der Osnabrücker Staatsanwaltschaft. Die Aussichten, dass diese sich länger mit dem Fall beschäftigt, gelten als gering - wahrscheinlich wird das Verfahren alsbald eingestellt.

          Eine Passage des NOZ-Berichts legt immerhin nahe, das Tokas Anzeige eine Retourkutsche darstellen könnte. Im vergangenen Winter, heißt es, habe sich die Staatsanwaltschaft nämlich mit einem Strafantrag Nuhrs gegen Erhat Toka wegen Beleidigung konfrontiert gesehen – auch dieses Verfahren sei damals eingestellt worden.

          Dieter Nuhr hat sich inzwischen selbst via Facebook zur Sache geäußert: „Bin von Islamisten als ,Hassprediger' angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe“, heißt es in seiner Stellungnahme. Und weiter: „Bitte um regelmäßige Besuche im Gefängnis! Neue Osnabrücker Zeitung holt ausschließlich Meinung bei den Islamisten ein und zeigt sich verständnisvoll. Die Frage ist: Braucht ein Land, das solche Zeitungen hat, überhaupt noch Islamisten?“

          Erhat Tokas ganzer Zorn gilt vor allem einem Youtube-Video von Dieter Nuhr, in dem sich der Kabarettist mit dem Verhältnis von Islam, Bestrafung und Toleranz befasst. Dazu spießt Nuhr etwa den Satz auf: „Hand ab bei Diebstahl“ und kommentiert dann: “Das hat ja was für sich. Da klaut einer zweimal, aber beim dritten Mal wird's schwierig“.

          Übrigens: Dieter Nuhr tritt am heutigen Samstag aufs Neue auf. Wo? Ausgerechnet in der Osnabrücker Osnabrückhalle. Seine Homepage vermerkt dazu: „Ausverkauft!“

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