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Videospiel „Far Cry 6“ : Diese Revolution ist kein Rosenbett

  • -Aktualisiert am

Gestrenger Vater: Präsident Antón Castillo (Giancarlo Esposito) Bild: Ubisoft

Am Ende muss es knallen: Das Videospiel „Far Cry 6“ erzählt mit starken Figuren und einer schwachen Geschichte vom Widerstand in einem fiktiven Staat in Lateinamerika.

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          Irgendwie schafft es Ubisoft immer wieder, dass man vergisst, wie sehr die formelhafte Open-World-Mechanik von Ubisoft-Spielen ermüdet. Beim jüngsten Ego-Shooter „Far Cry 6“ erleichtert der feurige Vorspann dieses Vergessen. Er ist mit seinen stilisierten Rückbezügen auf die Kolonialgeschichte, Maschinengewehren als Symbol der Revolution, blutroten Giftschwaden auf grünen Blättern und durch die Luft fliegenden Pillen ganz in der Ästhetik moderner Serien gestaltet. Mehr noch: Er klingt auch wie bei Netflix und Co. (der Soundtrack stammt aus der Feder Pedro Bromfman, der auch „Narcos“ zum Klingen brachte), und das Gesicht zum ersten präsentierten Schauspieler-Namen, Giancarlo Esposito, ist bekannt aus Serien wie „Breaking Bad“, „The Mandalorian“ und „The Boys“.

          „Far Cry 6“ erzählt von einer fiktiven Karibikinsel namens Yara. Sie erinnert mit ihrer Geschichte, einer Revolution in den sechziger Jahren, ihrer Rückständigkeit, die Folge eines jahrzehntelangen Boykotts ist, und ihrer Vorliebe für Rum und Musik an das real existierende Kuba. Alte Autos fehlen nicht. Doch auf Yara laufen die Dinge anders, gewissermaßen von links auf rechts gedreht: Die Revolution in Kuba bedeutete 1959 das Ende für den diktatorischen Staatspräsidenten Fulgencio Batista, sie brachte den Kommunisten Fidel Castro an die Macht, der von seinem Versprechen freier Wahlen nichts mehr wissen wollte, Gegner verfolgen ließ und die Staatsführung 2008 seinem Bruder Raúl anvertraute, gefolgt vom heutigen starken Mann im Einparteienstaat, Miguel Díaz-Canel.

          In „Far Cry 6“ hingegen, ist Antón Castillo Präsident von Yara, Sohn des einstigen Präsidenten Gabriel Castillo, der von der „Revolution von 67“ hinweggefegt wurde. Er stellte sich nach dem Tod des kommunistischen Präsidenten Santos Espinosa mit einem visionären Wirtschaftsprogramm zur Wahl und kam an die Macht. Aber die Produktion des wundersamen Krebsmittels „Viviro“, das aus der Tabakpflanze gewonnen wird und ein wirtschaftlicher Gamechanger sein könnte (wohl eine Anspielung auf Kubas Biotech-Sektor), fußt auf Zwangsarbeit und Menschenversuchen. Soldaten, Verhaftungen und Propaganda bestimmen den Alltag.

          Die traurigsten Augen der gesamten „Far Cry“-Reihe

          Wer den Mut hat, versucht Yara zu verlassen. So auch Dani (Sean Rey), ein Mittzwanziger, in dessen Rolle der Spieler schlüpft und den es auch in einer weiblichen Ausgabe gibt (Nisa Gunduz). Ein Kutter soll ihn und andere Yaraner in die USA bringen. Doch auf hoher See wird das Boot von Soldaten gestoppt, und mit ihnen klettert auch Präsident Castillo höchstselbst an Bord. Wir erfahren: Unter den Flüchtigen befindet sich Diego (Anthony Gonzalez), Castillos empfindsamer dreizehnjähriger Sohn – mit den traurigsten Augen der gesamten „Far Cry“-Reihe.

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