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Zukunft des Printjournalismus : Ich erzähle dann mal eine Geschichte

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Vier Jahre nach der Gründung liegt die Auflage des „California Sunday Magazine“ bei knapp 400 000 Exemplaren. Bild: The California Sunday Magazine

Kann man heute noch ein gegenwärtiges Magazin machen? Und wie verkauft man es? Über den eigentlich unmöglichen Erfolg des „California Sunday Magazine“, das jetzt für den „National Magazine Award“ nominiert ist.

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          Es ist leicht, Douglas McGray – einen amerikanischen Journalisten in seinen Vierzigern, der mit Brille, Hemd und Pullover ein bisschen aussieht wie der brave Bruder von Colin Farrell – für einen Anachronisten zu halten. 2014 gründete er das „California Sunday Magazine“, ein etwa siebzigseitiges Heft aus Papier, so dünn, dass es schon beim ersten Lesen zerfleddert. Es erscheint alle zwei Monate. Eine Ausgabe enthält eine Handvoll langer Reportagen mit opulenten Fotos, jene Art Geschichten, an denen eine Reporterin Wochen recherchiert und schreibt, die ein Redakteur mit Anmerkungen versieht, bevor die zweite Version die Textchefin kommentiert und deren dritte oder vierte Fassung ein Dokumentar nach Fehlern durchsieht. An einer „California Sunday“-Covergeschichte über eine trauernde Mutter, deren Sohn erschossen worden war, arbeitete die Autorin siebzehn Monate. Im Februar erschien eine Ausgabe, die zum Großteil aus einem Text bestand: Auf fünfzig Seiten porträtierte ein Autor den größten Farmer der Vereinigten Staaten.

          Der Chefredakteur Douglas McGray und seine Mitarbeiter mögen eine Art des Journalismus machen, wie es sie fast nicht mehr gibt, zugleich aber ist die „California Sunday“-Redaktion in San Francisco ein Ort des Wandels und der Zukunft. Die aufwendigen Reportagen erscheinen auch auf einer sehr schönen Website, ohne Gebühr lesbar. Die Reporter reisen eher nicht in Krisengebiete oder zum letzten Kampf eines alternden Boxers, dorthin also, wo sich das Drama besonders eindrucksvoll zeigt.

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