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Frankreichs Presselandschaft : Die Zukunft der Zeitung beginnt jetzt

Die französischen Tageszeitungen Le Monde und Libération in einem Zeitungsständer vor einem Kiosk in Paris. Bild: Frank Röth

Frankreichs Presse begegnet der Krise. Die Tageszeitungen finden neue Leser, ihnen wird wieder mehr Vertrauen entgegengebracht. Ein neues Geschäftsmodell und eine historische Allianz helfen dabei.

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          Fromme Wünsche und große Hoffnungen: Mit ihnen begann das neue Jahr. In seiner Grußbotschaft an die Journalisten wünschte sich der französische Präsident Emmanuel Macron ein Gesetz gegen Fake News. Der linksaußen politisierende Jean-Luc Mélenchon, der für sein Ausscheiden bei der Präsidentschaftswahl die Medien verantwortlich machte, startete im Namen seiner Partei, dem „Unbeugsamen Frankreich“, ein eigenes Fernsehprogramm „Le Média“, für das er ein paar renommierte Mitarbeiter und prominente Sympathisanten zu begeistern vermochte. Zwei kleine, aber durchaus erfolgreiche Verlage, die mit Zeitschriften wie „XXI“, „Society“ und „SoFoot“ dem Journalismus neue Felder und Leser erschlossen hatten, kündigten neue Wochenmagazine an: „Ebdo“ und „Vraiment“. Sie versprachen, die in Frankreich sehr beliebte Gattung des Nachrichtenmagazins – „L’Express“, „Le Point“, „L’Obs“ und „Marianne“ – aufzumischen. Es waren nicht einmal die einzigen Projekte. Am 3. Januar titelte „Le Monde“: „Neue Medien – Print leistet Widerstand.“

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Frankreichs Presse hat apokalyptische Zeiten hinter sich: kaum ein Verlag, der nicht verkauft worden wäre. Gerade geht es auch mit dem Konzern Lagardère zu Ende. Die Frauenzeitschrift „Elle“ wird an einen tschechischen Milliardär verkauft, der auch das Nachrichtenmagazin „Marianne“ übernimmt. Die führenden Medien befinden sich fast ausnahmslos in den Händen der zehn reichsten Franzosen. Dem kürzlich verstorbenen Flugzeugbauer Dassault gehörte das „Figaro“-Imperium, der Telekomunternehmer Xavier Niel besitzt zusammen mit einem Banker „Le Monde“ und „L’Obs“, der allerreichste Franzose Bernard Arnault (LVMH) hat sich die führende Wirtschaftszeitung „Les Echos“ gekauft und vor dem Wahlkampf zusätzlich das führende Boulevardblatt „Le Parisien“ – um Sarkozy zu unterstützen, wie Kritiker munkelten. „Libération“ und „L’Express“ befinden sich im Besitz von Patrick Drahi, der in den Vereinigten Staaten Kabelnetze betreibt und dem in Frankreich die Telefongesellschaft SFR gehört. Und so weiter.

          „Le Média“ hat sich als Propagandasender entpuppt

          Auch im französischen Wahlkampf ging es um den Bruch zwischen dem „Volk“, an dem die Segnungen der Globalisierung vorbeigehen, und den Eliten mit ihrem „System“ und ihren Medien. Deren Eigentümer unterstützten Macron, dem ihre Redaktionen zumindest nicht feindlich gesinnt waren und sind. In einer radikal veränderten politischen Landschaft schien das Bedürfnis nach neuen Medien groß zu sein.

          Nach weniger als sechs Monaten fällt die Bilanz ernüchternd aus. Mélenchons „Le Média“ existiert nach wie vor, hat sich aber als Propagandasender entpuppt und seine besten Journalisten wie Sympathisanten verloren. „Ebdo“ – Motto: „Unabhängig und ohne Werbung“ – strauchelte über eine unseriöse Geschichte, die dem Umweltminister Nicolas Hulot die Vergewaltigung einer Großnichte des verstorbenen Präsidenten Mitterrand unterstellte. Aus dem Traumstart wurde ein journalistisches Trauma und das Magazin schnell wieder eingestellt. Auch „Vraiment“ brachte es nur auf ein paar Ausgaben.

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