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Frankreichs Presselandschaft : Die Zukunft der Zeitung beginnt jetzt

„Auf ihm sind wir so stark wie Google und Facebook“

Ohne die Kioske sind die Magazine und Zeitungen weg vom Fenster. Unter ihrem Druck hat es „Le Monde“ vorgezogen, das Online-Abo zu verbilligen und weiterhin einen Teil der Inhalte im Netz gratis zu vertreiben. Die Zeitung unternimmt große Anstrengungen, um „trafic“ zu generieren und die Marke zu stärken. Zweiundzwanzig Millionen Leser werden jeden Monat gezählt, beim „Figaro“ sind es sogar dreißig Millionen. Beide Unternehmen sind zu der Überzeugung gelangt, dass sie dieselbe Strategie verfolgen. Sie haben eine Werbeallianz begründet, die der Geschäftsführer von „Le Monde“, Louis Dreyfus, als „historisch“ bezeichnet: „Wir decken den französischen Markt zu 85 Prozent ab. Auf ihm sind wir so stark wie Google und Facebook, aber sehr viel kreditwürdiger und wachsamer.“

Im Zeitalter der Beliebigkeit, Vulgarität und der Fake News ist bei den Anzeigenkunden eine neue Wertschätzung für ein anspruchsvolles, verlässliches redaktionelles Umfeld zu beobachten. Aber auch die Leser setzen wieder mehr Vertrauen in die Tageszeitungen. Die Pressekrise hatte für ihr Selbstbewusstsein durchaus heilsame Folgen. Die Zeitungen treten heute weniger arrogant und ideologisch auf, es ist ein Genuss, täglich den „Figaro“, „Libé“ und den „Monde“ zu lesen. Und weil es im Kiosk gar nichts mehr kostet, eben auch „L’Equipe“ und „Le Parisien“. Es gibt eine neue Lust an der Zeitung. In der jährlichen Umfrage von „La Croix“ sprechen in diesem Jahr 52 Prozent der Franzosen der Gattung Tageszeitung als Informationsmedium ihr Vertrauen aus. Das ist noch immer wenig – aber vor einem Jahr waren es 44 Prozent. Leicht besser schneidet nur der Rundfunk ab. Generell werden die traditionellen Medien wieder als verlässlicher wahrgenommen.

Im Internet allerdings bleibt die Zahl der Nutzer, die sich in keiner Weise für die Quellen der Nachrichten und die Herkunft der Gerüchte interessieren, weiterhin hoch. „Wir gehen in die Schulen, um den Jugendlichen zu erklären, wie man Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt prüft“, erklärt Jérôme Fénoglio. Er hat in seiner Redaktion eine Abteilung aufgebaut, die sich systematisch mit dem „Fakten-Checking“ befasst und alle paar Tage neue Artikel veröffentlicht – die gratis ins Netz gestellt und intensiv gelesen werden. Auch die von „Le Monde“ betriebene Suchmaschine „Decodex“, mit der man sich über die Qualität von Portalen und ihr Lügen-Potential informieren kann, ist frei zugänglich: „Wir haben das Phänomen Fake News lange vor dem Brexit und der Trump-Wahl zur Kenntnis genommen“, sagt Chefredakteur Fénoglio.

In der Diskussion um sein Fake-News-Gesetz, das ohnehin nur in Zeiten des Wahlkampfs Gültigkeit haben soll, schlug Macron die Schaffung eines Gütesiegels für Informationsmedien vor. Pädagogische Maßnahmen, publizistische Aufklärung sind zweifellos besser als Gesetze. Bei „Le Monde“ machen sich die Anstrengungen bezahlt, und sie werden kontinuierlich ausgebaut. Die Zeitung ist nicht nur auf Twitter und Facebook aktiv. Auf Snapchat erreicht sie jeden Tag 900.000 Jugendliche. „Sie sind unsere Zukunft“, sagt Louis Dreyfus. So optimistisch wie er haben sich schon lange keine Verleger und Chefredakteure mehr geäußert. Binnen weniger Wochen konnte „Le Monde“ mit einem Sonderangebot (sechs Euro pro Monat) zehntausend Abonnenten im Alter zwischen achtzehn und 25 Jahren gewinnen. Beim „Figaro“ sind immerhin zwanzig Prozent der Online-Abonnenten jünger als 35 Jahre.

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