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Frankreichs Presselandschaft : Die Zukunft der Zeitung beginnt jetzt

Seit Jahren schrumpft die Presse um mal vier, drei oder sogar sechs Prozent. Das war auch in den vergangenen zwölf Monaten so. Mit einer Ausnahme: Die Tageszeitungen legen zu. Das Wachstum der Gattung beträgt weniger als ein Prozent, bei den Qualitätszeitungen aber fällt es spektakulär aus. Sein Motor ist die beschleunigte Digitalisierung. Beim „Figaro“ macht die Zahl der Online-Abonnements 25 Prozent der Gesamtlauflage aus. Sie ist doppelt so hoch wie jene der Kioskverkäufe. Bei der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ ist die Tendenz ähnlich und erfreulich.

Es funktioniert dank einer Ausweitung der Geschäftsfelder

Ganz besonders gut entwickelt sich „Le Monde“. 130.000 Abonnenten lesen die Zeitung auf dem Tablet, Computer oder Handy. Ihre Zahl ist binnen Jahresfrist um vierzig Prozent gestiegen. Als das Blatt 2010 seine neuen Besitzer bekam, hatte es ein Jahrzehnt mit jährlichen Verlusten von mindestens zehn Millionen Euro hinter sich. Seit 2015 schreibt „Le Monde“ wieder schwarze Zahlen, für 2017 wird ein Gewinn von siebzehn Millionen ausgewiesen. Parallel dazu – und nach mehreren Entlassungswellen – ist die Zahl der Redakteure von 310 auf 430 erhöht worden. Es werden weiter neue Journalisten eingestellt: „Das Modell der umfassenden Tageszeitung, die über alle Bereiche berichtet, hat sich als gültig erwiesen“, stellt Chefredakteur Jérôme Fénoglio fest. Es funktioniert dank einer Ausweitung der Geschäftsfelder und einer spektakulären Preissenkung: Das Online-Abo kostet nur noch 9,90 Euro pro Monat. Es war zuvor fast doppelt so teuer.

„Le Monde“ ist im Gegensatz zu „Figaro“ und „Libération“ in keinem der Online-Kioske vertreten. Diese werden als Zusatzleistung mit den Handy-Abos oder Pay-TV-Gebühren geliefert. Man kann sie auch zum Spottpreis von zwanzig Euro abonnieren. Beim Mobilfunkanbieter SFR sind achtzig Titel im Angebot, für passionierte Zeitungsleser ein Paradies praktisch zum Nulltarif. In seiner jetzigen Form kann dieses Angebot nicht aufrechterhalten werden. Dem Trick mit der Mehrwertsteuer, die damit gespart werden konnte, hat der Staat einen Riegel vorgeschoben. Bei SFR belief sich die gesparte Summe auf zweihundert Millionen Euro. Jetzt wird erwogen, Vielleser stärker zur Kasse zu bitten. Patrick Drahi ist immer noch überzeugt, ein neues Geschäftsmodell für die Zeitungen gefunden zu haben. Was es den Verlegern einbringt, bleibt ein Geheimnis – aber als Vertriebskanal ist es äußerst erfolgreich. „Paris Match“ verscherbelt auf diese Weise gegen hunderttausend Exemplare pro Nummer. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ bringt mehr als ein Drittel seiner Auflage von 250.000 Exemplaren auf diesem Weg an die Leser.

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