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Bezahlinhalte im Internet : „Die Zahl der Abonnenten ist ermutigend“

Ende Mai im Axel-Springer-Haus: Die „Bild“-Zeitung stellt ihre Bezahlmodelle im Internet vor Bild: dpa

Weil alle Verlage in Deutschland nach neuen Erlösquellen im Internet suchen, werden die neuen Bezahlmodelle von „Welt“ und „Bild“ genau beobachtet. Nach einem halben Jahr hat „Welt Online“ eine erste Bilanz gezogen.

          Wie sollen Zeitungen und Zeitschriften ihre Auftritte im Internet finanzieren? Über kaum ein Thema streiten Journalisten rund um den Globus derzeit so leidenschaftlich. Weitermachen wie bisher, also die Redakteure mit den Werbeeinnahmen bezahlen, fordern die einen. Endlich die Leser an der Finanzierung beteiligen, sie für Texte auch im Internet zahlen lassen, fordern die anderen. Wie verhärtet die Fronten in diesem Streit über die sogenannte „Paywall“ sind, hat sich beim „Spiegel“ gezeigt. Dort zerbrach die Chefredaktion im Streit um die Kostenloskultur.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          In Deutschland setzt der Axel-Springer-Verlag als erstes großes Medienhaus auf Bezahlinhalte im Internet. Nach den ersten Versuchen beim „Hamburger Abendblatt“ und der „Berliner Morgenpost“ folgte am 12. Dezember als erste überregionale Zeitung in Deutschland „Die Welt“. Am 11. Juni folgte dann die „Bild“-Zeitung.

          Das Ziel: ein nachhaltiges Geschäftsmodell

          Nach den ersten sechs Monaten mit einer Paywall hat nun der General Manager von „Welt online“, Romanus Otte, bei der Frankfurter Tagung „Zeitung Digital 2013“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) eine erste Zwischenbilanz gezogen.

          Vorbild der „Welt“ beim sogenannten „Metered“-Bezahlmodell ist die „New York Times“. Zwanzig „Welt“-Texte darf jeder Leser im Monat frei lesen, beim 21 wird er zum Abschluss eines Abonnements aufgefordert. Bei der „New York Times“ wurde die Zahl der freien Texte bereits auf zehn abgesenkt. 6,99 Euro kostet der günstigste digitale „Welt“-Zugang für einen Monat. Ziel sei es gewesen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus in der digitalen Zeit zu erschaffen, sagt Otte.

          Ein Verlag, zwei gegensätzliche Konzepte

          Dabei will die „Welt“ auch in Zukunft nicht auf Anzeigen verzichten. „Die Werbeerlöse im Internet werden weiter wachsen, deswegen haben wir das 'Metered'-Modell gewählt“, sagt Otte. „Alle Produkte bei uns sind kostenpflichtig und werbetragend.“ Schlechte Nachrichten also für alle, die von Werbung auf Internetseiten genervt sind.

          Weil für die Anzeigenkunden vor allem die Menge der Leser entscheidend ist, muss die „Welt“ also nicht nur die zahlenden Abonnenten, sondern auch weiterhin die breite Masse ansprechen. Deswegen bleiben die Texte für alle Leser, die von Google, Twitter, Facebook oder anderen Angeboten kommen, frei. Laut Otte ist es der „Welt“ in den ersten sechs Monaten gelungen, die Zahl der Leser sogar noch weiter zu vergrößern. Im Gegensatz zur „Welt“ setzt die „Bild“-Zeitung (4,99 Euro im Monat) wie viele Regionalzeitungen auf das sogenannte „Freemium“-Modell. Dabei bleiben manche Inhalte vom ersten Klick an ausschließlich zahlenden Abonnenten vorbehalten. Welches dieser beiden gegensätzlichen Bezahlmodelle sich beim Springer-Verlag durchsetzen wird, ist offen. „Wir stehen erst ganz am Anfang unseres neuen Geschäftsmodells.“

          Unabhängiger von schwankenden Werbeerlösen

          Die entscheidende Frage nach der Anzahl der digitalen Abonnenten will Otte allerdings nicht konkret beantworten. „Die Zahl der Abonnenten ist ermutigend“, heißt es, und Otte sagt: „Ich freue mich schon darauf, im nächsten halben Jahr die Zahl der Abonnenten sagen zu dürfen.“ Beim weitaus größeren Vorbild „New York Times“ sind es derzeit rund 676.000 digitale Abonnenten, rund zwei Prozent der regelmäßigen Leser der Seite.

          Beim „Spiegel“ beobachtet man die Konkurrenz derzeit übrigens noch mit Zurückhaltung. „Wir brauchen im Moment keine Paywall. Nicht, um unsere Redaktion zu finanzieren“, sagte „Spiegel online“-Geschäftsführerin Katharina Borchert vor wenigen Tagen bei einem Treffen der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ in Hamburg. Die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft seien derzeit ausreichend. Dennoch werde über Pay nachgedacht, um in Zukunft unabhängiger von schwankenden Werbeerlösen zu sein.

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