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Streit um „Piet Smiet“ : Ist bald Schluss mit dem Dauer-Gedaddel?

Plötzlich im Rundfunk: PietSmiet-Mitglieder Christian Stachelhaus (links) und Dennis Brammen. Bild: dpa

Die Landesmedienanstalten wollen, dass die Youtuber von „Piet Smiet“ eine Rundfunklizenz beantragen. Sonst würden sie abgeschaltet. Dabei geht es um mehr als nur den einen Gaming-Kanal.

          Ist das jetzt das Ende? Wird in Deutschland Streaming ohne Rundfunklizenz verboten? Ist Schluss mit den Videoaktivitäten von Let’s-Playern wie „Piet Smiet“? Das sind Fragen, mit denen sich Peter Smits alias „Piet Smiet“ – der Namensgeber und Gründer des gleichnamigen Youtube-Kollektivs – seit Dienstag im Netz konfrontiert sieht. Und er ist einigermaßen überrascht.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Denn er erfährt erst zu diesem Zeitpunkt von der Pressemitteilung der von den Landesmedienanstalten gebildeten Kommission für Zulassung und Aufsicht (Zak). In der ist zu lesen, dass eines der Formate des Teams – „Piet Smiet TV“, eine 24/7-Dauersendeschleife aus wechselnden Videos, in denen die Macher Computerspiele spielen und gleichzeitig kommentieren – alle Voraussetzungen erfülle, um als Rundfunkangebot zu gelten. Die ZaK sieht in dem Format einen linearen „Informations- und Kommunikationsdienst, der sich an die Allgemeinheit richtet. Er verbreitet ausgewählte Angebote, die Nutzer weder zeitlich noch inhaltlich beeinflussen können, entlang eines Sendeplans.“ Deshalb benötige „Piet Smiet“ aus Sicht der ZaK nun eine Rundfunklizenz, da sonst ein Verstoß gegen die Zulassungspflicht vorliege und die Truppe dieses Format demnach bis zum 30. April abschalten müsste.

          Smits versucht zu beruhigen

          Am Donnerstag gab der betroffene Peter Smits ein erstes Statement zum Thema ab und versuchte die Gemüter zu beruhigen. Betroffen seien nach seinem Wissensstand nicht die Let’s-Play-Videos des Teams an sich, sondern lediglich die genannte Dauersendeschleife der Videos mit Namen „Piet Smiet TV“ auf dessen Website und dem Angebot beim Streaming-Dienst für betreutes Computerspielen, „Twitch“, das im Schnitt bis zu 500 Zuschauer hat. Bis dato sei die ZaK noch nicht persönlich auf sie zugekommen, heißt es bei „Piet Smiet“. Auf Nachfrage habe es aber geheißen, man werde das so schnell wie möglich tun.

          Was kostet die Lizenz?

          Die Youtuber wollen nun erst einmal warten, welche Konditionen und Kosten mit der Anschaffung einer Rundfunklizenz verbunden sind. „Wenn sich das für uns nicht rechnet, dann werden wir das Format wohl einfach abschalten“, erklärt Piet Smiet-Mitglied Dennis Brammen gegenüber FAZ.NET.

          Unklar ist allerdings, ob es damit für die Let’s-Play-Gemeinde getan ist. Denn, was schlicht Video-On-Demand und was rundfunkverdächtig ist, das versuchen die Landesmedienanstalten gerade neu zu verhandeln.

          Peter Smits sprach sich indes für eine Anpassung des Rundfunkstaatsvertrages an die derzeitigen Gegebenheiten aus: Der Rundfunkstaatsvertrag bedürfe einer umfangreichen Erneuerung, die auch die aktuelle Entwicklung widerspiegele – auf Twitch, Youtube und Facebook, also überall, wo Live-Videos angeboten würden.

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