https://www.faz.net/-gqz-9llyo

Die Youtube-Verschwörung : Hauptsache, es klickt

Bestimmte Videos sollte man auf Youtube vielleicht besser nicht verbreiten. Doch der Konzern soll ein Interesse daran haben, dass sie verfügbar bleiben. Bild: Imago

„Engagement“ ist alles, auch wenn es mit Extremisten- und Verschwörungsvideos der übelsten Sorte erreicht wird: Warum Youtube lange nichts gegen Lügen-Videos getan haben soll.

          1 Min.

          Wer bei Youtube den Namen Hillary Clinton eingibt, dem hängt die Autovervollständigung an erster Stelle ein „eyes“ dran. Wer den Suchbefehl annimmt, gelangt zu einer Liste mit Videos, die Titel tragen wie „Reptilien-Illuminati-Hillary-Clinton Augen Störung“ oder „Hillary Clinton Hybrid-Reptilien-Augen-Compilation“. Von dort ist es nicht mehr weit bis „Do Lizard Aliens Rule the Earth“ oder „Spirit Cooking: Hillary Clinton & the Occult“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Dahinter stecken Verschwörungstheorien, die die ehemalige Präsidentschaftskandidatin als Echsenmenschen enttarnen wollen oder sie in die Nähe von Teufelsanbetern rücken. Manche stellen schlicht die Verschwörung und ihre Verbreiter vor, andere führen vermeintliche Beweise an. Dass diese und gefährlichere Videos sich auf Youtube verbreiten, ist nicht neu. Neu ist, dass man in Youtubes Chefetage durchaus davon zu wissen scheint, aber bewusst nicht dagegen vorgeht.

          Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ignoriert die Youtube-Chefin Susan Wojcicki seit Jahren die Bitten ihrer Angestellten, derlei Videos als problematisch zu kennzeichnen und zu entfernen, da man dadurch Reichweite verliere. Vorschläge aus dem eigenen Haus, Videos, die unter Youtubes Hassrede-Regeln fallen, zu markieren und nicht mehr automatisch vorschlagen zu lassen, seien abgeschmettert worden: Man möge stillhalten. Stattdessen sei man nur darauf erpicht gewesen, das „Engagement“ zu steigern: die Klickzahlen von Videos, die Zeit, die Nutzer auf der Videoplattform verbringen, und die Interaktion mit den Videos, beispielsweise durch Kommentare. Zudem hätten Youtubes Anwälte Angestellte gewarnt, sie würden sich haftbar machen, wenn sie die Existenz extremer und extremistischer Inhalte auf Youtube eingestünden.

          Bloomberg hatte zwanzig Personen interviewt, die für Youtube arbeiten oder bis vor kurzem dort angestellt waren. Wojcicki habe nicht Stellung nehmen wollen. Stattdessen habe eine Unternehmenssprecherin versichert, man habe sich in den vergangenen zwei Jahren ausschließlich darum bemüht, eine Lösung für diese Probleme zu finden. So habe man auch das Empfehlungssystem verbessert, damit dort keine Videos mit „schädlichen Missinformationen“ mehr empfohlen werden. Auch setzte man auf „maschinelles Lernen“, um schädliche Inhalte schneller ausfindig zu machen. Bei fragwürdigen Videos soll seit geraumer Zeit ein graues Kästchen mit einem Link zum thematisch entsprechenden Wikipedia-Eintrag helfen. Doch auch dieses taucht nur sehr sporadisch auf.

          Nicht alles liegt im Auge des Betrachters: Durch mal mehr, mal minder geschickte Manipulation wollen Videos beweisen, das Hillary Clinton eigentlich ein Echsenmensch ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.