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Game of Thrones : Spielen und morden

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Die zarte Daenerys Targaryen drängt aus dem südlichen Essos auf dem Thron von Westeros. Nicht nur ihre Drachen sind gefährlich. Bild: obs

Die Gewalt wird immer härter, der Sex immer wilder. Und kein Held wird geboren: Die Welt von „Game of Thrones“ ist nicht nur Fiktion. Am Sonntag startet die fünfte Staffel.

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          Gleich zu Beginn der literarischen Saga, die als Vorlage für die spektakuläre Fernsehserie „Game of Thrones“ dient, deren fünfte Staffel am Sonntag beginnt, steht die Anmerkung: „Dies ist ein fiktives Werk. Jede Ähnlichkeit zu realen Personen, Ereignissen oder Orten ist rein zufällig“. Eine überflüssige Zusicherung bei einem Werk der Fantasy-Literatur, wo es Untote, Drachen und Hellseher gibt. Und doch gibt es in „Game of Thrones“ Dinge, die uns näher stehen, als uns lieb ist – was vielleicht den unglaublichen Erfolg der bisher fünf Bücher des US-amerikanischen Schriftstellers George R.R. Martin und der Fernsehserie der Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss erklärt.

          „Game of Thrones“ spielt auf den Kontinenten Westeros und Essos, in einer Zeit, die an das Mittelalter erinnert. Getrieben von den niederen Machtkämpfen und Feindseligkeiten unzähliger Protagonisten, kämpfen die sieben Adelshäuser von Westeros einen langen und blutigen Krieg um den „eisernen Thron“, einen Königssessel, der aus tausend durch Drachenfeuer eingeschmolzenen Schwertern besteht und sich in der korrupten Hauptstadt Königsmund befindet.

          Vom Süden her wird Westeros durch den Aufstieg der tollkühnen Daenerys Targaryen bedroht, der Thronerbin einer vor Jahren abgesetzten Königsfamilie. Daenerys will mit ihren drei Drachen von Essos aus Königsmund und somit das ganze Reich erobern. Im eisigen Norden, der von Westeros durch eine kolossale Mauer getrennt ist, lauern weitere Gefahren: die „Wildlinge“, freie Einwohner des Nordens, die in den Süden eindringen, und eine grässliche Armee lebender Toter. Der härteste Widersacher ist aber der Winter, der sich am Anfang der Geschichte nach neun Sommerjahren anbahnt – die Länge der Jahreszeiten ist hier nicht vorhersehbar – und droht, die ganze Welt aus dem Lot zu bringen.

          Wer den Eisenthron besetzt, ist am Ziel, sitzt dort aber nicht bequem

          Obwohl die pseudo-mittelalterliche Szenerie, das epische Ausmaß der Reibereien zwischen den Clans und die übernatürlichen Elemente typisch für das Fantasy-Genre sind, das die meisten hauptsächlich durch die Saga „Der Herr der Ringe“ des Briten J.R.R. Tolkien kennen, gibt es in „Game of Thrones“ einiges, das die traditionellen Grenzen jenes Genres sprengt – und letztlich die Fantasy auch neu erfindet.

          Man hat George R.R. Martin, der die komplexe und grausame Welt von „Game of Thrones“ erschaffen hat, „den US-amerikanischen Tolkien“ genannt. Doch dieser Vergleich – und der Vergleich von „Game of Thrones“ mit Tolkiens „Herr der Ringe“ – ist irreführend. Wer in Martins Bücher und die TV-Serie reinschaut, wird keine edlen Elfen, unschuldigen Hobbits und weisen Magier finden, die tapfer für das Gute kämpfen. Die wichtigste Zauberin in „Game of Thrones“ verehrt einen grausamen Feuergott; und die Figur, die einem heldenhaften Protagonisten mit Ehre und einer gewissen Integrität in dieser Serie am nächsten kommt, ist der zynische, rumhurende, trinkende und von seiner Familie gehasste Zwerg Tyrion Lennister.

          Die verzwickten Handlungsstränge und finsteren Beweggründe der Protagonisten scheinen aus Shakespeares Tragödien zu stammen. (So versteht der aufmerksame Zuschauer erst in der vierten Staffel, dass die ungeheuren Thronkriege durch die selbstsüchtigen Begierden eines einzigen Mannes entfacht wurden.) Ein anfangs hassenswerter Missetäter wirkt einige Folgen später fast liebenswert; und Königin Cersei, die vielleicht bösartigste Frau der Kulturgeschichte seit Medea, schafft es, nachdem sie über die Liebe zu ihren Kindern spricht, echtes Mitleid zu erwecken. Gut und Böse sind hier bedeutungslos, denn in „Game of Thrones“ befindet sich jeder im ständigen Kampf – weshalb auch zentrale Figuren und Sympathieträger wie Fliegen sterben.

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