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Fußball im Streaming : Die Tage von Sky sind vorbei

Was Julian Nagelsmann (rechts, mit Angelino) und RB Leipzig international bewegen, macht Alexa hörbar. Bild: dpa

Fußball im Stadion, im Fernsehen und im Radio – das war bald einmal. Das Internet übernimmt den Sport. Unbedingt gut finden muss man das nicht.

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          Der Spruch „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ wird dem legendären Fußballtrainer Otto Rehhagel zugeschrieben. Seine beste Zeit als Trainer (und als Sprücheklopfer) hatte er, als er die griechische Nationalmannschaft 2004 zum Europameistertitel führte („Die Griechen haben die Demokratie erfunden. Ich habe eine demokratische Diktatur eingeführt“; „Ich glaube, ich kann mit meinem Auto in Athen jetzt wieder die Busspur benutzen“; „Wenn wir zweimal gewinnen, wollen sie gleich Europameister werden, und wenn wir zweimal verlieren, wollen sie sich gleich ins Meer stürzen“).

          Auf dem Platz liegt die Wahrheit des Fußballs zwar heute immer noch, ihre Wahrnehmung aber verändert sich radikal. Die Stadien sind pandemiebedingt leer und dürfen zur nächsten Saison nur spärlich besucht werden. Im frei empfangbaren Fernsehen gibt es von der Bundesliga (fast) nur Zusammenfassungen zu sehen, die ARD-Bundesligakonferenz am Samstagnachmittag im Radio immerhin gibt es noch, aber da nicht nur samstags gespielt wird, ist da auch weniger Trubel.

          Ähnlich wie beim Kino, dem die Blockbuster (siehe Disneys „Mulan“) abhandenzukommen drohen, scheinen auch die Tage des Fußballbezahlfernsehens, das bei uns bislang der Sender Sky darstellt, gezählt. Das Internet nämlich frisst sie alle, wie man am Beispiel der Champions League sehen kann.

          121 von 137 Spielen der Meisterliga laufen von 2021 bis 2025 bei dem Streamingdienst Dazn, die restlichen sechzehn zeigt Amazon Prime. Nur das Endspiel bekommen Nichtabonnenten woanders zu sehen – im ZDF. Was bislang zwingend zusammenzugehören schien – Fußball und Fernsehen –, wird ersetzt durch Fußball und Streaming. Mit dem unschönen Effekt, dass es immer teurer wird und ein Megakonzern wie der von Jeff Bezos ins Unermessliche wächst und ganze Wirtschafts- und Unterhaltungsbranchen überwölbt.

          Beim Fußball trifft das nicht nur das Fernsehen, sondern auch das Radio, woran Amazon pünktlich zu den heute beginnenden Achtelfinalrückspielen der Champions League erinnert. Die gibt es bei Amazon Music, und wer sich daheim von dem Digitaltotalüberwachungsgerät Alexa (wir fänden den Titel „Stasi 4.0“ passender) bespielen lässt, findet ebenfalls Anschluss.

          Einfach „Alexa, spiel die Champions League“ sagen, und es geht los. Oder, um ganz genau zu sein, muss es heute Abend um 21 Uhr heißen: „Alexa, spiel Bayern gegen Chelsea.“ Nächste Woche wird eingeschaltet zu „Alexa, spiel Leipzig gegen Atlético“. Bundesliga, DFB-Pokal und Supercup hat Amazon selbstverständlich auch im Angebot. Fehlt eigentlich nur noch ein Sprachbefehl zum Anpfiff: „Alexa, hol mir ein Bier aus dem Kühlschrank.“ Wer braucht da noch Fernsehen?

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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