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Die „Spiegel“-Chefredakteure im Interview : Wir führen das Unternehmen Aufklärung weiter

  • Aktualisiert am

„Möglicherweise ist die Zeit vorbei, in der es den einen Oberdeuter brauchte”: Müller von Blumencron (l.) und Mascolo im F.A.Z.-Interview Bild: Holde Schneider

Seit Februar sind Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als neue Chefredakteure des „Spiegel“ im Amt. Im F.A.Z.-Interview erläutern sie erstmals, wie sie das Magazin führen. Mit dem Krisengerede der Branche haben sie nichts im Sinn.

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          Seit Februar sind Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als neue Chefredakteure des „Spiegel“ im Amt. In unserem Interview erläutern sie erstmals, wie sie das Magazin führen. Mit dem Krisengerede der Branche haben sie nichts im Sinn.

          Wenn man auf den aktuellen „Spiegel“ schaut, denkt man sich: Es hat sich ja gar nichts geändert. Halten Sie das für ein Kompliment oder für eine Rüge?

          Mascolo: Das nehme ich als Kompliment. Wir haben keinen „Spiegel“ übernommen, der große Veränderungen benötigen würde. Die Leser müssen im „Spiegel“ finden, was ihn stets ausgemacht hat - eine Ansammlung engagierter Geschichten, pointierter Analysen und starker Recherchen. Insofern kann ich einen Vorwurf in dem Befund nicht erkennen.

          Müller von Blumencron: Ich verstehe die Frage nicht ganz. Wollen Sie uns vorwerfen, dass wir einen politischen Titel gemacht haben?

          Das nicht, aber man könnte ja meinen, dass Sie als Chefredakteure besondere Akzente setzen wollen. Mehr Kommentierung, mehr Recherche.

          Müller von Blumencron: Das Blatt braucht keine Revolution. Der „Spiegel“ entwickelt sich stetig. Wir haben gerade an der investigativen Front viele Erfolge vorzuweisen, Liechtenstein, Telekom, Siemens sind nur einige Stichworte. Und wir sind meinungsfreudiger geworden. Gerade mit dem aktuellen Titel über Angela Merkel und die Wirtschaftskrise setzen wir ein Signal: So sieht es der „Spiegel“.

          Früher hätte Rudolf Augstein die Bundeskanzlerin ungespitzt in den Boden gerammt. Ihr Autorenteam lässt zwar kein gutes Haar an dem Krisenmanagement von Merkel und Steinbrück, die Kritik aber ist doch recht - vornehm.

          Mascolo: Der „Spiegel“ bezieht Stellung, das erkennen Sie an einer ganzen Reihe von Kommentaren und Essays. Wir werden aber nicht an den Punkt zurückkommen - dass der „Spiegel“ den einen Kommentator hat. Diese Zeit ist mit dem Tod Rudolf Augsteins vorbei.

          Müller von Blumencron: Möglicherweise ist die Zeit auch vorbei, in der es den einen Oberdeuter brauchte.

          Mascolo: Mir gefällt unser aktueller Titel auch in dieser Hinsicht gut. Wir haben in der Redaktion lange diskutiert, welche Haltung der „Spiegel“ einnimmt, weil unser Urteil in dieser Zeit, in der die richtige Entscheidung schwer auszumachen ist, Bestand haben muss. Wir haben uns besonders gefreut, dass wir mit Finanzminister Steinbrück einen Gesprächspartner hatten, der eine konträr andere Ansicht vertritt. Ein perfekter politischer Titel.

          Aus der Geschichte könnte man den Wunsch nach dem „Basta-Kanzler“ herauslesen. Einen „Basta-Chefredakteur“ braucht der „Spiegel“ mit Ihnen als Doppelspitze wohl nicht? Wie gestalten Sie Ihre Arbeit, das Modell zweier Chefredakteure kennen wir ja vom „Stern“.

          Müller von Blumencron: Eine Doppelspitze sieht viel spektakulärer aus, als sie ist. In der „Spiegel“-Chefredaktion hat das eine lange Tradition. Vor unserem direkten Vorgänger Stefan Aust gab es eine Reihe von Duos. Formal ist es so, dass einer von uns zwei Wochen lang die Geschäfte führt, aber das ist nicht das Entscheidende. Wir legen beide Hand an - und das den ganzen Tag . Bei einer Doppelspitze brauchen sie eine Menge Vertrauen, sie müssen sich kennen. Wir beide kennen uns seit zwanzig Jahren, das Vertrauen ist da, es funktioniert wunderbar.

          Das heißt, Sie beide konnten sich das bei Ihrer Berufung sofort vorstellen?

          Müller von Blumencron: Ja, gar keine Frage.

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