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„Die Sonja & Dirk Show“ bei RTL : Gleich kommt noch der Mann im Katzenkostüm

  • -Aktualisiert am

Das Traumpaar von RTL: Sonja Zietlow und Dirk Bach Bild: RTL

Das darf man eine Sensation nennen: „Die Sonja & Dirk Show“ bei RTL ist witzig, rasant und ganz anders als das Fernsehen, das wir sonst kennen. Der Auftakt gestern Abend war ein sensationelles Peinlichkeitsexperiment, bei dem mancher Zuschauer eine böse Überraschung erlebte.

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          Manchmal, wenn man glaubt, das Fernsehen halte keinerlei Überraschungen mehr bereit, sondern sei einfach mit sich selbst zufrieden, so wie es ist, trifft es einen mit voller Wucht. Beate zum Beispiel. „Kannst du eigentlich singen?“, fragt Sonja Zietlow, die ins Publikum gerast ist und der ahnungslosen Zuschauerin das Mikrofon unter die Nase hält. Die antwortet etwas verlegen: „Ich kann's versuchen.“ Und Zietlow: „Weißt du was? Wir haben schon mal gesehen wie du gesungen hast. Wir haben dich nämlich heimlich mit der Kamera gefilmt, als du beim Karaoke warst.“

          Da schaut Beate schon mal ziemlich verdutzt. Aber dann läuft bereits der Ausschnitt aus der Karaoke-Bar, in dem sie furchtbar schief singt und Bewegungen macht, die an Tanzen erinnern könnten, und die Zuschauer im Studio klatschen begeistert mit, während Beate sich die Hand vor die Augen hält. Am Freitagabend, live im deutschen Fernsehen.

          Und Bohlen macht große Augen

          Doch es ist noch nicht ganz ausgestanden. Beate muss mit auf die Bühne, wo Dirk Bach schon wartet und sagt: „Wir sind ja der Sender, der die Superstars macht. Und wir werden auch dich groß rausbringen. Aber was heißt: werden? Wir haben dich schon ganz groß rausgebracht!“ Und dann läuft der nächste Film, in dem zu sehen ist, wie Beate beim Karaoke auf einem LKW mit Videoleinwand durch ihren Heimatort gefahren wird, wie der Film anschließend im Stadion in Gelsenkirchen auf Großleinwand vor Fußball-Fans läuft, die sich die Ohren zuhalten, wie Beate auf der mobilen Videoleinwand durch New York gefahren wird und, zum Schluss, wie die Gesangsversuche vor dem Publikum der Aufzeichnung zur RTL-Show „Supertalent“ gezeigt werden, wo Dieter Bohlen in der Jury große Augen macht als er das mit ansehen muss und Jurykollege Bruce Darnell es auf den Punkt bringt: „Ein wunderschönes Mädchen - aber Fakt ist: sie kann nicht singen.“

          War das peinlich! Und war das lustig!

          Wer schon immer Angst hatte, im Zirkus in der ersten Reihe zu sitzen, weil dort die Mitmachgefahr am größten ist, muss sich künftig fürchten, wenn er von Bekannten oder dem Ehepartner gefragt wird, ob ein Besuch in der „Sonja & Dirk Show“ nicht eine gute Idee wäre. Denn Sonja Zietlow und Dirk Bach wissen (fast) alles über ihr Publikum. Natürlich, weil vorher jemand geplaudert hat.

          Im Mäusekostüm auf dem Alexanderplatz

          Am Freitag zeigte RTL die erste Ausgabe eines sensationellen Experiments: Wieviele absurde Ideen kann man in eine Live-Show packen, bis sich die Zuschauer vor dem Fernsehen vor Lachen nicht mehr halten können? Jetzt wissen wir die Antwort: sehr viele. Die erste „Sonja & Dirk Show“ war das Witzigste, was RTL seit Jahren produziert hat, und zugleich das Unverschämteste, weil das Publikum nicht einfach so wegdämmern kann, sondern jeden Moment damit rechnen muss, unmittelbar Teil der Show zu werden - selbst wenn es nicht im Studio ist.

          Als RTL um viertel nach elf live in das Kino am Berliner Alexanderplatz schaltet, wo gleich der Film „Mamma Mia“ laufen soll, und die beiden Moderatoren auf der Leinwand den überraschten Kinobesuchern ankündigen, dass es stattdessen gleich was zu gewinnen gebe, ahnt Lutz aus Oranienburg noch nichts von seinem Glück. Aber als Zietlow plötzlich seinen Namen sagt und er von einem Typen in einem riesigen Katzenkostüm abgeholt wird, sind auch die Besucher um ihn herum ganz baff. Zwanzig Minuten später hängt Lutz als Maus verkleidet in einem Trampolin auf dem nächtlichen Alexanderplatz und hat 30 Sekunden Zeit, die über ihm hängenden Käse- und Speckdekorationen abzugreifen, um 5000 Euro zu gewinnen. Nachher winkt er begeistert in die Kamera, was soll's, jetzt kann er sich ja auch blamieren. Schlimmer wird's nicht. Wie sympathisch.

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