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ZDF-Show „Sorry für alles“ : So gar nicht peinlich

  • -Aktualisiert am

Hier wird niemand vorgeführt: Moderator Steven Gätjen (Mitte) mit den Kandidaten Alisa und Dennis. Bild: ZDF und ZDF/Patrick Seeger

Das ZDF legt eine neue Spielshow auf. In „Sorry für alles“ geraten ahnungslose Kandidaten von einer skurrilen Situation in die nächste. Familie, Freunde und Prominente machen die Scharade mit. Das ist ganz lustig.

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          Dass in diesem Jahr Sat.1 für eine Sendung, in der Fangen gespielt wird, einen Grimme-Preis gewann, mag an einigen vorbeigegangen sein, ist aber durchaus bemerkenswert. Vielleicht zeigt sich hier ein Trend des Spielshowfernsehens. Wo ein Stefan Raab sich zur Ruhe gesetzt hat und Joko Winterscheidts und Klaas Heufer-Umlaufs komplizierte Reisen um die Welt Logistik und klimaschädliche Flugmeilen verbrauchen, was inzwischen total retro wirkt, sind dem Vernehmen nach Rateshows wie Kai Pflaumes „Wer weiß denn sowas?“ unter Jugendlichen der Renner. Zeiten ändern sich, und Schadenfreude kommt auch einmal aus der Mode.

          Bei Grimme wurde „Catch!“ von Sat.1 und insbesondere Spielleiter Luke Mockridge für die Verbindung von Kindergeburtstagsspaß und Respekt für die Verlierer gelobt: Fernseh-Unterhaltung mit Siegern, aber ohne echte Verlierer. „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff oder „Dalli Dalli“ mit Hans Rosenthal machten es einst vor. Den beiden letztgenannten Shows und ihrem nicht zu unterschätzenden Beitrag zur westdeutschen Mentalitätsbildung in der Nachkriegszeit hat Regina Schilling mit ihrer Dokumentation „Kulenkampffs Schuhe“ kürzlich einen fein geknüpften Teppich der untergründigen Beziehungen ausgerollt.

          Auch das ZDF versucht es wieder einmal mit einer neuen Spielshowidee. Da es aber unter der Sonne des TV-Unterhaltungshimmels kaum wirklich Neues gibt, erinnert die Sendung „Sorry für alles“ an mancherlei: Kandidaten in heimlich gefilmten Situationen wie bei der „Versteckten Kamera“, private Lebensausforschung wie in Jan Böhmermanns „Prism is a dancer“, Wissensfragen wie bei „Schlag den Raab“, wo „Sorry für alles“-Moderator Steven Gätjen, früher bei Pro Sieben, seit 2016 beim ZDF, einst ebenfalls die Fragen stellte.

          Vier Wochen lang werden Kandidatinnen und Kandidaten heimlich mit Kameras begleitet und in Inszenierungen gelockt, die ihr Selbstbewusstsein testen. Familie und Freunde sind eingeweihte Lockvögel, für den Touch Prominenz sorgen bewährte ZDF-Kräfte wie Johann Lafer.

          Zum Beleidigtsein besteht keine Veranlassung

          In der ersten Sendung darf Dennis aus Kerpen, sympathischer Typ, Buchhändler und Laientheaterleiter, sich in einem „Escape Room“ mit Loriot-Thema wähnen. Ein Loriot-Fan! Das setzt den Ton. Ein bisschen albern wird es auch, gesetzt wird aber eher auf augenzwinkernd Absurdes. Wirklich vorgeführt werden in „Sorry für alles“ weder Dennis noch später die Kandidatin Alisa. Der bücherliebende Feinschmecker bekommt bei Lafer ein Menü vorgesetzt, das ihm und seinem Begleiter den Schweiß auf die Stirn treibt.

          Die Spielzeugfachverkäuferin wird im Brautgeschäft und im Malkurs aufs Glatteis geführt. Zu gewinnen gibt es belgische Pralinen, Hochzeitskleidung und Traumreisen – und die Sympathie von Zuschauern, die lieber Durchschnittstypen beim Normalsein als Leuten ohne Geschmacksgrenzen beim Peinlichsein zusehen wollen.

          Auch in anderer Hinsicht sichert sich die Sendung mit der vorsorglichen, aber unnötigen Entschuldigung im Titel ab. Die Kandidaten wurden gecastet, glaubten aber, für eine andere Show vorzusprechen. Sie wollten also ins Fernsehen. Niemand nötigt sie, macht sich über sie lustig oder üble Scherze auf ihre Kosten. Steven Gätjen ist durchweg nett. Zum Beleidigtsein besteht keine Veranlassung. Lustig ist es doch irgendwie. So geht Spielshow heute.

          Sorry für alles, heute um 20.15 Uhr im ZDF.

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