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Late-Night-Show aus der Bronx : Weiter mit Slang

  • -Aktualisiert am

Shooting-Stars unter sich: Desus (links) und Mero (rechts) mit der demokratischen Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez Bild: Showtime / Screenshot F.A.S.

Amerikas interessanteste Late-Night-Show kommt aus der Bronx. Den Hosts Desus und Mero stellt sich mit wachsendem Erfolg die Frage: Wie reagiert man als schwarzer Komiker auf ein immer weißeres Publikum?

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          Zwei junge Männer sitzen rum und labern, trinken auch, und natürlich geht es gleich um alles: Dinosauriereier, Eminem und Clownpornos. Oder waren es Clowns, Dinosaurierpornos und Eminems Eier? Eminempornos, Dino... egal, die beiden sind schon wieder ganz woanders, einer spricht jetzt in einen wabbeligen Gummifuß am Ohr, der andere verschluckt sich an einem Schluck Rum vor Lachen.

          Rumsitzen, labern und einander zum Lachen bringen, mehr Konzept gibt es nicht bei Young Chipotle und Trizz Khalifa. Desus Ex Machina und Barmelo Xanthony. Mr. La Marina in a Mesh Merina With a Fresh Misdemeanor and a Cold Demeanor und The Plantain Supernova in The Sky. Die Liste der Pseudonyme von Desus und Mero wächst mit jeder Folge ihrer Fernsehshow und ihres Podcasts, jedes absurde Alias wird mitsamt Herkunftsgeschichte und Popkulturverweisen archiviert von ihren Fans. Manchmal brauchen Daniel Baker und Joel Martinez, so die Geburtsnamen der zwei Hosts, eine Viertelstunde, um sich am Ende ihres Podcasts mit allen Aliassen zu verabschieden.

          In Hoodies und Timberland-Stiefeln

          Die New Yorker Desus und Mero, vierzig und sechsunddreißig, beide aus der Bronx, machen seit Anfang des Jahres beim Bezahlsender Showtime des amerikanischen Fernsehnetzwerks CBS eine ungewöhnliche Late-Night-Show. Statt weißen Anzugmännern, die von ihrem Kommandositz hinterm Schreibtisch vorgeschriebene Gags in eine Kamera sprechen (John Oliver, Jimmy Fallon usw.), sitzen Desus und Mero in Hoodies und Timberland-Stiefeln auf Ledersesseln und trinken Bier (Desus) und Rum (Mero) und lästern sich durch die Ereignisse der Woche in Politik und Popkultur. Sie sind nicht so fies, wie es der CBS-Star David Letterman war, und nicht so schlagfertig wie die Talkshow-Moderatorin Ellen DeGeneres. Überhaupt ist schwer zu sagen, welche Eigenschaft Desus und Mero so lustig macht – vielleicht, dass sie nicht auf eine besondere Art lustig sind. Sie sind lustig, wie Jungs auf Schulhöfen, WG-Sofas und Twitter lustig sind, und viele Jungs sind ähnlich lustig wie sie. Aber Desus und Mero sind eben noch ein kleines bisschen lustiger.

          Die Familien von beiden stammen aus der Karibik, Desus’ Eltern kamen aus Jamaika und Meros aus der Dominikanischen Republik nach New York. Bei einem Sommercamp in der Bronx liefen sich die Teenager über den Weg, ohne nennenswerte Folgen. Sie schlugen sich durch ihre Zwanziger, Mero arbeitete als Assistenzlehrer und schrieb Rezensionen für das Musikportal „Noisey“, Desus war Redakteur eines kleinen Wirtschaftsmagazins und auch mal IT-Support einer Pornowebsite (dass er wissen musste, in welchem Land welche Sexpraktiken verboten sind, nutzt er bis heute für Gags). Zwischen Konferenzen und Unterrichtsstunden teilten sie ihren Angestelltenfrust mit einer wachsenden Gefolgschaft auf Twitter. Mero: „Ich konnte einfach bekifft dasitzen und diese kleinen Dartpfeile abschießen.“

          Bald wurden die beiden aufeinander aufmerksam, und das gute alte MTV auf sie. Ein paar egale Rollen in egalen Comedy-Serien später waren sie immer noch keine Stars, aber ein Duo. Als „Bodega Boys“ starteten sie ihren gleichnamigen Podcast, der bis heute wöchentlich erscheint, gesponsert von Red Bull, und momentan 177 Folgen und gut 200000 Hörer je Sendung hat. Viceland, der Fernsehsender des kanadischen Millennial-Medienkonzerns „Vice“, gab ihnen daraufhin eine eigene Late-Night-Talkshow, die man sich ungefähr wie die beliebten „React“-Videos auf Youtube vorstellen kann. Spontan reagierten Desus und Mero auf einen Mischmasch aus Social-Media-Funden und erzählten, was ihnen so einfiel, zu Hillary Clinton, Kanye West und Intimpiercings.

          Ihre Heimat ist der „unique selling point“

          Ihre Heimat, die Bodegas der Bronx, was vielleicht den Spätis in Neukölln entspräche, verschweigen Desus und Mero nicht bloß nicht. Sie ist der ganze „unique selling point“, der ihre Show außergewöhnlich macht, in den Themen – wichtige Bezugspunkte für Gags sind Rap, Baseball und Kiffen – und in der Sprache. Ihren Weggang von Viceland begründeten die zwei dann auch nicht bloß mit den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, die sie zwangen, 160 Sendungen im Jahr aufzunehmen, fast ohne Team. Richtig schlimm sei es gewesen, in jeder Folge höchstens fünf Mal „fuck“ sagen zu dürfen.

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