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Die Serien-Chefin des BR zum „Tatort“ : Die Kommissare bleiben Singles

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Seit 1991 sind sie ein Paar, rein beruflich, versteht sich. Und seither steht und fällt der München-„Tatort“ mit ihnen: Udo Wachtveitl (links) und Miroslav Nemec Bild: Kerstin Stelter/BR

Inzwischen gebe es zu viele „Tatorte“, lautet die Klage. Der BR legt trotzdem einen neuen auf: Er spielt in Franken. Die Bedeutung des Münchner „Tatorts“ soll das aber nicht schmälern, meint Stephanie Heckner.

          Was macht den Münchner „Tatort“ aus?

          Er hatte die Chance, mehr als zwanzig Jahre lang zu wachsen. Ich finde, das ist ein extremer Luxus, Kommissare zu haben, die schon seit mehr als zwanzig Jahren in den Köpfen der Zuschauer wohnen. Das ist ein reiches Erbe, das in seinen Ursprüngen Silvia Koller zu verdanken ist. Ich habe den allergrößten Respekt vor den beiden Schauspielern, allein wie viel Lebenszeit schon jeder in das Projekt investiert hat. Nemec und Wachtveitl haben durch ihre Persönlichkeiten die Figuren konturiert und geschliffen. Batic& Leitmayr sind deshalb so markant, weil sie so viel Zeit hatten, sich über die Geschichten zu profilieren.

          Trotzdem könnte man ja einmal neue Funken schlagen.

          Die ganze Bandbreite war schon da. Wenn man sich alles anschaut von „Animals“ bis heute, sieht man sehr genau: was ist gut und was möchte man eher nicht wiederholen. Und man landet staunend immer wieder bei „Frau Bu lacht“. Der Film ist von 1995 und für mich einer der allerbesten „Tatorte“, in dem es der Regisseur Dominik Graf und Günther Schütter als Drehbuchautor geschafft haben, ein Thema umzusetzen, das gesellschaftlich brisant und relevant ist.

          Die Grundvoraussetzung eines „Tatorts“.

          Ist es oft, ja, aber so ein Thema darf sich am Ende nicht wie eine öffentlich-rechtliche Hausaufgabe anfühlen, wie eine Rechtfertigung in der Überschrift. Dann ist der Film nicht gelungen. Aber Dominik Graf hat es bei „Frau Bu lacht“ geschafft, dass das Thema sich unmerklich mit den Figuren und Konflikten verbindet. An was erinnern Sie sich noch, wenn Sie an „Frau Bu lacht“ denken?

          Stephanie Heckner leitet beim Bayerischen Rundfunk seit kurzem die Redaktion Reihen und Mehrteiler. Bislang betreute sie die Heimatkrimis, die Koproduktionen „Im Angesicht des Verbrechens“, „Blaubeerblau“ und „Operation Zucker“. Nun ist sie auch für den „Tatort“ zuständig.

          An ein Hochhaus, asiatisches Milieu, einen Schmetterling ...

          Genau. Sehen Sie: Sie denken nicht an das Thema Kindesmissbrauch, sondern an Schmetterlinge, an ein thailändisches Mädchen, vielleicht noch an getrocknete Frösche, die Batic erbrechen muss. Das ist also kein „Tatort“, bei dem man als Erstes denkt: Hier wurde das Thema Kindesmissbrauch durchgespielt. In „Frau Bu lacht“ geht das Thema in den Emotionen und Figuren auf, so dass man es selbst fast vergisst. Keine plakativen Überschriften, sondern Figuren, Details und Situationen, die hängenbleiben. Graf beweist immer wieder, dass er einen scharfen Sinn dafür hat.

          Die Kommissare haben bestenfalls miteinander ein Privatleben. Ist es denkbar, ihnen einmal eine Freundin zu gönnen?

          Auf gar keinen Fall. Ich finde, dass in anderen „Tatorten“ das Privatleben oft zu ausufernd erzählt wird. Es wird immer dann besonders problematisch, wenn man versucht, das Thema der Ermittlung noch im Privatleben zu spiegeln. Das hat meistens etwas Erzwungenes. Schön ist, wenn man die Kommissare emotional an den Fall binden kann. Wie „Im freien Fall“, als Jeanette Hain eine starke Frau spielte, in die sich Leitmayr verliebt. Das kann man natürlich nicht in jedem „Tatort“ machen.

          Wie haben Sie sich auf den neuen Job vorbereitet?

          Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und alle „Tatorte“ angeguckt aus mehr als zwanzig Jahren.

          Sechzig, wenn man drei pro Jahr rechnet.

          So in etwa. In einem der ersten gab es eine Szene, wo die kroatischen Tanten von Batic zu Gast waren. Er hat Geburtstag, die Tanten sind da, man sitzt am Isarufer und singt kroatische Lieder. Dann steigen die Tanten wieder in den Bus und fahren zurück nach Kroatien. Das hat nichts mit dem Fall zu tun, bleibt aber hängen. Ich will keine breit erzählten privaten Stränge. Ich glaube auch, dass die Kommissare Singles bleiben werden.

          Wie lange laufen die Verträge der beiden Schauspieler noch?

          Sie haben gesagt, sie machen weiter, selbst wenn sie mit dem Rollator spielen müssen. Ich hoffe, sie bleiben lange fit.

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