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Die Serie „The Slap“ bei Arte : Wo bitte ist das Valium?

  • -Aktualisiert am

Hector (Jonathan LaPaglia) wollte das Rauchen eigentlich drangeben. Aber er hat die Ruhe weg. Wir wissen, warum. Bild: Ben King/Arte

„The Slap. Nur eine Ohrfeige“ ist die Verfilmung des Bestsellerromans von Christos Tsiolkas und handelt von Mittelschichtsmenschen, deren kleine Probleme richtig groß sind. Arte zeigt die australische Soap.

          Am Anfang war die Ohrfeige. Es ist der Tag vor Hectors vierzigstem Geburtstag. Nach ein paar Liegestützen vor dem Spiegel schlendert er im offenen Hemd - seinen trainierten Körper der Familie zur Schau stellend - in die Küche. Er umgarnt seine Frau Aisha, die gerade das Essen für die Gartenparty zubereitet, während oben die beiden Kinder X-Box spielen. Aisha ist schwarz, Hector hat griechische Wurzeln. Dass sich unter der Oberfläche des vorstädtischen Idylls soziale und emotionale Abgründe verbergen, offenbart sich in Hectors Frage: „Haben wir noch Valium im Haus?“ Ohne das Psychopharmakon würde er die Feier nicht überstehen. Auch die nach und nach einströmenden Gäste schleppen Defekte und Probleme mit sich herum, die nur darauf warten, ans Tageslicht zu gelangen. Das ist der australische Mittelstand, wie ihn uns die Serie „The Slap. Nur eine Ohrfeige“ vorstellt.

          „The Slap“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Christos Tsiolkas, dessen Roman mit dem renommierten „Commonwealth Writers Prize“ ausgezeichnet wurde. Nachdem die Serie über Australien hinaus positive Kritiken erhielt, hat sich nun Arte die Rechte gesichert. Unter den Schauspielern finden sich einige international bekannte Gesichter, allen voran Jonathan LaPaglia, bekannt aus Serien wie „Die Sopranos“ oder „Cold Case“, in der Rolle des Hector. Seine Frau Aisha spielt Sophie Okonedo, die in „Hotel Ruanda“ und Will Smiths Endzeitfilm „After Earth“ auftrat.

          Die Midlife-Crisis eines ganzen Milieus

          Der titelgebende und dramatische Höhepunkt ereignet sich auf der Gartenparty, als Hectors Cousin Harry den Sohn eines Bekannten ohrfeigt, nachdem dieser ihn gegen das Schienbein getreten hat. Diese Ohrfeige bildet das narrative Zentrum. Sie entfacht einen Streit zwischen den Anwesenden und spaltet sie in zwei Lager. Der erzählerische Clou ist, dass jede der insgesamt acht Folgen aus der Sicht einer anderen Figur erzählt wird. Da geht es um Liebe und Leid, eine ungewollte Schwangerschaft, Homosexualität bis zu einer Affäre mit einer Minderjährigen.

          „The Slap“ ist das beklemmende Porträt eines hysterischen Mittelstandes, es geht um die Midlife-Crisis eines ganzen Milieus und den Versuch, die Geschichten einer Seifenoper ernst zu erzählen. Gekennzeichnet ist die Serie dabei von einem schwer erträglichen Hang zum Melodramatischen. Das jedoch unterstreicht die bedrückende Leere dieser von finanzieller Sorgenfreiheit ausgehöhlten Figuren. Wenn „The Slap“ etwas gelingt, dann ist es dies: Die Serie führt das Scheitern der Lebensentwürfe, den Wunsch nach nachbarschaftlichem Frieden, beruflicher Erfüllung und familiärem Glück deprimierend vor Augen. Die von den Figuren selbst nicht reflektierte Einsamkeit ist viel mitreißender als die Lügen und Intrigen, die auf die Dauer anstrengend werden. Am stärksten ist die Serie, wenn gerade nicht gestritten oder getrauert wird, sondern alle mit ihren Getränken im Kreis stehen und sich gegenseitig anschweigen. Oder wenn der Cousin Harry, auf die Frage, warum ihm eine gewisse Fernsehserie gefällt, antwortet: „Weißt du, manchmal möchte ich einfach nur abhängen.“

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